Der bekehrte Geldbeutel

Liebe Gemeinde,

diese Geschichte heißt nach der Überschrift in der Lutherbibel das Scherflein der Witwe. Ein Mann kam zu seinem Pfarrer, nahm ihn bei Seite und sagte: „Das Scherflein der Witwe habe ich noch übrig“ Da meinte der Pfarrer: „So viel möchte ich von Ihnen gar nicht haben.“ Es sind zwar nur zwei kleine Münzen, doch sie stehen für alles, was wir an Mitteln zum Leben haben. Wie sollen wir mit diesen Mitteln umgehen, um das zu zeigen, kommt Jesus in den Tempel:

„Jesus setzte sich nun in die Nähe des Opferkastens im Tempel und beobachtete die Leute, die ihre Gaben einwarfen.“ Jesus schaut genau hin. Das wäre wie wenn Frau Nuss und die Kirchenältesten beim Opfereinsammeln genau hinschauen würde, was die einzelnen in den Klingelbeutel werfen. Warum macht er das? Er will den Menschen, die ihm nachfolgen, etwas über das Geben beibringen.

Wenn Bill Gates Mitte letzten Jahres seine 3 Milliarden Dollar Ausschüttung an Aktiengewinn gespendet hat, dann sind das für ihn Peanuts. Wenn mir eine arme Rentnerin aus der Gemeinde 10 Euro zusteckt und bedauert, das sie mir nicht mehr geben kann, dann gibt sie vom lebensnotwendigen ab. Weil dies nicht offensichtlich vor Augen liegt, weil das richtige geben im Verborgenen geschieht, darum setzt sich Jesus gegenüber den Opferkasten und schaut genau zu. Er zeigt die beiden Möglichkeiten, die wir haben, mit unseren Mitteln umzugehen:

Möglichkeit Nr. 1 ist, wenn an Mitteln etwas übrig habe, dann gebe ich.

Möglichkeit Nr. 2 beisteht darin, wenn ich etwas habe, dann gebe ich.

Im ersten Augenblick hört sich der Unterscheid nicht so groß an, aber wenn wir uns das verdeutlichen, merken wir, das die beiden Möglichkeiten meilenweit auseinander sind: In der Möglichkeit 1, das sind die Reichen, sind die Mittel, die Mitte. Sie sind an Mittel reich und an Liebe arm. Bei Möglichkeit 2, da gibt die Witwe gibt die Mittel und macht Gott zur Mitte. Sie ist an Mittel arm und an Liebe reich.

Schauen wir uns die Lage in Deutschland an und sind einmal trotz des vielen Klagens ehrlich: wir sind an Mitteln reich. Sind wir es auch an Liebe? Schauen wir uns noch etwas zweites an und zwar wie unsere badische Landeskirche finanziert wird: Durch die Kirchensteuer ist das Spenden etwas aus dem Blick geraten. Wie viel Kirchensteuer bezahlen wir eigentlich. Es sind 7% von der Einkommensteuer. Bei einem mittleren Einkommen liegt die Einkommensteuer bei 40%, dann sind das 2,8% von unserem Einkommen. Wer weniger verdient, zahlt auch weniger z.B. 2,1% oder 1,4%.

Die Bibel hat einen guten Richtwert für das Spenden angegeben, sie redet davon, dass der Zehnte Teil des Einkommens Gott gehört. Das ist kein Gesetz, sondern ein Richtwert, den Gott uns gibt. Es kommt darauf an, aus welcher Motivation wir geben. Gott braucht unser Geld nicht. Aber Gott wartet auf unsere offene Hand. Er möchte unser Vertrauen, ein Vertrauen das alle Lebensbereiche umfasst, so haben wir es auch in der Lesung gehört: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“

Das ist ein Satz, den ich nur dann erfahren kann, wenn ich mich ganz auf Gott einlasse. Er ist es wert, dass ich ihm mit meinem ganzen Leben vertraue und das umfasst auch den Geldbeutel. Wenn ich für Gottes Reiche gebe, dann wird es mir nicht schlechter gehen, sondern Gott wird all die Dinge schenken, die zum Leben brauche. Wenn wir Jesus vertrauen, muss auch unser Geldbeutel bekehrt werden. Zwei Dinge gibt es, an dem sich zeigt, was uns wirklich wichtig ist: unser Geld und unser Zeit.

