Eine unangenehme Botschaft

Liebe Gemeinde,

heute denken wir an Jesu Tod. Passend dazu ist der Predigttext heute die Kreuzigung nach dem Lukasevangelium. Ich lese Lukas 27,32-49:

[TEXT]

Zwei Dinge fallen mir an dem Text auf:

1. Immer wieder wird spöttisch wiederholt: Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. Das ist das erste.

2. Das zweite ist: auch noch in seinem Tod entscheidet sich das Schicksal der Menschen daran, wie sie sich zu Jesus Christus stellen. Dem Mitgekreuzigten, der ihn bittet an ihn zu denken, wenn er zu Gott kommt, dem wird verheißen: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

Wieso kann Jesus sich selbst nicht helfen? Die Gemeinde steht fassungslos vor der Tatsache, dass der der anderen geholfen hat hier im Tod vollständig hilflos erscheint. Und das ist damals wie heute eine große Herausforderung. Wenn Jesus so hilflos seinen eigenen Tod erlitten hat, wie kann er dann uns helfen in unserer Not? Seit der Stunde von Jesu Tod haben sich Christinnen und Christen mit dieser Frage auseinander gesetzt und haben viele verschiedene Antworten gefunden. Ich finde es sehr sympatisch von unserem Text, dass er diese Frage erst einmal stehen lässt. Warum hat Jesus sich selbst nicht geholfen? Warum konnte er sich selbst nicht retten? Eine kleine Antwort auf diese Frage findet sich allerdings schon in dieser Geschichte. Jesus rettet zwar sich selbst nicht aber noch in seinem Tod rettet er jede Menge andere Menschen. Er rettet den einen Mitgekreuzigten. Er bringt den Hauptmann des Kreuzigungskommandos zum Nachdenken und zu der Erkenntnis, dass diese Kreuzigung nicht gerechtfertigt ist. Und das Volk, das zuschaute tut das, was Jesus von Anfang an von dem Volk erwartet hat. Es kehrt um. Also wird es auch gerettet. Hinter diesem Text scheint also das für uns auf: Jesus ist für uns gestorben und er hat sich nicht gerettet, weil er uns retten wollte. Jesus musste sterben, damit wir leben können. Da sind sich alle Evangelien und auch die Paulusbriefe einig.

An Karfreitag sind wir ja an unangenehme Botschaften gewöhnt. Aber diese Botschaft finde ich sehr unangenehm. Und natürlich stelle ich mir wie die Menschen damals auch die Frage: Es ist ja schön, dass er uns gerettet hat, aber hätte er das nicht vielleicht auch etwas weniger blutig und brutal für sich selbst lösen können. Warum dieser schreckliche Tod? Warum das Leiden? Warum Folter und Demütigung? Warum Spott und Hohn? Alle Antworten auf diese Frage können nur im Nachhinein gegeben werden und bleiben spekulativ. Nach wie vor müssen wir damit leben, dass es eben so geschehen ist. Und es ist müßig zu fragen, ob es nicht auch hätte anders sein können. Die Bibel sagt immer wieder. Es musste so kommen. Es war notwendig. Und wir können uns nur im Nachhinein überlegen warum es denn notwendig war. Es gibt wie gesagt viele Antworten. Und manche davon finde ich entschieden gotteslästerlich. Zum Beispiel die, dass Gott durch das Opfer Jesu Christi versöhnt werden musste, damit er uns unsere Schuld vergeben kann. Dass Gott den Tod Jesu verlangt hat, damit er sein Stolz befriedigt wird und er erst dann gnädig sein kann, das finde ich ein schreckliches Gottesbild. So möchte ich nicht von Gott denken.

Meine momentane Antwort sieht etwas anders aus. Ja, Jesus Christus musste sterben. Es ging tatsächlich nicht anders. Aber nicht weil Gott das gewollt oder zugelassen hat. Jesus Christus musste sterben, weil die Menschen sich nicht auf seine Botschaft einlassen konnten. Jesus Christus musste sterben, weil das römische Reich in der Region eine brutale Herrschaft aufgebaut hat. Jesus Christus musste sterben, weil die Widerstandskämpfer gegen Rom nicht eingesehen haben, dass Widerstand gegen diese römische Macht ins Verderben führt. Und Jesus Christus musste sterben, weil die führenden Leute in Jerusalem ihm nicht vertrauen konnten. Jesus Christus musste sterben, weil sein tiefes Gottvertrauen für zu viele eine Herausforderung war und sie nicht damit leben konnten. Jesus Christus musste sterben, weil er gestört hat und weil er die alte Ordnung durcheinander gebracht hat.

