Ein Feuer brennt

Liebe Gemeinde,

kennen Sie das, dass ein Feuer in Ihnen brennt? Die Liebe wird als oft als ein Feuer beschrieben. Die Flammen der Liebe lodern in den Verliebten. „Meine Flamme“ war in den 50er Jahren ein Ausdruck für die, die ich liebe. Wenn einen die Liebe erwischt, dann ist das, als wenn ein alles verzehrendes Feuer im Herzen brennt. Das hat etwas gefährliches und zerstörerisches, weil Verliebte leicht die Welt um sich herum vergessen. In meinem Trauspruch aus Hohelied 8 heißt es: Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn, so dass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können.

Stark und unüberwindlich ist also die Liebe, wenn sie eine Flamme des Herrn ist. Heute leiden viele Singles darunter, dass die Liebe so schnell auszulöschen ist. Sie suchen nach dem Feuer der Verliebtheit und vergessen, dass eine gute Legierung einfach ihre Zeit im Feuer braucht. Stahl wird im Feuer hart, wenn die Temperatur und die Zeit stimmt und wenn die richtige Mischung der Metalle vorhanden ist, die sich verbinden zu etwas neuem. Dann kann die Liebe stark wie der Tod werden.

Es gibt aber auch noch ein anderes Feuer, nämlich den Zorn, die Weißglut. Wenn man jemanden zur Weißglut bringt, dann ist das eine kalte, verzehrende, zerstörerische Flamme. Zerstörerisch und gefährlich für diesen Menschen selbst, zerstörerisch auch für seine Umgebung und die, auf die er so wütend ist.

Ich möchte Ihnen heute von einem Mann erzählen, der in seinem Zorn jemanden umgebracht hat. Er musste nicht ins Gefängnis, aber er musste in ein anderes Land fliehen. Und dann hat ihn doch Gott erwischt. Aber das Erstaunliche ist nun: Gott hat ihn nicht bestraft. Gott hat sich ihm als Feuer gezeigt, das brennt und nicht verbrennt. Gott hat ihn einen großen Konflikt hineingeführt, mit vielen Toten. Und dann ist Gott vor ihm her gezogen, nachts als Feuersäule und tagsüber als Wolkensäule. Dieser Mann musste viele Schlachten schlagen mit seinem Volk und wenn er die Arme zum Gebet erhob, dann konnte sein Volk gewinnen. Am Ende konnte sein Volk das Ziel erreichen, er selbst aber durfte nicht mehr in das Gelobte Land. Er wurde so für seine Selbstherrlichkeit bestraft und er verschwand auf dem Berg im Gespräch mit dem Himmlischen.

Sie haben es vermutlich gemerkt, von wem die Rede ist: es ist Mose, der Mann Gottes, der Führer in die Freiheit, der mit dem Männerstolz vor Königsthronen, der dem mächtigsten Mann der Welt widersprochen hat, dem Pharao. Als Predigttext lese ich uns die Geschichte von seiner Berufung aus 2. Mose 3,1-14:

[TEXT]

Mose ist ein dickköpfiger und jähzorniger Mann. Gott braucht noch ziemlich lange, bis er alle Einwände Moses ausgeräumt hat. Man kann natürlich Mose verstehen: das Ganze ist für ihn wie ein Selbstmordkommando. In Ägypten wird er als Mörder gesucht. Der Pharao ist der mächtigste Mann der Welt. Seine Streitwagen sind die modernsten und schlagkräftigsten Waffen. Und es ist bekannt, dass ein Israelit dort schnell ein toter Israelit ist.

Mose hat die Folgen seines Jähzorns in der Wüste bereut. Seinen Zorn kann er an den wilden Tieren auslassen, die die Schafe bedrohen oder an den rauhen Hirten, die ihm die Wasserstellen streitig machen. Mose ist älter und reifer geworden und hat seinen Zorn besser im Griff. Er ist verheiratet, er hat einen Sohn, er ist ein gesetzter Familienvater.

Und jetzt zwingt Gott ihn in einen Konflikt auf Leben und Tod hinein. Das gibt doch Mord und Totschlag in Ägypten, das liegt doch auf der Hand.

Diese Geschichte ist also eine Geschichte darüber, wie ein Mann die Flamme des Zorns, die in ihm lodert, zähmt und fruchtbar macht. Das kann er, weil Gott mit ihm geht und ihn führt. Weil Gott ihn führt, kann er das Volk führen. Und einmal, als Gott zornig und das Volk Israel vernichten will, da ist Mose der Fürsprecher, der sein Volk vor dem Zorn Gottes rettet.

Die Ägypter bekommen in dieser Geschichte den Zorn Gottes zu spüren. Die ganzen 10 Plagen kommen über das Land, Heuschrecken, Frösche, verschmutztes Wasser. Und das Schlimmste: Alle Erstgeborenen werden getötet. Und dann, nach der Flucht der Israeliten durch das Meer: versinkt das ganze Herr in einer Flutwelle.

Auch die vielen fremden Völker, die hier aufgezählt werden, und die da leben, wo das gelobte Land ist, bekommen den Zorn Gottes zu spüren, als sie dann die Israeliten angreifen.

Das ist vielleicht gerecht, weil die Israeliten übel unterdrückt worden sind. Wie Sklaven wurden sie behandelt. Sie wurden misshandelt und zu immer schwererer Arbeit geprügelt. Und ihre neugeborenen Jungen wurden umgebracht.

Und doch ist es erschreckend, in dieser Geschichte die Flamme des Zorns zu sehen. Gott ist ein gefährlicher Gott. Mose verhüllt sein Gesicht, um diese überhelle Flamme nicht sehen zu müssen.

Und doch ist diese Flamme eine, die den Dornbusch nicht verbrennt. Das ist ein Zeichen dafür, dass Gott es letztendlich gut mit uns meint.

Wir müssen durch das Leiden des Lebens hindurch gehen. Wir werden uns die Finger verbrennen an der Flamme, die in uns brennt, an der Flamme, die in anderen brennt, an der Flamme Gottes. Dieses Feuer Gottes, das enthält beides, Zorn und Liebe.

Jesus sagt an einer Stelle im Evangelium: Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf der Erde. Ich wollte es würde schon brennen. Auch darin, wie Jesus uns Gott gezeigt hat, gibt es nicht nur die Liebe. Auch Jesus hat voller Zorn mit den scheinheiligen Frommen gestritten und die Händler aus dem Tempel geworfen, die aus dem Glauben ein Geschäft machen wollten. Auch bei Jesus ist Gott heilig und gefährlich, zornig und gerecht. Aber vor allem ist Gott die Liebe. Das ist sein Name: Ich werde sein. Ich werde bei dir sein. Ich gehe mit dir. Ich helfe dir durch die Brandherde des Lebens hindurch.

Kennen Sie das, dass ein Feuer in Ihnen brennt? Ich wünsche uns, dass in uns das Feuer der Liebe Gottes brenne. Was unser Leben vor Gott ist, das ist am Ende dieses Feuer gewesen, das in uns brennt. Ich schließe mit einem alten Gebet: Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.

drucken