Beides sind begrenzte Dinge, darum müssen wir sie einteilen. Und wenn etwas knapp und wir es aufteilen müssen, dann können wir manches tun und manches müssen wir lassen. Die frage ist nun, ob ich es für mich allein einteile, oder die Einteilung mit Gott durchspreche.

Wenn wir mit Gott einteilen, dann merken wir, dass sie trotz beider Begrenzung zu einem erfüllten Leben ausreichen. Am Geld und an der Zeit zeigen sich unsere Prioritäten, die wir uns in unserem Leben setzen.

Die Witwe vertraut darauf, dass Gott sie versorgt. Wir wissen nicht warum die Witwe alles gegeben hat. Wahrscheinlich hätte sie es selber nicht sagen können. Denn wie sagt Jesus: „Die Rechte soll nicht wissen, was die linke gibt.“ Und trotzdem kann er sich neben den Opferkasten setzen, um den Jüngern eine Unterrichtstunde in Gottvertrauen zu geben. Eine Unerrichtstunde, an der wir bis heute zu knabbern haben.

Ein Huhn und ein Schwein unterhalten sich über den Unterschied zwischen einem Opfer und einer Spende. Das Huhn sagt: „Das ist für mich kein Problem, ich kann ganz einfach ein Ei spenden.“ Das Schwein dagegen meint: „Für mich sieht das ganz anders aus. Wenn ich ein Bein als Schinken opfere, dann tut das weh.“

Die Reichen geben von Ihrem Reichtum etwas ab, die Armen dagegen vom Lebensnotwendigen. Bill Gates spendet mal geschwind 3 Milliarden, die arme Rentnerin opfert 10 Euro von ihrer schmalen Rente. Nicht die Größe der Gabe zählt, sondern das Opfer an sich. Wer opfert, der merkt, dass er etwas weggibt. Gaben, von denen wir uns trennen, ohne dass wir es merken, verdienen den Begriff Opfer nicht. Also haltet euern Geldbeutel fest. Denn dass gerade diese Frau, die nur zwei Münzen opferte, von Jesus als Vorbild hingestellt wird, ist beschämend für alle, die wir viel besitzen. Aber es ist auch für die beschämend, die meinen, dass es auf ihr Opfer nicht ankomme. Gott braucht unser Opfer nicht. Aber Gott wartet auf unsere offene Hand. Durch uns will er sein Evangelium unter die Leute bringen und den Notleidenden in aller Welt helfen. Gottes Weg, diese beiden Ziele zu erreichen, geht durch unsere Geldbeutel. Wer erwartet unser offenes Herz, das sich ihm vorbehaltlos ausliefert. Wer von seinem irdischen Besitz weggibt, wird überrascht sein, was Gott aus den kleinen und kleinsten Gaben werden lässt und wie sehr er deine Opferbereitschaft segnet. Also haltet euern Geldbeutel fest. Halt ihn fest, um ihn aufzumachen und zu geben, damit Gott euch segnen kann, so wie wir es in der Lesung gehört haben:

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ Was will Jesus, den Menschen die ihm vertrauen, sagen:

1) Lasst Euch nicht von dem Äußeren blenden. Es kommt nicht darum, wie viel der einzelne gibt, sondern das er aus dem Herzen gibt. Es kommt nicht auf die Höhe der Summe an, sondern darauf, dass wir die Geldangelegenheiten mit Jesus durchsprechen.

2) Prüft euch selber, ob ihr auch in Gelddingen ganz auf Jesus vertraut. Hier zeigt uns Jesus, das das Vertrauen in unseren himmlischen Vater auch unseren Geldbeutel erreichen soll

3) Gott braucht unser Opfer nicht. Aber Gott segnet unser Opfer. Er hat diesen Weg gewählt, um die Not der Welt zu lindern und seine gute Botschaft in der Welt auszubreiten. Gottes Weg, diese beiden Ziele zu erreichen, geht durch unsere Geldbeutel.

Was ist Deine Mitte, sind es die Mittel oder ist es Gott. Gott ist die Mitte, lass ihn auch Deine Mitte sein.

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