Gottes Handeln wirken lassen

Liebe Ostergemeinde!

Durch das Frühlingswetter erwachen unsere Lebensgeister wieder. Wir gehen hoffnungsvoll in den Tag. Das helle Licht macht unsere Stimmung heller. Wir können nur hoffen, dass dieses Aufhellen auch Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage und die Zukunftsängste der Menschen hat.

Manchmal sind wir in Lebenslagen, da hilft auch das Wetter nicht mehr. Dann braucht unsere Hoffnung einen anderen, tieferen, besseren Grund. Deshalb feiern wir Christinnen und Christen Oster – damit die Hoffnung, die uns gegeben ist, in uns wirken kann. Damit wir hineinwachsen in den Raum der Hoffnung, der uns in Christus gegeben ist. Damit wir den Weg gehen, der uns weiterführt, weil unser Erlöser ihn mit uns geht.

Ich lese uns als Predigttext Lukas 24,36-45. Es ist die Fortsetzung der Geschichte von den Emmausjüngern. Jesus hat den beiden das Brot geteilt. In diesem Augenblick haben sie ihn erkannt und sind getröstet den Weg zurück gegangen nach Jerusalem zu den anderen Jüngern, um ihnen zu sagen: Jesus lebt. Ich lese nach der Übersetzung von Christiane Nord und Klaus Berger:

[TEXT]

Wir befinden uns ganz am Ende des Lukasevangeliums. Jesus erklärt noch die Verheißungen des Alten Testaments. Alles musste so kommen, sein Leiden und Sterben und Auferstehen, damit dann die Frohe Botschaft verkündet werden kann, in Jerusalem beginnend bis an die Enden der Erde. Jesus verheißt ihnen den Heiligen Geist und er verschwindet wieder bei der Himmelfahrt, so wie er ja schon den Emmausjüngern beim Brotbrechen erschienen und dann wieder verschwunden war.

Die Jüngerinnen und Jünger müssen trauern. Sie müssen von Jesus Abschied nehmen. Denn er ist immer noch bei ihnen, aber in anderer Form bei ihnen. Er ist da, aber in anderer Weise da.

Das Ganze ist ein schwieriger und erschreckender Weg. Obwohl die Jüngerinnen und Jünger die Osterbotschaft schon gehört haben – Petrus hat Jesus gesehen und davon berichtet. Die beiden Emmausjünger haben Jesus gesehen und davon berichtet – obwohl die Jüngerinnen und Jünger also die Osterbotschaft schon gehört haben, erschrecken sie, als sie Jesus sehen. Sie denken, er sei ein Geist, der die Gestalt Jesu angenommen hat, um sie in zu ärgern. Sie denken, ihr eigener Wunsch, Jesus sei da, spiegele ihnen falsche Tatsachen vor. Sie denken, in ihrem Schock würden sie würden sie den Verstorbenen sehen, obwohl er doch gar nicht mehr da ist.

Unser Predigttext betont gegen diese Ängste, dass Jesus ganz körperlich als Auferstandener da war. Sie konnten ihn anfassen und er hat mit ihnen gegessen. Und Jesus sagt ihnen zu: Ich bin da. Ich bin derselbe, den ihr kennt, und der euch damals die göttlichen Worte gesagt hat, die euch getröstet haben. Damals schon hat euer Herz gebrannt. Lasst es wieder entflammen.

Und dann legt er ihnen die Schrift aus. Damit schafft er eine Verbindung zu dem was war. Er hilft ihnen, das Geschehene zu deuten. Jetzt sind sie völlig aus der Bahn geworfen, hin- und hergerissen zwischen Freude und Entsetzen. Jetzt überwältigen Zweifel und Misstrauen ihr Herz. Sie sind in einer großen Krise, in einer sehr schwierigen Lebensphase. Der Jesus der Vergangenheit muss ihnen der Jesus der Zukunft werden. Dazu müssen sie mit seinem Leiden und Sterben fertig werden.

