Ein Kreuz mit dem Kreuz

Liebe Gemeinde,

glauben Christen und Moslems wirklich an den gleichen Gott? Schauen wir zum heutigen Karfreitag in den Koran, dann finden wir, dass dieser sagt, dass Jesus nicht gekreuzigt worden ist (Sure 4,156-158). Mohamed und der Koran hat sein Kreuz mit dem Kreuz. Was führte Mohammed dazu, gerade die wichtigste Grundlage Inhalt des christlichen Glaubens zu leugnen? Mohammed hielt viel von Jesus. Im Koran finden sich viele Ehrennamen für Jesus. Und der Islam übernahm viele Themen und Geschichten aus unserer Bibel. Deutlich wird auch, dass Mohammed Jesus ehren wollte. Gerade mit der Leugnung des Kreuzes wollte er die Ehre Jesu und vor allem die Ehre Gottes retten und hoch halten. Deshalb endet der Abschnitt im Koran über das Kreuz auch mit der Aussage: „Gott ist mächtig und weise!" Das heißt mit anderen Worten: Gott ist zu mächtig, als dass er sich von uns Menschen besiegen ließe, und zu weise, als dass er uns Menschen nicht überlisten könnte. Für Mohammed ist es unmöglich, dass die Allmacht und Weisheit Gottes sich mit der Niederlage des Kreuztodes eines der Propheten Gottes in Übereinstimmung bringen lässt. Deshalb lehnte er den historischen Bericht von der Kreuzigung Jesu ab – also nicht aufgrund besserer geschichtlicher Berichte, sondern aufgrund seines bestimmten Bild von Gott. Ein gekreuzigter Jesus passt nicht in seine Vorstellung von Gott und dessen Handeln. Mohammed kann sich Gott nur als die unermessliche Steigerung menschlicher Stärke vorstellen. Doch genau hier beißt sich die Kuh in den Schwanz: Gerade durch den Versuch, die Allmacht Gottes zu sichern, wird diese Allmacht eingeschränkt: Gott kann alles – nur nicht schwach sein! Gott kann alles – nur nicht leiden und sterben! In seinem Bestreben Jesus zu ehren, hat Mohamed genau das Gegenteil erreicht. Er verurteilt Gott und Jesus zur Bedeutungslosigkeit.

Dieser Jesus und dieser Gott können den Menschen dann eben doch nicht in allen Situationen verstehen. Denn zumindest diese eine Tatsachen des menschlichen Lebens ist Ihm fremd und unverständlich: das Sterben.

Genau hier liegt der Unterschied: Gott ist eben nicht so wie wir Menschen in unserem Streben nach Größe und Macht und dicken Gehältern. Er ist so groß, dass er sich sogar das Kreuz leisten kann! Wer das Kreuz wegnimmt, der nimmt die Grundlage, das Fundament weg. Wenn ich das Fundament unserer Kirche wegnehmen würde, dann würde sie uns auf den Kopf fallen. Wie gut, das heute Karfreitag ist, das wir es hören und bedenken: „Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort.“

Doch halt, meldet sich unser Verstand. Wie kann ein liebender Gott zulassen, dass sein Sohn auf so grausame Weise leidet. Unser Verstand hat auch ein Kreuz mit dem Kreuz.

Wie passen die Vorstellung vom strafenden Gott und die Vorstellung vom liebenden Gott zusammen? Unser Verstand hat recht: Sie passen überhaupt nicht!

Es geht nicht um das Bild, das wir uns von Gott machen, sondern um die Wirklichkeit Gottes, wie sie uns durch die Bibel berichtet wird. Gott hängt nicht an den Vorstellungen, die wir uns von ihm machen.

Die Vorstellung vom liebenden Gott verschwimmt oft zur Karikatur des lieben Gottes. Mit Heinrich Heine gesprochen heißt das, dass es ja schließlich sein „Metier" sei, uns zu vergeben. Oder auf neudeutsch heißt das: Opa kriegt die Sachen nicht mehr so recht mit, jedenfalls nimmt er sie uns nicht krumm.

Auf der anderen Seite: Was soll denn das für ein Gott sein, der zum Beispiel Gebote erlässt, aber ihre Übertretung ungestraft lässt? Also muss er doch einer sein, der nicht bloß zuschaut, sondern auch zuhaut. Mit diesem Gottesbild landen wir bald beim Schreckensbild des Fliegenklatschengottes. Also wie denn nun? Ist Er beides?

