Gute Vorsätze

Liebe Gemeinde,

wenn ich in der Bibel lese bin ich immer wieder erstaunt, wie genau der Mensch von heute beschrieben wird. In dem heutigen Text, den der Prophet Jesaja vor fast 3000 Jahren geschrieben hat, ist von denselben Nöten und Problemen die Rede, die noch heute unser Leben bestimmen. esaja schreibt über das Lebensgefühl vor 3000 Jahren „Auf Rossen wollen wir dahinfliegen … und auf Rennern wollen wir reiten.“ Heute hört sich das so an:

Mit 18, du meine Güte, da hat man vom Leben noch nicht viel gesehen und meint daher, alles im Griff zu haben. Oder in den Griff zu kriegen. Dann kommen die wilden Jahre mit Studium, Heirat, Kindern, Hausbau – es läuft. Und plötzlich sitzt man vor einer Torte mit 30 Kerzen, die man möglichst auf einen Schlag auspusten soll.

Jesaja beschreibt den Wandel der dann folgt so: „darum werdet ihr dahin fliehen … darum werden euch eure Verfolger überrennen.“ Und dann fragt man sich: Wie lange wird meine Puste noch reichen? Schaffe ich noch einmal so viele Jahre? Aber locker, 60 werd ich allemal … Und dann fangen auf dem Weg zur 60 die ersten Wehwehchen an. Erste Signale, dass die Fahrt in die Zukunft nicht immer ganz so glatt weitergehen wird. Das man die Flucht ergreift. Okay, das gehört zum Leben, ein Zahn weniger im Mund und im Tempo, das lässt sich verschmerzen. Doch dann kommen die wirklichen Hämmer. Die Scheidung, ein geschäftliches Fiasko, eine Operation, der Tod eines nahen Angehörigen. Das sind die Verfolger, die uns überrennen.

Jesaja zeigt das Ende derer, die keine Vorsorge getroffen haben: „Denn euer tausend werden fliehen vor eines einzigen Drohen; ja vor fünfen werdet ihr alle fliehen, bis ihr übrig bleibt wie ein Mast oben auf einem Berge und wie ein Banner auf einem Hügel.“

Die Frage ist bis heute: Was ist das Ziel meines Lebens? Wenn man die geplatzten Träume, verpatzten Chancen, die angeknackste Gesundheit und die bedenklichen Leberwerte auf die eine Waagschale legt, die Geschäftserfolge, Auslandsurlaube, Autokäufe und Ersparnisse auf die andere, dann ist es ab irgendwann mal egal, was nun überwiegt. Denn unterm Strich, egal wie’s war, bleibt die Frage: War’s das? Oder kommt da noch was?

Was auf alle Fälle kommt, ist der Tod. Das Ende. Und dann? Das Gericht. Und dann? