Das kommt vom Himmel

Beim Thema Abendmahl muss ich immer daran denken, wie ich während des Studiums im Seminar meinen ersten Rentnernachmittag gehalten habe, irgendwo in einer Gemeinde in Halle. Und als ich fragte, wie oft man denn zum Abendmahl gehen soll, da sagten die Frauen, na höchstens zweimal im Jahr, so oft sündigt man ja nicht. Das war die alte Lehre, mit denen viele Generationen aufgewachsen sind und die das Abendmahl zu einer todernsten und traurigen Angelegenheit gemacht hat. Heute haben wir uns davon gelöst, geblieben aber ist, dass wohl jeder eine etwas andere Auffassung vom Abendmahl hat. Bis eben dahin, dass genau an diesem Punkt die beiden großen Konfessionen keinen Weg zueinander finden. Aber auch unter evangelischen gibts Streit, wenn es darum geht, ob man Ungetaufte zum Abendmahl einladen soll oder wie man sich verhält, wenn Nichtmitglieder plötzlich mit nach vorn kommen. Oder ob katholische Christen wieder weggeschickt werden müssen. Die einen schauen einander an, die anderen gucken ernst nach unten, und die dritten trauen sich kaum einen Tropfen aus dem Becher zu trinken, während andere einen ordentlichen Schluck nehmen. Aber wie ist es denn nun wirklich gemeint? Selbst die Bibel ist ja nicht eindeutig.

Im Johannesevangelium kommt Jesus selbst zu Wort. Und wir sind damit bei der Auffassung, die man etwa um das Jahr 100 hatte. Ein paar Tage vorher hatte er den Menschen deutlich gemacht, dass es möglich ist, eine fröhliche Gemeinschaft zu haben, wenn man wenig miteinander teilt. Die berühmte Speisung der 5000 war ja keine Zauberei, wo immer mehr Brote aus dem Korb quellen, sondern da hat Jesus den Menschen deutlich gemacht, dass das Leben in Gemeinschaft besteht. Im Miteinander, im Teilen und Abgeben. Und nun stellt er sich hin und sagt, dass sein Fleisch und sein Blut da noch eins drauf geben. Das ist die himmlische Speise. Und wer davon isst, hat Teil am himmlischen Leben. Dass die Leute sich daran errregen, ist wohl klar, ausgerechnet der, wie kann das überhaupt sein. So wie bis zum heutigen Tag, wo wir, ich muss es fast so sagen, fassungslos vor dem Stück Brot und dem Schluck Wein stehen und sagen: das soll es nun sein. Darum unsere verschiedenen Formen und Gedanken, wo wir dem Unfassbaren Gestalt geben wollen. Früher mussten die Konfirmanden die Erklärung Luthers dazu lernen, aber ich merke, lernen und verstehen kann man das gar nicht. Darum ist es eigentlich Unsinn, dass Kinder nicht am Abendmahl teilnehmen dürfen. Denn, Jesus sagt, das ist etwas vom Himmel. Mit anderen Worten, hier passiert etwas, was ich nur erfahren kann. Wo ich spüre, das ist nicht nur einfach Brot und nicht nur einfach Wein. Und wer davon isst und trinkt, hat Anteil am ewigen Leben. Ein Leben, dass sich dadurch auszeichnet, dass wir Menschen anders miteinander umgehen.

So ein minimaler Anfang ist, wenn wir uns die Hand reichen. Und ich merke, vor allem in anderen Gemeinden, wie befremdlich das manchen ist. Verlegen lächelt der eine oder andere, aber am Ende spüre ich doch: das macht froh. Wenn ich mir bildlich vorstelle, wie Jesus 5000 Menschen von fünf Broten gegeben hat, dann hat jeder nur ein Krümel bekommen. Und hat vielleicht auch verlegen gelächelt, sich veralbert gefühlt. Und dann auf einmal gemerkt, satt bin ich nicht, aber wir waren alle beisammen und haben gespürt, wie dieses Krümel uns zusammen hält. Ein Krümel vom Himmel. Und es macht satt – satt vom Hunger auf Leben. Erklären kann ich das nicht, aber erfahren. Und ich merke, wenn ich das 14-jährigen deutlich machen will, ist es einfach zu spät. Da haben sie sogar Probleme, mit Fremden aus einem Becher zu trinken. Ich möchte uns Mut machen, das Krümel vom Himmel auf uns wirken zu lassen, ob nun andächtig oder freundlich in die Runde blickend und möchte uns Mut machen, zu viel Phantasie, uns die Hände zu reichen und es uns einander zu sagen: schön, das du da bist. Denn so was kommt vom Himmel.

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