Lob für diese Witwe

Liebe Gemeinde, vor ein paar Tagen hörte ich eine recht amüsante Geschichte, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Unsere Währung, der Euro, angefangen bei einem Cent bis hin zu dem 500 Euro-Schein standen vor der Himmelspforte und baten um Einlass.

Als Petrus die Pforte öffnete, war er schon ein wenig über die Münzen und ebenso über die Scheine verwundert. „Ihr wollt also alle in den Himmel“? „Ja, selbstverständlich“, antworteten sie im Chor. „Nun gut, fangen wir mit den Kleinen an, zuerst die Kupfermünzen und dann diejenigen, die aus Messing sind“.

Als dann das 1 Euro-Stück an der Reihe war, hob Petrus die Hand. „Halt nicht so schnell“! „Ja aber darf ich nicht in den Himmel“, fragte der Euro ganz bedrückt. Petrus schaute ihn nachdenklich an. „Gut, ich will mal eine Ausnahme machen“, und ließ ihn passieren.

So dann standen das 2 Euro-Stück, der 5 Euro-Schein, der 10 Euro-Schein und der Rest bis hin zum 500 Euro-Schein vor Petrus. Das Gesicht von Petrus verfinsterte sich. „Halt, ihr kommt nicht in den Himmel. Ihr bleibt alle draußen“!

Eingeschüchtert durch den barschen Ton von Petrus wagte dann der 5 Euro-Schein zu fragen, warum ihnen der Weg in den Himmel verwährt sei. „Warum – das will ich euch gerne sagen, weil ihr niemals in der Kirche gewesen seid“!

Eine Geschichte, die mich zunächst amüsiert hat. Eine Geschichte, die mir nicht aus dem Kopf gehen wollte und mich zum Nachdenken veranlasst hat.

Da werden Gelder in Millionenhöhe an die Opfer der schrecklichen Flutkatastrophe in Taiwan und Sumatra gespendet, Scheine und Münzen, die nie in der Kirche waren.

Und wir,? die wir sonntags in die Kirche gehen, wie geben wir? Aus der Westentasche oder der Handtasche das Kleingeld? „Hast du Kollektengeld?“ und meinen damit das 50 oder 20 Cent Stück. So geben wir. In Prozenten können wir dies nicht ausdrücken, so klein ist es.

Kennen wir die Gabe, mit der wir beschenkt sind? Ich denke, die ist 100 %-ig, denn Gott spart nicht, wenn er uns beschenkt. Nein, Gott spart nicht, ─ denn wenn er mit seiner Gabe so sparsam wäre, wie wir mit der unserigen, dann kämen wir alle um. Müssten wir eigentlich nicht mehr geben? Ich denke, Gott sieht unser Geld mit seinen Augen. Er hat schon viele Währungen kommen und gehen sehen. Geld hat für Gott einen ganz anderen Wert.

Liebe Gemeinde, ahnen Sie schon, dass es in unserem Predigttext ebenfalls um Geld geht?

[TEXT]

Immerhin, liebe Gemeinde, sind dort wohlhabende Leute, die ihr Geld nicht nur für sich selbst ausgeben. Sie haben eine offene Hand an den Opferkästen des Tempels zu Jerusalem.

Jesus schaut zu. Zu den großzügigen Summen der Wohlhabenden sagt er kein Wort und Jesus verurteilt auch nicht die Spenden dieser reichen Leute.

Dann kommt eine Witwe. Mit ganz wenigen Münzen leistet sie ihren Beitrag. Dieses eine Opfer ist für Jesus erwähnenswert. Denn diese Frau hat ein wirkliches Opfer gebracht.

Jesu Lob für diese Witwe soll uns deutlich machen, dass wir als seine Gemeinde um seinetwillen alles zur Verfügung stellen sollen, um so zur Linderung von Not innerhalb und auch außerhalb unserer Gemeinde beizutragen, und zwar genau so, wie er sich für uns eingesetzt hat. Unter all diesen Besuchern des Tempels ist diese Witwe am engsten mit Jesus verbunden.

Aus dieser Verbundenheit zu Jesus Christus, haben wir die Pflicht unserer Nächsten und unserem Nächsten seine Liebe und ebenso der ganzen Welt diese zu bezeugen.

Und nicht nur das, liebe Gemeinde, sondern es gilt auch den Beweis unserer Tätigkeit im Hinblick auf diese Liebe zu erbringen, ansonsten wären wir nicht glaubwürdig. Und so denke ich, dass unsere Tat der Liebe auch dort noch Fuß fassen kann, wo Menschen an das Wort der Liebe nicht glauben. Dieser, unser praktischer Liebesdienst an unseren Nächsten öffnet nicht nur Herzen und Hände, nein, er gewinnt auch darüber hinaus Menschen, die zunächst überhaupt nicht an einen persönlichen Einsatz im Rahmen der Tat der Liebe dachten.

Die arme Witwe, die Jesus im Tempel entdeckte, sie hatte nichts mehr zu verlieren. Sie lebte vielleicht von der Liebe ihrer Kinder, sofern sie welche hatte, oder von Almosen, wenn sie welche bekam, das war alles.

Sie hat nur noch zwei kleine Münzen in ihrem Beutel; die opfert sie beide. Sie gibt ohne zu rechnen. Sie gibt, ohne sich darüber zu sorgen, wovon sie morgen leben wird. Sie gibt alles Gott, der für sie sorgen wird. Das, was diese Frau tat, war ein Vertrauensbeweis Gott gegenüber.

Bei Gott hat alles einen anderen Wert. Er schaut hinter die, von Geld gesteuerten, Kulissen und er sieht auch ob da Geld im Überfluss und ebenso Vertrauen zu ihm ist.

Es ist keineswegs selbstverständlich, dass wir, wenn es uns finanziell außerordentlich gut geht, spendenfreudiger sind als in schlechten Zeiten. Denn mit steigendem Einkommen steigen auch unsere Ansprüche an das Leben. Spenden, bzw. opfern heißt, durch die gute Nachricht unsere Angst zu verlieren, dass wir im Leben zu kurz kommen könnten. Spenden, bzw. opfern heißt, unsere Liebe zu Jesus über unser eigenes Interesse an anderen Dingen, zu stellen. Spenden, bzw. opfern heißt auch, loszulassen und Sorgen getrost zurückzustellen. Dann ist das Geben mehr als nur eine Formsache. Dann ist Geben ein Vertrauensbeweis Gott gegenüber.

Der heutige Predigttext, liebe Gemeinde, ist für mich eine Einladung diese hektische und ebenso chaotische Welt mit ihren Menschen anzusehen, um dann die Taten zu entdecken, in denen sich das Vertrauen auf Gott spiegelt. So wünsche ich uns allen hier, dass auch wir wie Jesus das Gottvertrauen entdecken, das sich in solchen Taten ausdrückt.

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