Jesus hilft ihnen in ihrer Trauer, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und in ihrem Zweifel. Er erinnert sie an die Schriftworte, die er doch so oft schon ans Herz gelegt hat. Er erinnert sie an das gemeinsame Mahl, indem er mit ihnen isst. Und so schafft Jesus eine Verknüpfung zu dem, was war.

Jesus schafft eine Verknüpfung mit ihren vergangenen Hoffnungen, die zerbrochen scheinen, weil ihr Hoffnungszeichen Jesus tot ist. Jesus schafft eine Verknüpfung mit ihrem vergangenen Glauben, der sich aufgelöst hat, weil Böse und die Gewalttat gesiegt haben und der Glaube eben diesen Berg nicht versetzen konnte. Jesus schafft eine Verknüpfung mit ihrer vergangenen Liebe, die sich nicht bewährt hat, als sie Jesus im Stich gelassen haben.

Jesus schaffte eine Verknüpfung – er isst mit ihnen wie damals. Er redet mit ihnen wie damals. Er zeigt sich als ebenderselbe Jesus von damals. So gibt es für die Jüngerinnen und Jünger eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, als gerade alle Verbindungen abgerissen scheinen. Jesus ist da, anders da, aber doch da – und so wird eine Zukunft für die Jüngerinnen und Jünger möglich.

Liebe Ostergemeinde, wir wissen nicht, wie viel von unserm Wohlstand wir retten werden können. Wir wissen nicht, wie viel von unserem Glauben wir retten werden können. Wir wissen nicht, wie viel Menschlichkeit sich diese Gesellschaft wird bewahren können.

Aber wir wissen – es gibt eine Brücke. Es gibt einen, der mit uns geht – Jesus Christus, derselbe gestern, heute und morgen. Und dieser Jesus Christus ist kein Freund nur für schöne Tage. Er hat das Kreuz ausgehalten, die Leiden der Welt getragen. Wenn dieser Jesus Christus da ist, bei uns ist, in uns ist, mit uns das Mahl teilt und für uns da ist – dann ist da für uns eine Brücke, über die wir gehen können. Dann ist da ein lebendiges und wirksames Hoffnungszeichen mitten in dem Gefühl des Niedergangs.

Liebe Ostergemeinde, diese Geschichte ist sehr einfach und alltäglich. Da wird die Welt verändert, weil Jesus Christus auferstanden ist. Und er isst mit ihnen ein Stück Fisch. Und er erinnert sie an Bibeltexte, die sie kennen und was er dazu erklärt, ist eigentlich ganz einfach: genau so musste es geschehen. Was geschieht, liegt im Plan Gottes. Wir fallen nicht heraus aus diesem heilsamen Plan Gottes für uns und unsere Welt. Es muss nichts spektakuläres passieren. Wir müssen nichts besonderes leisten. Wir müssen gar keine Wunder vollbringen und Berge versetzen. Wir müssen nur mit ihm den Fisch essen und ihm zuhören. Viele wichtige Menschen der Bibel bleiben uns unbekannt. Sie werden gar nicht mit Namen genannt. Es reicht, dass sie Gottes Handeln wirken lassen. Es reicht, dass sie Jesus, dem Lebendigen, Raum geben. Manchmal passiert dann Erstaunliches. Jesus verheißt ein paar Verse weiter den Heiligen Geist, indem er sagt: Wartet in der Stadt, bis ihr Gottes Kraft anziehen könnt wie eine Rüstung, wie ein neues strahlendes Kleid. Aber auch da gilt: was die Jüngerinnen und Jünger machen müssen, ist Warten.

Liebe Ostergemeinde, die Hoffnung ist uns gegeben, wir müssen sie nicht machen. Die Hoffnung ist wie ein Raum, in den wir eintreten können. Und dann reicht es, zu warten, bis wir Gottes Kraft anziehen können wie eine Rüstung, wie ein neues strahlendes Kleid.

Das walte der dreieinige Gott, der Grund unserer Hoffnung, die Kraft unserer Liebe, die Quelle unseres Glaubens.

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