Glaube muss verschwenderisch und unvernünftig sein

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, der zu uns ist Vater und Mutter und von unserem Herrn und Bruder Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,

der 35. Geburtstag von Herrn Hunzicker war eigentlich nichts Besonderes und so hatten sich viele der Freunde gewundert, dass es eine schriftliche Einladung zur Feier im Kulturzentrum gab. Und als sie dann zur Feier kamen, gab es für alle eine riesige Überraschung.

Ein überregional bekanntes Orchester war für eine Stunde eingeladen worden.

Das Geburtstagskind selbst hatte davon nichts gewusst. Alles wurde heimlich von seiner Freundin vorbereitet.

Trotz der guten Stimmung konnte man an verschiedenen Tischen immer wieder das gleiche hören.

„Das ist doch wirklich übertrieben“, „so eine Verschwendung“, „so ein Orchester kostet doch wahnsinnig viel Geld“, von 10 bis 15000 € war die Rede.

„Auch wenn seine Freundin so viel Geld hat, kann man doch mit dem Geld vernünftigeres machen“ „Wir lassen es hier krachen und wo anderes verhungern die Menschen“

Liebe Gemeinde, Liebe kann verschwenderisch und unvernünftig sein.

Was niemand gewusst hat war, dass diese Feier die letzte große Feier von Herrn Hunzicker mit seinen Freunden war. Zwei Wochen später war er tot.

Niemand hatte gewusst, dass Herr Hunzicker sterben wird. Wirklich niemand?

Eine hatte es geahnt.

Ich lese den ersten Teil unseres heutigen Bibelwortes aus Markus 14:

Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt.

Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls?

Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.

Liebe Gemeinde,

verschwenderisch und unvernünftig ist das Verhalten dieser Frau. Kostbares Nardenöl im Wert von 300 Silbergroschen für einen Mann, für Jesus.

Liebe kann ganz schön verschwenderisch und unvernünftig sein.

Wer hier an die Geschichte der Salbung Jesu durch die Sünderin bei Lukas denkt liegt falsch. Hier ist von keiner Sünderin die Rede, sondern von einer unbekannten Frau, die zur Oberschicht des Volkes zählt. Nur jemand mit viel Geld kann eine Flasche des kostbaren Nardenöls im Wert von 300 Silbergroschen besitzen.

300 Silbergroschen, das war das Jahresgehalt einen Tagelöhners, das sind nach unseren Maßstäben 10 – 15 Tausend Euro.

Nicht zufällig auch erfahren wir, wo sich diese Begegnung abspielt: „Im Hause Simons des Aussätzigen“. Schon allein dieser Hinweis macht die Dramatik deutlich.

Aussätzige, unheilbar Kranke, gab es zur Zeit Jesu an allen Ecken und Enden.

Sie waren angewiesen auf die Almosen der reichen Leute; wie auf die der unbekannten Frau in unserer Erzählung.

Kein Wunder, dass die Männer sie anfuhren ob solcher Torheit und Verschwendung.

Ahnte denn keiner, dass Jesus kurze Zeit später tot sein würde? Die Jünger und die Gäste des Festes jedenfalls nicht.

Manchmal möchte man eben bestimmte Wahrheiten nicht erkennen und bestimmte Zeichen nicht sehen. Die schmerzliche Tatsache, die unserem Bibelwort vorausgeht, wo wir in Vers 1 des Kapitels lesen: „Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten.“

Wollte es keiner sehen?

Jesus selbst ahnte was auf ihn zukam, auch wenn er nicht sterben wollte. Er spürte, dass sich da etwas gegen ihn zusammenbraut.

Auch wenn die Menschen heute noch alle jubeln, so wie es in der Lesung zu hören war, so kannte er das Herz des Menschen nur zu gut um nicht zu wissen, wie schnell sich das ändern konnte. Heute noch Jesus morgen schon Barabas und selbst in den eigenen Reihen berichten uns die Evangelien von Verleugnung und Verrat.

Jesus wusste, dass wenn er seinen Weg konsequent weitergehen würde, es seinen Tod bedeuten kann. Und obwohl Jesus Angst vor dem Tod hatte und wünschte, dass dieser Kelch an ihm vorüberginge, ist er sich selbst treu geblieben.

Sicher hat Jesus das was ihm vielleicht bevorsteht, in Gegenwart seiner Jünger und Jüngerinnen immer wieder angedeutet, aber nur wenige haben es begriffen.

Eine der wenigen, die mit ihm diese Furcht teilte, war diese für uns unbekannte Frau, die Jesus geliebt hat.

Und die Geschichte zeigt: Liebe kann verschwenderisch und unvernünftig sein. Sie ist bereit zu geben ohne abzuwägen.

Jesus, der andere bis zur Selbstaufgabe immer wieder beschenkt hat, ist auch nur ein Mensche, der Liebe und Verständnis braucht. Dies drücken seine Worte im 2. Teil unseres Bibelwortes aus:

„Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im voraus gesalbt für mein Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Wenn ich einen schweren Weg vor mir habe, dann ist es eine große Hilfe, wenn ich weiß, dass Menschen zu mir halten, auch wenn sie vielleicht nicht bei mir sein können. Wenn ich weiß, dass Menschen in Gedanken bei mir sind, fühle ich mich nicht alleine und kann daraus Kraft schöpfen.

Ich bin sicher, dass Jesus bei seinem Weg in die Folter und in den Tod immer wieder an diese Frau und an andere Begleiter und Nachfolgerinnen gedacht hat, die ihn verschwenderisch und unvernünftig geliebt haben.

Und ich bin überzeugt, dass Glaube immer wieder dieses Verschwenderische und Unvernünftige braucht. Geiz ist eben nicht geil sondern Sünde.

Glaube braucht Menschen, die mit dem Herz handeln und nicht mit Kalkül.

Menschen die nicht jedes Mal überlegen, welchen Nutzen sie selbst davon haben.

Wenn wir die Liebe Gottes den Menschen weitergeben wollen, dürfen wir ohne schlechtes Gewissen verschwenderisch und unvernünftige sein und uns dabei auf die Frau in unserem Bibeltext berufen.

Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Amen

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