Die Stunde Jesu

Mit dem heutigen Sonntag, Palmsonntag, beginnt in unseren Kirchen die Woche mit dem Gedenken an die Kreuzigung und Auferstehung von Jesus Christus.

Am Ende seines irdischen Wirkens, am Passahfest kommt Jesus ein letztes Mal nach Jerusalem. Anders als sonst vollzieht sich sein Einzug nicht in aller Stille, sondern unter lautem Jubel des Volkes. Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem.

Eine große Menge jubelt ihm mit Palmzweigen zu, während die Führer des Volkes bereits seine Hinrichtung geplant und vorbereitet haben.

Doch zwei Tage vor dem Passahfest …

[TEXT]

Mitten in eine Männerrunde kommt ungefragt eine Frau und gießt Öl im Wert eines Jahresgehaltes auf Jesus. Die Jünger protestieren und dieser Protest scheint verständlich. Was soll diese Verschwendung? Dieses Öl hätte man für mehr als dreihundert Silberstücke verkaufen und das Geld den Armen geben können!

Auch uns, wenn wir an die Aktionen: „Helft uns leben“ oder „Brot für die Welt“ um nur zwei Beispiele zu nennen, ist eine solche Argumentation, wie der der Jünger einleuchtend. Ist das nicht Gotteslästerung, mit solch einer Kostbarkeit Jesus zu ehren, oder hätte man den Erlös vom Verkauf des Öles den Armen geben müssen?

Ist es eigentlich korrekt, Spenden zu sammeln um Kirchen zu sanieren, oder muss man alles den Armen geben? Warum geben wir unsere Kollekte für die Pflege der Kirchenmusik in unserer Gemeinde, oder muss man alles den Armen geben? Warum investieren wir so viel in unsere Gemeindefeste, oder muss man alles den Armen geben?

Über Verschwendung und Geiz bei unseren Mitmenschen, darüber können wir uns ganz schön aufregen. Wenn wir aber mal verschwenderisch sind oder gar vom Geiz befallen sind, dann ist das alles für uns nicht so schlimm. Wir handeln doch in einer guten Absicht.

Als die Frau aber die ganze Flasche des kostbaren Öls über Jesu Kopf schüttet, da kam Protest. Ein paar Tropfen hätten doch auch gereicht. Den Rest hätte sie doch versilbern können und den Armen schenken sollen. So denken nicht nur die anderen, sondern wir auch.

Die Frau aber, in unserem Predigttext, hat ganz andere Gedanken. Für sie ist es ganz wichtig Jesu gegenüber ihre Dankbarkeit und ebenso ihre Liebe zu zeigen. Und deshalb ist sie so verschwenderisch. Und Jesus? Er protestiert nicht. Er tritt für diese Frau ein.

Selbstverständlich, liebe Gemeinde, sollen auch die Armen versorgt werden. Jesus hatte sich immer für die Armen, die Hungrigen, sowie für die Durstigen und ebenso für die Mühseligen und Beladenen eingesetzt.

Hier gab es für ihn kein: Entweder die einen, oder die anderen, nein, für Jesus galt immer: sowohl als auch! Arme wird es immer bei euch geben, und ihr könnt ihnen helfen, sooft ihr wollt. Jetzt aber ist die Stunde, für Jesus Gutes zu tun. „Denn mich habt ihr nicht mehr lange bei euch.“

Die Frau, sie salbt Jesus und mit ihrer Tätigkeit bestätigt sie uns zugleich, dass er der ersehnte Messias ist. Allerdings weiß sie nicht, dass ihr Handeln die vorweggenommene Totensalbung Jesu ist.

Sie hat getan, was sie jetzt noch tun konnte: Sie hat meinen Körper im Voraus für das Begräbnis gesalbt.

Was auch immer die Jünger bewegt hat gegen diese verschwenderische Frau zu protestieren, zum Schluss steht sie gerechtfertigt da. Sie handelt aus ehrlichem und reinem Herzen. Ja, sie verehrt Jesus und empfängt von ihm ungeahnte Anerkennung.

Überall in der Welt, wo in Zukunft die Gute Nachricht verkündet wird, wird auch berichtet werden, was sie getan hat. Ihr Andenken wird immer lebendig bleiben.

Ja, liebe Gemeinde, diese Frau, Markus nennt nicht mal ihren Namen, hat getan, was sie tun konnte. Warum? Nun, weil sie, so denke ich, erst an sich etwas hat tun lassen.

Und auch wir können erst dann tätig werden, uns zu Jesus hinwenden, wenn wir etwas an uns haben tun lassen. Wie soll dies geschehen? Nun es ist Jesus, der uns den Rücken frei macht und uns die Lasten der Sünden abnimmt und auch vergibt.

Wir kommen nicht weit, wenn wir unsere Lasten schleppen. Vielleicht schleichen wir nur noch so dahin, brechen ab und sinken vor dem Ziel zusammen.

So sind wir nun mal. Wir verteilen das Gewicht unserer Lasten, je nach Bedarf mal auf die eine oder andere Seite unseres Lebens und scheuen nicht davor zurück unsere Nächste und unseren Nächsten mit einzubeziehen.

Unter diesen Umständen, liebe Gemeinde, können wir nichts tun, was wir eigentlich machen könnten. Viele Menschen warten darauf, dass wir etwas täten. Aber dazu kommt es bei uns nicht, da wir mit unseren Lasten viel zu viel zu schleppen haben.

Warum halten wir an unseren Lasten so krampfhaft fest? So können wir doch niemals das tun, was wir eigentlich tun könnten, uns zu Jesus hinwenden, in seiner Nachfolge stehen und unser eigenes Leben in seinem Geiste gestalten. Ja, liebe Gemeinde, in seinem Geiste gestalten, so dass unser Leben nicht nur für uns ganz alleine da ist, sondern auch für unsere Nächste und unseren Nächsten.

In unserem Predigttext wird uns Jesus menschlich sehr nahe gebracht. Er ist Gast bei Simon, dem Aussätzigen. Er speist mit den anderen und wird auf seinen Tod vorbereitet, obwohl die Frau nicht daran gedacht hat und Jesus ermahnt uns, die Armen in Zukunft nicht zu vergessen.

Diesen Jesus, liebe Gemeinde, den sollen wir verehren. Er ist nicht nur der Anwalt der Armen, der Hungrigen, sowie der Durstigen und ebenso der Mühseligen und der Beladenen. Durch seinen Tod am Kreuz und durch seine Auferstehung ist er unser Erlöser.

drucken