Die Wirklichkeit, wie sie uns die Offenbarung der Bibel zeigt, ist so: Gott ist heilig. Seine Heiligkeit verlangt Bestrafung der Sünde des Menschen. Damit passt aber nicht zusammen, dass die Bibel sagt: „Gott ist Liebe". Das Problem ist mit unserem Verstand nicht lösbar!

Gott hat es trotzdem gelöst. Nicht mit unserem Verstand, sondern mit seiner Liebe: am Kreuz. Dort trifft Strafe und Liebe in einem Punkt zusammen: in Jesus. Gott vollzieht die Strafe an Seinem Sohn. Was von uns aus unvorstellbar ist, ist bei Gott möglich. Kein Mensch konnte das Kreuz erfinden. Da konnte nur Gott drauf kommen. „Gott sei Dank“ das es Karfreitag gibt. Es ist der notwendige Schritt auf dem Weg zu Ostern. Das habe ich in der Titelgeschichte des jetzigen Gemeindebriefes verdeutlicht. Sie erklärt Karfreitag so gut, dass ich sie hier noch einmal erzählen möchte:

Chamil, der Befreier des Kaukasus, wurde um seiner Tapferkeit und Aufrichtigkeit willen ein Held seines Volkes. Als er Herrscher des Landes wurde, nahm er wahr, dass unter seinen Volksgenossen ein gefährliches Glücksspiel immer mehr Macht und Ausbreitung gewann. Nahezu jeder spielte, nahezu jeder war dieser Sucht ergeben und arbeitete so mit am Verderben der ganzen Nation. Chamil aber liebte sein Volk und beschloss, ein Gesetz herauszugeben, um diese Spiel-Leidenschaft zu hemmen: Hundert Schläge mit der Peitsche sollten den treffen, der beim Spiel gefunden wurde. Das Gesetz war in Kraft getreten und wer war der erste, den man bei dem verbotenen Spiel fand? Chamils eigene Mutter! Können wir des Sohnes Not verstehen? Er liebte seine Mutter. Musste auch in diesem Fall das Gesetz erfüllt und die schwere Strafe an ihr vollzogen werden? Chamil war tief bewegt und erschüttert. Zwei Tage schloss er sich ein und aß nicht und trank nicht. Gab es keinen, gar keinen Weg zur Befreiung seiner Mutter? Aber Chamil war ja nicht nur der Sohn seiner Mutter, sondern auch der Herrscher seines Volkes. Er selbst hatte ein Gesetz gegeben, eine Übertreterin war entdeckt worden, und so gern er gerade diese Übertreterin verschont hätte: er konnte und durfte es nicht tun. Wenn er jetzt eine Ausnahme duldete, würde er aufhören, ein gerechter Herrscher zu sein. Nach diesen zwei Tagen wusste Chamil, was er tun wollte. Sein Herz bebte, als er die Ältesten seines Volkes um sich gesammelt hatte und seine Mutter vorführen ließ. Schon waren ihre Hände an den Pfosten gebunden, und die Soldaten standen bereit, um die hundert Schläge auf den Rücken der Mutter zu geben. Der erste Soldat erhob die Hand, der erste Schlag sollte fallen. Da … Chamil gebot Halt und entblößte seinen eigenen Rücken, ließ seine Hände an den Pfosten binden und befahl den Soldaten, ihm die hundert Schläge zu erteilen. Er liebte seine Mutter und nahm deshalb ihre Strafe auf sich.

Wir wissen von einem anderen – es ist der heilige Sohn Gottes, der sich freiwillig stellte, um für uns die Strafe zu ertragen und in den Tod zu gehen. Wir alle waren Gottes Feinde durch alle die kleinen und großen, die sichtbaren und unsichtbaren Verfehlungen und Verschuldungen unseres Lebens. Eine Kluft entstand zwischen dem heiligen Gott und uns, und sein Urteil lautet: Tod. Dieses Urteil wurde an Karfreitag vollstreckt, damit wir leben können. Ich habe kein Kreuz mit dem Kreuz, Dieses ewige Leben lasse ich mir von keiner anderen Religion nehmen. Dieses Leben lasse ich mir nicht durch meinen Verstand madig machen. Dieses ewige Leben nehme ich wie der Mann zu Seite Jesu im Glauben und bitte ihn: „Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“

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