Narretei in Christi Namen

Liebe Gemeinde!

Grüß Gott, ihr frommen Schwestern und Brüder

zur närrischen Zeit lass ich mich gern bei euch nieder.

Auch wenn ich kein Tor der tollen Tage bin,

ein Narr um Christi willen liegt mir im Sinn,

denn meine Narretei wird nicht aus dem Bauch geboren,

aus Gottes Wort – das lässt keinen ungeschoren,

seinen Lebensstil so treiben weiter wie bisher,

ohne Gott – allenfalls am Sonntag sei ihm Ehr

gezollt mit unsren frommen Liedern und Gebeten,

im Alltag ist er als Gast mehr und mehr unerbeten

da halten wir ihm das Warnschild ins Gesicht:

– kannst nicht lesen? -: „Störe unsre Kreise nicht“

Wir wissen schon längst, wie wir uns sollen verhalten.

Wir brauchen keine Moralpredigt wie einst die Alten,

von denen ich den Spruch gehört: Wer Gott vertraut

und Kappes (d.i. Kohl) klaut, hat im Winter Sauerkraut.

Vielmehr möchte ich euch alle einschwören,

auf Gottes Wort erneut hinzuhören

auf eine Begegnung Jesu mit Menschen seiner Zeit,

die in ihrem Alltag waren für ihn gastbereit.

So ist er einst mit seinen Freunden in ein Dorf gekommen,

wo ihn eine Frau hat freundlich aufgenommen.

Sie war für ihre Zeit ungewöhnlich selbstbewusst und galant

und wirkte in Männer Augen mehr als provokant,

wusste in allen Dingen recht zu schalten und zu walten,

und als „Herrin“ das Haus mit Geist und Verstand zu gestalten.

Nomen est omen – wie es bei den Römern bekannt.

„Herrin“ im Aramäischen – Marta genannt.

Marta wusste mit Jesus ist Gottes Reich gekommen

und hat die Fesseln des Gesetzes weggenommen,

hat Menschen ihre Würde zurückgebracht,

die sonst üblicherweise waren verlacht,

hat in Gleichnissen den Spiegel vorgehalten,

damit wir lernen das Leben anders zu gestalten

wie dem Schriftgelehrten, der ihn hat befragt:

„Wie erbe ich das ewige Leben?“ Da hat er gesagt:

„Wie heißt das höchste Gebot, das Gott uns gegeben?“

„Ihn und den Nächsten zu lieben!“ – „Dann tu es eben!“

„Doch wer ist mein Nächster?“ hat der Frager nachgehakt.

Der barmherzige Samariter ist das Maß – hat Jesus gesagt.

Marta. – die Herrin – hat sein Wort in sich wirken lassen,

drum will sie Jesus dankbar dienen und kann’s nicht fassen:

dass sie ihre Schwester still und stumm sitzend findt

zu des Gastes Füßen – wie ein kleines Kind

das gebannt mit all seinen Sinnen lauscht seinen Reden

vergessend, dass der Gast ward zum Essen gebeten.

So braust sie auf. Herr, fragst du nicht danach,

dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Welch Schmach!

Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll beim Vorbereiten

Der Speise und Getränke, um sie zu servieren beizeiten.

Und unausgesprochen schwingt in ihren Worten dabei:

Drückt sich vor Arbeit! Lässt mich im Stich! Welch Schweinerei!

Diakonie – so hat Jesus doch gelehrt – heißt um Gottes willen

dem Menschen dienen. – Das will sie auch gern erfüllen.

Doch nicht allein, wenn sie Jesus recht versteht,

Christengemeinde als Dienstgemeinschaft aller nur geht.

„Marta, Marta“, hört sie auch schon Jesus sagen,

„du hast viel Sorge und Mühe. Ich kenne deine Plagen.“

Sie fühlt sich verstanden. Das tut ihrer Seele gut,

Sie spürt Anerkennung und schöpft neuen Mut.

Ach ja! – wird manche und mancher im Stillen nun denken,

würd mir auch einer mal ein Wort der Anerkennung schenken!

Doch was sagt Jesus? Hat sie sich auch nicht verhört?

„Eins aber ist not.“ Sie blickt ihn an ganz verstört.

