Verklärung Christi

Liebe Gemeinde,

Letzter Sonntag nach Epiphanias: Ende, Schlussakkord der Weihnachtszeit, Fest der „Verklärung Christi“.

„Verklärung Christi“, das ist etwas, das heute womöglich etwas unverständlich ist. Helfen uns da die Lesungen des Sonntages?

Um einen „hellen Schein“ in den Herzen ging es in der Epistellesung, um Erleuchtung, um Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes, die in Christus zu erschauen ist, mächtig, gewaltig.

Auch das Evangleium bringt solchen Glanz. Die „Verklärung Jesu“ auf dem Berg: Auf einmal wird es klar, leuchtet auf: Dieser Mensch hat höhere Bedeutung, hier ist etwas unvorstellbar Erstaunliches. In Jesus, dem gewöhnlichen Menschen aus dem verrufenen Örtchen Nazareth, dem Multikulti-Ländle Galiläa – in ihm zeigt sich der Himmel. Da werden „Orden und Ehrenzeichen angelegt“. Da geschieht eine nicht selbstverständliche Sternstunde. Das begreifen offenbar nur Auserwählte – Und schon begreifen sie es wieder nicht mehr.

Gottes Nahekommen, sein Erscheinen, sein Sichtbarwerden, sein spürbares Gegenwärtigsein in seiner Schöpfung – Das ist eigentlich unmöglich! Wie kann der Herr dieser Welt, wie kann der Schöpfer des unendlichen Universums, so klein werden und in Raum und Zeit eintreten – Das ist nicht zu verstehen! Das ist eben nur in Geschichten zu erzählen, leuchtend, aufblitzend, strahlend, brennend.

Darum ist diese uralte Geschichte von Mose und dem brennenden Dornbusch so interessant am letzten Sonntag nach Epiphanias. Sie verbindet die Christusbotschaft mit dem alten Gottesvolk. Sie macht sie irdisch, kontinuierlich, aus den Erfahrungen mit eben diesem Gott gewachsen, vorbereitet, gestaltet: Mose und Christus – Christus mehr als Mose, mehr als Elia. Das wird klar.

Die Kontinuität mit dem Alten – Die Treue und Richtung des freundlichen, dennoch freundlichen Himmels – das steht heute, dieses Jahr, am letzten Sonntag der Epiphaniaszeit in der Mitte.

Dem lasst uns nachsinnen. „Gott ist gegenwärtig – lasset uns anbeten“, so heißt es im Kirchenlied. Es meint die heilige Nähe des Herrn und Vaters im Gottesdienst. Es ist geistlich zu verstehen. Es ist tief. Es kann zu spirituellen Erfahrung werden, heute und hier.

In der Geschichte vom alten Mose ist alles viel handgreiflicher. Hier erzählt einer, der sich den Herrn ganz leibhaftig, jedenfalls sehr nah vorstellt. Es ist ein fast zwangloses Gespräch, wie von Mensch zu Mensch. Das entspinnt sich, dort am brennenden Dornbusch, zwischen Mose und Gott.

Erst ist es nur ein seltsames Feuer.

Dann ist es der „Engel des Herrn“.

Schließlich ist es Gott selbst.

Er stellt sich dem Mose vor, in der Kontinuität zu den Urvätern, zu Abraham, Isaak und Jakob. Vater – Sohn – Enkel, die Sippenfürsten der Vorzeit. Aber sie kamen zusammen. Sie wurden eine „Familie“, ein Volk. Sie wurden eins – in der Erfahrung gleichen, vergleichbaren Glaubens. Sie tauschten sich aus, kamen sich näher, teilten ihre Erlebnisse.

Auch das Herauskommen aus der schrecklichen Sklaverei der Ägypter wird zu einer solchen Verbindung. Die paar Leutchen um Mose, einmalig wird von ihnen erzählt an den Feuern. Die Begebenheiten werden ihnen groß, selbst wenn sie sich am Anfang viel bescheidener darstellten. Die verbindende Erinnerung wird es später wundervoll ausmalen.

Und hier: ein Stück der Geschichte, erzählt von der Erscheinung, der Epiphanie des zarten und dennoch mächtigen, umwerfenden, heiligen Himmels, vor Mose, dem Mann Gottes.

