Das zieht Dir die Schuhe aus

Liebe Gemeinde,

wenn der Schuh drückt, dann hilft es, wenn wir die Schuhe ausziehen. Bei Mose drückte der Schuh und so ist es nicht verwunderlich, das er im Verlauf der Geschichte seine Schuhe auszieht: Denn Mose war ausgestiegen. Da drückt der Schuh. Er steht seit 40 Jahren auf dem Abstellgleis. So dramatisch und viel versprechend sein Leben anfing, so mühsam und eintönig schleppt es sich jetzt mit Schafe hüten dahin. Gott hat ihn gerettet und ihm das Beste seiner Zeit zukommen lassen. Er vereinigt zwei Kulturen in seiner Person.

Aus der jüdischen Kultur hat er das Wissen um den einen Gott, der uns geschaffen hat und unser Leben trägt. Und aus der ägyptischen Kultur hat er die umfassendste Allgemeinbildung seiner Zeit. Ägyptische Schulbildung umfasste Astronomie, Mathematik, Organisation, Strategie, Umgangsformen und sportliche Ausbildung. Sie ist mit einem heutigen Doktortitel vergleichbar.

3,1 Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian

Und dieser Doktor Mose hütet die Schafe. Ich habe nichts dagegen, wenn Doktoren Schafe hüten, wenn es ihre Aufgabe ist. Aber Mose hütete Schafe und zwar nicht einmal seine eigenen, und es war nicht seine Aufgabe. Seine Aufgabe war es die Israeliten zu befreien. Und zwar nicht auf seinem Wege, wie er es versucht hat, mit einem Mord. Nein, sondern auf dem Wege Gottes.

3,1 Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian

Diesen Satz müssen wir lesen und zwar solange bis er uns weh tut. Denn in der Zwischenzeit litt das Volk, aus dem Mose stammte, unter dem Pharao. Es litt und schrie zu Gott, und zwar nicht aus Glauben, sondern aus purer Verzweiflung. Und Mose, der einzige, der es retten konnte hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian.

Und dabei hatte alles so gut angefangen. Gott hat Mose in einem Körbchen vor der Abtreibung durch Ersäufen im Nil gerettet. Gott hat ihm die beste Bildung seiner Zeit gegeben. Und Mose hat für Gott sein Bestes geben wollen. Er war eifrig für Gott, er brannte für Gott. Und als er sah, wie ein Ägypter einen Landsmann schlug, da entbrannte in ihm der Zorn. Er erschlug den Ägypter und verscharrte ihn im Sand.

So enden alle unsere Versuche, wenn wir für Gott unser Bestes geben wollen. Wir brennen für Gott und verbrennen. Oh Gott, behüte uns vor den frommen Weltverbesserern, die „ihr“ Bestes geben wollen. Denn sie sind gefährlich für Gottes Reich.

Mose war gefährlich, er war so gefährlich für Gott und für das Volk, dass Gott ihn für 40 Jahre aufs Abstellgleis in die Wüste schicken musste, um Schafe zu hüten. 40 Jahre trister Alltag. Und Mose bekam seine Midlife Krise: "War das alles in meinem Leben." Soll ich meinen Lebensabend blökend bei den Schafen hier verbringen. Und das trieb ihn um, so um, dass er unruhig umherzog:

3,1b und [Mose] trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb.

Er war so umgetrieben, dass er die Weide verließ, die Steppe überquerte, wo noch ein wenig wuchs und in die Wüste ging. Dort sah es äußerlich aus, so wie es in ihm innerlich aussah: wüst und vertrocknet. Und dann kam er an den Berg Gottes, den Horeb. Und dort sah er einen Dornbusch. Dornen sind in der Bibel ein Symbol der Verlorenheit. Die Dornen in der Bibel reichen von den Dornen und Disteln, die auf jedem Acker wachsen und mühsam entfernt werden müssen, als Strafe bei der Vertreibung aus dem Paradies, bis zur Dornenkrone Jesus. Dornen sind ein Zeichen der Verlorenheit von uns Menschen. Diese Dornen spiegeln die Verlorenheit des Mose, sie spiegeln unsere Verlorenheit wieder. Die Verlorenheit der Welt wird in den ersten beiden Kapiteln des 2.Buches Mose geschildert. Die Unterdrückung und die Gewalt, die Abtreibung der Kinder durch Ertränken im Nil und die Gottlosigkeit. All das sind die Dornen der Welt. Doch dieser Dornbusch war seltsam.

