Im Auftrag des Herrn

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Schwestern und Brüder!

"Have you seen the light?" – "Habt ihr das Licht gesehene?" Mit diesem enthusiastischen Ausruf erkennt einer der beiden Bluesbrothers im gleichnamigen Film, dass er gerade Gott selbt begegnet ist. Es ist Licht geworden um ihn herum und er spürt die Kraft und den Auftrag, die ihn durchdringen. Ab jetzt gibt er in jeder mögliche und unmöglichen Situation bekannt: "Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs!"

Sehr von einer heiteren Seite genommen wird hier modern beschrieben, was Moses vor tausenden Jahren passiert ist. Auch er sieht ein Licht, ein Feuer, und auch er bekommt die Kraft und einen Auftrag Gottes. Allerdings – im Gegensatz zu den Bluesbrothers ist er an diesem Auftrag eigentlich nicht sonderlich interessiert! Denn Gott will ihn ausgerechnet nach Ägypten schicken, in das Land, in dem er als Sohn des Pharaos aufgewachsen ist und ein sorgloses Leben gelebt hat. Ausgerechnet in das Land, dass er Hals über Kopf verlassen musste, nachdem er einen Wächter erschlagen hatte. Soviel hatte sich seither verändert. Er war glücklich und zufrieden mit seinem Leben, so wie es war. Er war glücklich verheiratet und auch hier, in der Wüste, hatte er es sich gut eingerichtet. Nein, Gott kam Moses nicht besonders gelegen.

Eine Beobachtung, die sich allerdings immer wieder wiederholt, die ganze Heilige Schrift hindruch. Kaum einer der Propheten ist über seine Berufung von Anfang an glücklich. Und auch der Apostel Paulus fällt aus allen Wolken, als er erfährt, dass er ab jetzt sein Leben in den Dienst Jesu Christi stellen soll. Bei all diesen Menschen hatte die Berufung zu Gottes Werkzeug zur Folge, dass sie ihr Leben, ihre Pläne komplett über den Haufen werfen müssten. Alles, was sie sich vorgenommen und ausgemalt hatten, war mit einem Mal hinfällig. Und die Aufgaben, die Gott diesen Leuten übertragen hat, waren auch nicht besonders angenehm. Sie mussten den Menschen sagen, dass sie sich ändern müssen, weil sonst der Zorn Gottes über sie kommt. Sie mussten zu Leuten gehen, die ihnen nicht freundlich gesonnen waren und unpopuläre Mitteilungen machen. So wie das ja auch bei Moses der Fall war. "Ich werde dich zum Pharao schicken, damit er mein Volk frei gibt."

Tatsächlich ist es ja auch für uns nicht immer besonders leicht, etwas zu tun, weil es mein Glaube an Gott so verlangt. Ganz im Gegenteil, gerade euch Jugendlichen ist es eher peinlich, zuzugeben, dass ihr überhaupt an Gott glaubt. Und dann auch noch etwas unpopuläres deshalb zu tun, das verlangt schon eine gehörige Portion Mut und Selbstvertrauen. Aber auch bei uns Erwachsenen ist das nicht viel anders. Wir sind lieber still und schwimmen mit dem Strom, auch wenn wir wissen, dass es oft wichtig wäre, laut "Nein!" zu schreien und uns für andere einzusetzen, die unterdrückt, hintergangen oder gemobbt werden. "Wie stehe ich denn dann da vor den Kollegen, vor den Freunden, dem Chef?"

Auch Moses sah da so einige Probleme auf sich zukommen. Warum sollten ihm die Israeliten glauben? Woher sollten sie wissen, dass er nicht einfach ein geistesgestörter Spinner ist, dem die Sonne in der Wüste das Gehirn ausgetrocknet hat. Was hatte er schon in der Hand. Einfach hinkommen und sagen "Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs!", das würde ja wohl nicht gehen. Und genau diese Bedenken hält er Gott auch entgegen. Und er fragt: "Wenn sie mich fragen "wie heißt denn dein Gott?", was soll ich ihnen antworten?" Und Gott sagt: "Ich werde sein, der ich sein werde. Du sollst ihnen sagen "Ich werde sein" hat mich zu euch geschickt."

Also ganz ehrlich: das klingt im ersten Moment auch nicht besser als wenn er sagen würde "Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs!" Und der Spruch hätte wenigstens noch einen coolen Beigeschmack. Aber "Ich werde sein, der ich sein werde"? Was sollen wir bitte damit anfangen?

Tatsächlich ist dieser Name aber eine unglaublich schöne Zusage an uns Menschen. Denn Gott gibt damit zu verstehen: "Ich bin mitten unter euch – immer und ewig, zu allen Zeiten. Im Guten und im Bösen bin ich in eurer Nähe. Wenn ihr mich braucht – ich bin da, ich helfe euch, ich stehe euch bei. Ich bin da!"

Die Israeliten liesen sich überzeugen. Sie vertrauten darauf, dass Gott ihnen diesen Mann geschickt hatte, um sie aus der Gefangenschaft und Unterdrückung zu befreien. Sie haben sich auf Gott verlassen und ihr Glaube wurde belohnt. Ich wünsche uns allen, dass wir ähnlich Erfahrungen machen. Dass wir Gottes Wirken in unserem Leben feststellen und erkennen können. Dass wir uns auf ihne einlassen und ihm vertrauen. Dass wir uns – zumindest ein kleines bisschen mehr als letztes Jahr – für die Sache Gottes und unseren Glauben einsetzen. Damit wir, unsere Freunde und Kollegen, unsere Familien und Bekannten, unsere Untergebenen und unsere Chefs erfahren, erfühlen: Gott, der "ich werde sein, der ich sein werde" ist mitten unter uns. Und wir sind in seinem Auftrag unterwegs.

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