Mose, er ist nicht bloß Revoluzzer oder Partisan. Sein Erleben wird gesehen in einem größeren Zusammenhang. Im Irdischen wird die strahlende Herrlichkeit des Herrn geschaut. ER steht dahinter. Er hat sich aufgemacht. ER hat das Leid gesehen. ER ist es, der solches wunderbare Land geschenkt hat, in dem sie jetzt wohnen. Oder, nach dem sie sich sehnen, wieder, neu zu erfahren die Herrlichkeit und den Glanz Gottes, das Nahekommen, das Helfen und die Treue. Sie ist immer wieder anders, jeden Morgen neu und doch immer wieder diese eine.

Gottes Erscheinen, sein Eintreten, sein Aufstrahlen, seine Epiphanie, sein Kommen, seine heilvolle Nähe – Das sind Sternstunden. Der Stern der Advents- und Epiphaniaszeit weist darauf.

Mose ist lange tot. Er ist nur Vorläufer, wenn auch ein großer, ein bedeutender (Evangelium). Aber es ist hier die Verbindung durch alle Zeit. Es ist wie Geografie. Da entsteht eine Linie – Und ich kann sie verlängern. Ein Strahl entstand, der hineinreicht bis in unsere Zeit, bis in unsere Gemeinde, ja, selbst bis in das Leben eines jeden einzelnen Menschen. Es ist schon erstaunlich. Es ist toll.

In der Mitte dieser Linie aber steht Christus. Die Mitte ist sein Kreuz. So will es Gott. So ist es Kern des Evangeliums. Darauf geht der Weg zu, von den Alten, von Mose her. Von dort geht der Weg aus, bis zu uns. Die Mitte aber steht.

Der letzte Sonntag nach Epiphanias – Abschluss der festlichen Weihnachtszeit – weiße Paramente – Fest und Leuchten. Der Glanz strahlt auf. Die Lichter der Weihnacht, des anbrechenden Heils. Noch einmal so richtiges Leuchten, so richtige Nähe.

Danach geht der Weg gen Ostern, der Weg durch die dunkle Zeit der Passion, des Leidens. Da ist Gott gar nicht so nah. So scheint es. Da ist Verrat. Da ist Verleugnung. Da ist Einsamkeit, da sind Schläge, Spott und Hohn. Da ist das Wort: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Da ist Leiden und schmerzvolles Dahinsterben. Da ist Dunkel und Einsamkeit. Da ist Grab.

Auch das gehört zum Leben. Auch Mose war nicht ständig am Dornbusch oder auf dem Gottesberg. ES bleibt einzigartig, dass von einer solchen Nähe berichtet wird, wie von Mensch zu Mensch.

Ja, Gott kommt nahe. Er erscheint. Er ist in Christus erschienen – so glauben wir. Deshalb ist sein Kreuz legitimiert. Es ist nicht eines unter vielen. Es ist besonders, einmalig und doch Zeichen für tausendfaches Abbild des Wesens des Menschen und der suchenden Liebe des Himmels. Darin ist es besonders. Gott ist besonders. Er bringt sich selbst nahe heran. Es ist ein Erleben – über alle Erwartungen.

Seine Epiphanie ist wundervoll und seltsam. Er stellt sich selbst dar – in der Kontinuität der Zeit, er, der Vater. Und es scheint auf vor allem in Christus, in seinem Kreuz.

Darauf möchte ich hoffen. Dass uns als Gemeinde, sogar dem Einzelnen, solche Sternstunden geschenkt sind.

Klar, wir sind nicht Mose. Und (Eckersbach) ist nicht der Nabel der Welt. Aber, weil Gott so groß ist, in seiner Liebe, darum sind wir ihm nicht zu klein – als Gemeinde nicht und nicht als Einzelne. Und mögen wir uns noch so unbedeutend vorkommen. Denn, je größer und herrlicher Gott ist, desto größer und herrlicher ist die Chance für eine kleine Gemeinde, für einen kleinen, unscheinbaren Menschen, mit seinem Leben, mit Freude und Last.

Epiphanias – letzte Sonntag – Ende, Schlussakkord der Weihnacht – „Fest der Verklärung Christi“ –

Möge mir Christus in seinem Kreuz klar werden.

Möge mir Gottes Feuer lodern.

Ich werde mich verwundern.

Ich werde Heiliges spüren.

Gott ist, der er ist – auch heute.

Geh

getrost,

mit ihm.

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