Wort(e)

Altjahrsabend – Bilanzzeit. Was hat das Jahr gebracht, was genommen. Rückblick und Abschied, vorsichtiger Blick nach vorn in eine Zeit, die noch nicht ist, die wir nicht in der Hand haben. Und wir im Gottesdienst.

„Himmel und Erde werden vergehen – aber mein Wort wird nicht vergehen.“ – Mit diesem Bibelwort als Jahreslosung haben wir dieses Jahr 2004 begonnen. Himmel und Erde werden vergehen – die Erde. Da haben wir in dieser Woche wieder eine Ahnung davon bekommen, wie fragil diese Erde und das Leben ist, ja: Und das bringen wir in diesen Gottesdienst mit. Die Bilder – diese schrecklichen Bilder – und das Wissen: sie sind auswechselbar, sie können täglich neu und woanders entstehen – auch bei uns. Nichts, was wir tun könnten … – Hilflosigkeit, Depression, Aggression.

Und Worte. Fünfhundertfünfzig. Zwölfhundert. Siebentausend. Zwölf- und fünfzehntausend. Zweiundzwanzigtausend, mehr, vierzig-, achtzigtausend, über hunderttausend, mehr. Menschenleben. Zahlenworte. Sie haben Sie, mich, in Atem gehalten. Und die Worte der Nachrichten. Auch andere Zahlen: Zwanzig Millionen. So viel an Spenden innerhalb von drei, vier Tagen. Bei uns – für Menschen in Süd­ostasien. Eine Zahl, die bescheiden Freude und Hoffnung macht – nicht der Geldbetrag, der auch: Die Hilfsbereitschaft, die dahinter steht. Oder auch so: 90 Euro im Schnitt. – Oder so 25 Cent pro Bundesbürger – und das ist dann wieder eine andere Zahl, ein anderes Wort.

Worte. Nicht nur diese. Das ablaufende Jahr lässt sich nicht auf eine Woche zusammenstreichen. Auch andere Worte: „Wir erwarten ein Kind.“ oder „Wir müssen die Untersuchung noch einmal wiederholen.“ oder „Sie haben Krebs.“ oder „Ich hab Dich lieb.“ Worte, die kommen, mitgehen, Leben verändern – so oder so – und bleiben.

Worte des Jahres. – Nein: Ich nenne es nicht noch einmal. Vielmehr: Was war Ihr „Wort des Jahres“ in diesem Jahr – zum Guten? Zum Schlechten?

Und sein Wort: „Wer unter dem Schirm des Allmächtigen ist und unter dem Schatten seiner Flügel …“ Und andere Worte mischen sich im Kopf ein: Warum gerade wir – warum nicht auch die? Ja: Warum? „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nicht mangeln.“ Schön, dass er mein Hirte ist, wirklich schön. Aber weshalb nicht dort und weshalb nicht auf Sumatra? „Fürchte Dich nicht, ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen – Du gehört zu mir.“ „Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“

Leise, vorsichtig, holt mich Gottes Wort ein, holt mich ein mit meinen offenen Fragen, mit meinem Nichtverstehen … lässt mir die Verantwortung für meine Fragen und rührt mich dennoch an. Und dieses heute Abend: Jesaja 30, 15-17: „Denn so spricht Gott der HERR, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein. Aber ihr wollt nicht und sprecht: »Nein, sondern auf Rossen wollen wir dahinfliehen«, – darum werdet ihr dahinfliehen, »und auf Rennern wollen wir reiten«, – darum werden euch eure Verfolger überrennen. Denn euer tausend werden fliehen vor eines Einzigen Drohen; ja vor fünfen werdet ihr alle fliehen, bis ihr übrig bleibt wie ein Mast oben auf einem Berge und wie ein Banner auf einem Hügel.“

Das alte Israel zwischen Ägypten und Assyren. Koalitionen mit wechselnden Partnern, Unruhe, Angst – nicht unsere Zeit – nicht unser Problem – oder doch? Anders? Koalition mit den täglichen Worten hier und dort – Koalition mit dem Wort, auf das ich getauft bin? – Vertrauen in die Welt – Vertrauen in Gott? Ein Wort strahlt heraus: „Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein.“ Durch Stillesein und Hoffen würdet Ihr stark sein. – Stillesein und hoffen. – Vertrauen inmitten aller Unruhe einüben …

Und auch das: „Aber ihr wollt nicht“ Und aus Gnade, der Schutz, die Hoffnung, Vorfreude auf Gottes Neues wird im Handumdrehen Gericht?

Ich denke an ältere Worte. Mose, nun alt geworden und am Leben und Erleben mit Gott gereift, sagt sie dem Gottesvolk zu: Dt. 28 1 Wenn du nun der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen wirst, dass du hältst und tust alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete, … 3 Gesegnet wirst du sein … 15 Wenn du aber nicht gehorchen wirst der Stimme des HERRN, deines Gottes, und wirst nicht halten und tun alle seine Gebote und Rechte, die ich dir heute gebiete, so werden alle diese Flüche über dich kommen und dich treffen … 32,47 Denn es ist nicht ein leeres Wort an euch, sondern es ist euer Leben …

Worte, sein Wort, sein Gebot – zum Segen oder zum Fluch. Segen oder Fluch. So hart – und nichts dazwischen. Keine Grauzonen.

Und dieses Wort, mit dem wir in das Neue Jahr hineingehen: „Simon, Simon! Der Satan ist hinter euch her, die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber ich habe für dich gebetet, damit du den Glauben nicht verlierst.“ – Ich muss nicht Simon heißen um zu sehen, wie sehr Ihm, unserem Herrn an Ihnen, an mir liegt.

Er hat für Dich gebetet. Und für Dich. Und für mich. – für Deinen Glauben, Dein Vertrauen in das Wort, das Dein Leben trägt und reich macht. – Mit welchem Wort will ich dieses Jahr beschließen und das neue Jahr beginnen und leben?

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