Aber warum ist dieser Tod für uns geschehen? Was haben wir davon? Warum ist dieser Tod rettend für andere auch für uns?

Dieser Tod ist rettend für uns, weil Gott das so will. Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt. Das weiß auch schon unser Predigttext. Die Hoffnung auf das, was nach dem Tod kommt, ist hier schon in der Todesstunde angesprochen: Morgen wirst du mit mir im Paradies sein. Dieser Tod Jesu ist rettend für uns, weil Gott Jesus Bitte am Kreuz erfüllt: „Gott, vergib ihnen denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Gott vergibt uns. Gott macht aus dem, was wir Menschen schreckliches getan haben, etwas Gutes, rettendes für uns. Gott lässt Jesus nicht im Tod. Gott erweckt Jesus Christus von den Toten und bestätigt damit seine Botschaft. Gott bestätigt, das, was Jesus Christus verkündet und gelebt hat. Obwohl seine Gegner stärker waren als er, gibt es jetzt eine Hoffnung. Durch die Niederlage, durch den Tod hindurch gibt es von nun an Hoffnung auch für uns. Jesus Christus musste nicht sterben, weil Gott das so wollte, sondern weil der Widerstand gegen Gott in der Welt stark und mächtig ist. Aber nicht mächtig genug um endgültig den Sieg davon zu tragen. Und insofern ist Jesu Tod nicht nur Rettung für uns sondern auch Trost. Wenn der Widerstand gegen Gott und das Gute in der Welt so stark ist, dass er Jesus Christus töten konnte, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn der Widerstand gegen Gott auch in uns so stark ist. Dann müssen wir uns nicht wundern, wenn wir etwas Gutes versuchen, dass wir dann oft scheitern. Wenn der Widerstand gegen Gott in der Welt so stark ist, dass Jesus Christus daran sterben musste, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn wir mit unserer kleinen Kraft nur wenig zustande bringen. Wenn der Widerstand gegen Gott in der Welt so groß ist, dann müssen wir uns nicht wundern, dass das Leben so ungerecht und so gefährlich ist. In unseren Niederlagen und in unserer Schwäche, in unseren Schmerzen und auch in unserem Tod sind wir jetzt nicht mehr allein. In unserem Leid haben wir Gott an unserer Seite. Jesus Christus ist uns nahe, wenn es uns schlecht geht, wenn auch wir leiden müssen. Dann können wir in unserer Angst auf ihn blicken und können hoffen, dass es auf irgendeine Weise gut ausgehen wird wie es ja auch letztendlich trotz Leid und Folter und Schmerz und erbärmlichem Tod für ihn gut ausgegangen ist. Dann können auch wir wie er sagen: In deine Hände Gott befehle ich meinen Geist. Wenn wir auf Jesus blicken in seiner Todesnot und in seinem Gottvertrauen, dann schaffen wir es vielleicht auch Gott weiterhin zu vertrauen trotz dem Leiden, dass auch wir nicht vermeiden können. Liebe Gemeinde, das wünsche ich uns. In allem, was schwierig ist in unserem Leben, doch eine Hoffnung zu behalten, die Hoffnung dass es am Ende noch gut ausgeht. Das wünsche ich uns trotz allem, was schwierig ist in unserem Leben, dass Gott uns Vertrauen schenkt, dass alles doch noch gut ausgehen wird. Das wünsche ich uns trotz allem, was schwierig ist in unserem Leben, dass Gott im Leiden bei uns ist, und wir Trost finden im Schmerz Jesu Christi. Das wünsche ich uns, trotz allem was schwierig ist in unserem Leben, dass wir nach den Zeiten des Leids auch wieder Freude finden in dieser schönen Welt, die Gott uns anvertraut hat.

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