Esst und glaubt!

Bevor ich Ihnen unseren heutigen Predigttext vorlese, will ich Ihnen kurz erzählen, was vorher passiert ist: Jesus hatte 5000 Menschen satt gemacht. Sie waren seiner Predigt gefolgt, hatten ihm zugehört – und vielleicht auch Einiges gelernt über sich, über Gott und seinen Messias. Es hatte sich gelohnt, zuzuhören. Und als Jesus sah, dass sie hungerten, erhielten sie auch noch Nahrung.

Aber als wäre das nichts erklärt Jesus, dass es wichtigeres Brot gibt als das Brot, das man essen kann. Er offenbart sich selber als Brot des Lebens: Ich bin das Brot des Lebens! Er ist ein wichtigeres Lebensmittel als jenes Grundnahrungsmittel. An diesem Punkt setzen dann unsere auch nicht einfachen Verse ein:

[TEXT]

Ärgert euch nicht an mir – esst und glaubt! – so könnte man diesen Abschnitt zusammenfassen.

Esst und glaubt, das heißt auch, sich beschenken zu lassen im Mahl und im Hören des Wortes Gottes. Jesus lädt die ein, die ihm zugehört haben und die von seinem Brot gegessen haben, ihr Leben neu zu sortieren und zu orientieren. Wer sich von der Berufung Jesu leiten lässt, kommt automatisch dahin, zu erkennen, dass er nicht aus eigener Kraft lebt, sondern aus geschenkter Kraft. Er lernt zu bekennen, dass er dankbar sein kann für seine Möglichkeiten, auch für seine Möglichkeiten zu helfen. Wer isst und trinkt und glaubt, bekennt, dass er sich nicht nur um sich selber dreht, sondern dass sein Leben eine Mittelpunkt hat: Jesus Christus.

Um nichts Weniger geht es Jesus, als um die ernste Frage: was ist Mittelpunkt Deines Lebens. Es geht nicht darum, ob 5000 Menschen bereit sind seine Worte zu hören. Es geht auch nicht darum, ob 12 Jünger ihre bürgerliche Existenz verlassen, weil ihnen dieser Jesus gefällt. Es geht im Kern darum, dass Menschen zum Mittelpunkt ihres Lebens finden – und wenn sie in diesem Mittelpunkt nur sich selber finden, dann nutzt das Hören, das fasziniert sein, das Essen und Trinken herzlich wenig. Dann müssen sie sich öffnen und sich einen neuen Mittelpunkt schenken lassen: Jesus Christus!

In diesen Tagen begegnen wir diesem Mittelpunkt als leidendem Menschen – in seiner Passion. Er leidet an den Menschen, die damit nicht fertig werden, dass sie das Leben nicht aus sich selbst heraus schaffen.

Jesus wird heute noch gekreuzigt, wo Menschen sich selbst in den Mittelpunkt stellen, nur noch um sich selber kreisen und nicht merken, dass der Mittelpunkt ein ganz Anderer ist: Jesus Christus!

Das ist eine harte Rede, sagt Jesus – das bleibt eine harte Rede. Gerade dort, wo wir versuchen, das Evangelium zu verharmlosen, wo wir immer nur den lieben, den gütigen Gott predigen, ohne von den Verwerfungen zu reden, die dort Platz haben, wo er ins Leben tritt. Und die Schlimmsten unter ihnen sind die, die Vorwürfe immer gegen Andere haben, aber nie gegen sich. Die Schlimmsten bleiben die, die an sich nichts finden, aber viel bei Anderen. Das Evangelium für mich, das Gericht für die Anderen, so lautet die weiche Rede vieler Menschen. Jesus hat sich voll Liebe den Sündern zugewandt und war manchmal sehr hart gegenüber sich und den Jüngern. Könnten wir da vielleicht etwas lernen?

Der Mensch lebt nicht, von dem, was er isst, sondern von dem, was er verdaut à das Wort Gottes will nicht nur aufgenommen, sondern auch verdaut sein. Ich muss das verdauen, dass ich nicht der Mittelpunkt meines Lebens bin, ich muss das erst einmal kauen und runterschlucken, dass mir der wahre Mittelpunkt des Lebens geschenkt werden muss, dass ich nicht selber alles schaffen kann.

Lätare – Freuet Euch. Da ist etwas mit Euch passiert, dass Eurem Leben neuen Sinn geben will. Ich bekomme einen Mittelpunkt geschenkt: Freut euch!

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