Der Weg zu Gott

Liebe Gemeinde,

als ich noch ein Kind war, da dachte ich, dass mit dem Beginn eines neuen Jahres alles anders werden würde. Das, was war konnte ich hinter mir lassen und ich konnte wieder von vorne beginnen. Mein Leben lag vor mir, wie ein leerer Suppentopf, den ich wieder füllen konnte.

Nun, vielleicht hatten sie ja auch solche Gedanken zu Jahresbeginn und heute, neun Tage danach, hat uns der Alltag wieder, unsere Illusion vom leeren Suppentopf ist dahin.

Unsere Sehnsucht nach etwas Neuem bleibt. Kann überhaupt etwas Neues werden in diesem Jahr? Kann überhaupt etwas Neues werden in unserem Land, in der Politik? Kann überhaupt etwas Neues werden im Zusammenleben unterschiedlicher Menschen in unserer Gemeinde? Kann überhaupt etwas Neues werden trotz allem, was geschehen ist?

[TEXT]

Liebe Gemeinde, es beginnt damit, dass Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte. Es war der Landesfürst Herodes, der Johannes gefangen nehmen ließ, weil Johannes die Ehe des Herodes mit Herodias öffentlich angriff und dem Landesfürsten Ehebruch vorwarf.

Zu diesem Zeitpunkt fängt Jesus an zu predigen. Ein gewagter Zeitpunkt, so denke ich, denn eigentlich müsste man denken, dass Jesus zunächst einmal abwartet und sich ruhig im Hintergrund verhält, um nicht als Anhänger von Johannes zu gelten und ebenfalls in Gefahr zu geraten. Was macht Jesus?

Er zieht sich nicht zurück und bringt sich in Sicherheit. Nein, ganz im Gegenteil, Jesus bleibt nicht in Nazaret, sondern nimmt seinen Wohnsitz in Kafarnaum, einer Stadt am See Gennesaret, im Gebiet der Stämme Sebulon und Naftali. Dort beginnt er seine Botschaft öffentlich zu verkündigen: „Ändert euer Leben! Gott wird jetzt seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden“!

Ja, ändert euer Leben, schaut zurück auf den Weg, den ihr bis heute gegangen seid. Schaut auf die Erfolge, die ihr bis jetzt hattet, die euch auch gelungen sind und euch Freude bereitet haben.

Aber betrachtet auch die Schattenseiten eures Weges. Die Schattenseite des Todes, wie sind wir damit umgegangen? ─ Wer hat uns verletzt? Wann und wen haben wir verletzt und unsere Nächste und Nächsten im Stich gelassen?

Jesus zieht sich nicht zurück und bringt sich in Sicherheit. Er begibt sich nach Kafarnaum ins heidnische Galiläa, zu einem Volk, das im Dunkeln lebt. Ja, so konkret wurde Gottes Liebe zu uns Menschen. Jesus ist wirklich zu uns gekommen und hat uns aufgesucht. Er ist mit seiner ganzen Wahrheit und Liebe in unser Leben eingedrungen, in ein Leben, das im Dunklen ist und in Sünde steht. Ja, so konkret wurde Gottes Liebe zu uns Menschen. Jesus ist wirklich zu uns gekommen, er hat unter uns gewohnt, er hat sich dem Gespräch und den Fragen gestellt. Und er ist das Risiko eingegangen von uns überhört, verhöhnt, verspottet, abgelehnt, ja sogar zerstört zu werden.

Was Johannes der Täufer zuvor angekündigt hatte, ist mit dem Auftreten Jesu zur Wirklichkeit und ebenso zur Gewissheit geworden. Er hat dem Volk, das im Dunklen lebt Licht gebracht. Und dieses Licht scheint jetzt und macht uns hell.

Denn Gott selbst ist durch Jesus Christus zu uns gekommen. Traurige können wieder lachen und die von Schuld gebeugten können wieder frei durchatmen. Die sich Feind waren, sitzen wieder an einem Tisch und den Verurteilten wird ein neuer Anfang geschenkt.

Das, liebe Gemeinde ist, so denke ich, der erste Schritt. Gott will, dass auch wir aus dem Licht der Wahrheit leben. Gott will nicht, dass wir nur reagieren um des lieben Friedens Willens, nein, es ist sein Wille, dass wir aktiv werden und Initiativen gegenüber unserer Nächsten und Nächsten ergreifen.

Gott will auch, dass wir zu uns selbst kommen, indem wir die ersten sind und auf unsere Nächste und Nächsten zugehen und sie lieben, wie uns selbst. Deshalb rief Jesus den Menschen von Kafarnaum zu: „Ändert euer Leben! Gott wird jetzt seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden“!

Tut einen Schritt! Kehrt um in euren Gedanken! Entscheidet euch für den Weg der Nachfolge! Es ist der Weg zu Gott, der Weg in sein Reich. Schaut dort hin, wo Gott einen neuen Anfang gemacht hat! Schaut auf Jesus, in dem die Herrlichkeit Gottes aufleuchtet!

Ja, Gott wird sein Werk durch Jesus Christus unter uns vollenden. Er hat dem Volk, das im Dunklen lebte Licht gebracht. Wo immer ihr euch auch aufhalten werdet, das Licht der Liebe Jesu wird euch begleiten. Und wenn wir dieses Licht der Liebe Jesu ergreifen und uns von nichts anderem mehr bestimmen lassen, dann liebe Gemeinde, ist das Reich Gottes mitten unter uns.

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