„Maria hat das gute Teil erwählt.“ – Es ist nicht zu glauben!

„Das soll nicht von ihr genommen werden. Niemand soll’s ihr rauben.“

Hier endet die Geschichte, die Lukas uns erzählt.

Doch bleibt die Frage. Was heißt: „das gute Teil erwählt“?

Ist es nicht gut, dem anderen an Leib und Seel zu stärken?

Ist es nicht gut, den Glauben zu bezeugen mit guten Werken?

Ist es verkehrt sich Sorgen zu machen Tag für Tag?

Ist es verkehrt sich zu plagen für die, die man mag?

Wie könnte die Geschichte der Marta weiter gehn?

So vor den Kopf geschlagen, sie da stehen zu sehn?

Dann soll er sehen, wer ihm das Essen nun serviert,

denkt sie und schlägt zu die Tür, ganz ungeniert.

Es bohrt sich fest das Wort: „Eins aber ist not“ in ihrem Herzen

„Maria hat das gute Teil erwählt.“ – wie kann er nur so scherzen?

Da öffnet sich die Tür, sie hört ihn rufen: Komm herein!

Lass uns miteinander reden! Jetzt, soll’s sein.

Sein Wort reißt sie aus der Gedanken dunklen Abgründen

Ihr Herz pocht, die Wirrnis scheint zu schwinden.

Dann sitzt sie da wie ihre Schwester still und stumpf,

vernimmt, was er sagt, schweigend dumpf.

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben

hat seine Stunde “ – das Schuften wie das Laben.

Zu erkennen, was not tut, ist eine wahre Kunst.

Darum bitte stets Gott um seinen Geist, um seine Gunst.

Ich bin nicht gekommen, dass du mir pausenlos sollst auftischen.

Ich bin hier, damit du durch meine Nähe kannst dich auffrischen

Deine arme Seele, dein geplagter Verstand, dein müdes Herz.

Du sollst sorgenfrei wieder lachen, führwahr ohne Scherz

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen

ich will euch erquicken, heilen – wie groß auch – euren Schaden.

Sie spürt die Wärme, die Liebe in seinem Wort

So bleibt sie wie Maria und eilt nicht geschäftig fort.

Sie spürt, was ihr bei all dem rastlosen Wirken ihr genommen

nämlich, einmal selbst wieder zur rechten Ruhe zu kommen

Sie spürt, sie hat sich in ihrer Rolle selbst verrannt.

Als Herrin hat sie sich unentbehrlich genannt.

Nun spürt sie die Wohltat, sich sein Wort gefallen zu lassen.

Ihr Herz kann sich entkrampfen, den andern zu neiden, zu hassen.

Warum ich das erzähle, so lang und so breit,

weil es auch unsere Situation trifft zurzeit.

Ja, wir leben in Zeiten der Sorgen und des Plagen,

ob die Kirche bestehen kann in unseren Tagen.

Da wird auf hohem Niveau gejammert

Da wird an alten Zöpfen sich geklammert.

Dass alles so bleibt, wie es immer schon gewesen

nur so könne der Glauben auch weiterhin genesen!

Da werden Fundraisings organisiert, Gelder regeneriert,

Sponsoren gesucht und Förderkreise organisiert,

weil man meint: Glaube heißt am Alten festzuhalten.

Dabei vergisst ein jeder, dass Gott zum Regieren und Walten

keine Paläste und Dome nötig hat als seinen Erdenplatz.

Sein Evangelium entfaltet in jeder Hütte seinen Schatz.

Das gilt es wieder zu heben, zu fördern und zu verkünden:

Gottes Wort. Jesus Christus befreit uns aus allen Sünden.

Nur wer sich zu ihm bekehrt und seinem Wort neu vertraut,

hat fürwahr auf keinen Sand, hat auf Fels gebaut.

Mag manches an meiner Rede euch närrisch scheinen,

mag manches sich in euren Ohren nicht zusammen reimen,

dann prüft es, wägt es ab an der Schrift des Herrn

dann nehm ich auch entgegen eure Kritik recht gern.

Nun schließe ich die Narretei in Christi Namen.

Das Ende heißt wie stets: So soll es sein.

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