3,2 Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.

Mose brannte für Gott, als er den Ägypter erschlug. Er brannte aus sich heraus und verbrannte in einer Sekunde. Dieser Busch brannte, doch er brannte nicht aus sich, er verbrannte nicht. Gottes Geist war es, diesem Busch Feuer gab. So soll es auch in unserem Leben sein. Wir sollen für Gott brennen ohne zu verbrennen.

Um auf den Busch zu klopfen, aus purer Neugier, geht Mose näher. Gott kann auch unsere Neugier für seine Zwecke benutzen. Vielleicht geht einer in die Kirche, um zu sehen, was das ist: etwas, das stirbt, ohne abzusterben, und wird dabei von Gott gepackt. So geht es Mose am Horeb. Vor dem Feuer Gottes, das zerstört, läutert und wärmt, wird aus dem Neugierigen ein Betroffener, aus dem kühl Beobachteten ein Gerufener. Mose wird bei seinem Namen gerufen und begreift: Hier geht es um mich, hier bin ich gemeint. Und Mose meldet sich zur Stelle: "Hier bin ich". Den Gott seiner Väter hat er zwar schon gekannt, er hat sich für ihn eingesetzt. Aber indem er Gott s e i n Bestes geben wollte ist er ihm immer wieder ausgewichen. Der Dornbusch Mose ist noch nie dem lebendigen Gott begegnet.

Mose erlebte hier sein Pfingsten. Er der Dornbusch wurde ergriffen vom Geist Gottes und brannte für Gott und verbrannte nicht. Er begegnet hier dem Gott der zu uns Menschen herabstieg, zuerst im Dornbusch und dann in Jesus Christus. Diese Begegnung zündete. Der Dornbusch Mose brannte von dort an für Gott und verbrannte nicht. Er erfüllte seinen Auftrag und führte sein Volk mit Gott aus Ägypten.

Gott handelt durch Menschen, aber er handelt nicht wie wir uns das vorstellen: durch unser Bestes. Gott sagt: lass dein Bestes, du kannst deine Dornen zwar abschneiden, aber in einem Jahr sind sie wieder nachgewachsen. Ich möchte dich Dornbusch durch das Feuer meines Geistes erneuern.

An welcher Stelle stehst du gerade in deinem Leben. Wo hütest du wessen Schafe und wie begegnet dir Gott? Und was ist der Auftrag Gottes für dich?

Wo immer du stehst, eines steht fest: Gott will dich wie Mose in die Verlorenheit der Welt schicken, um den Menschen die frohe Botschaft von Jesus Christus zu bringen. Das göttliche Feuer, will dich Dornbusch entzünden, dass du für Gott brennst, aber nicht verbrennst.

Oh Gott, wie viele brennen aus eigener Kraft für Gott und verbrennen. Lasst uns darum heute morgen wieder ganz neu um Gottes Kraft bitten. Gott, mein Herr, mein Leben ist dürr und trocken. Entzünde mich verlorenen, trockenen Dornbusch mit deinem Feuer des Heiligen Geistes. Und lass mich dann in die Verlorenheit der Welt gehen, um von dir und deiner frohen Botschaft zu erzählen.

Auch bei uns drückt der Schuh. Wir wollen so oft Gott aus eigner Kraft dienen und verbrennen dabei. Lasst uns vor Gott diesen Schuh ausziehen. Wir dürfen vom kindlichen „Liebe Gott Glauben“ zu einem biblischen Glauben kommen, der auch mit der Heiligkeit Gottes rechnet und so Gott ernst nimmt.

Wir dürfen von der Sofahaltung des Zuschauers aufbrechen und feststellen, wir sind die Gemeinde auf die es ankommt und die im Auftrag Gottes etwas bewirken soll.

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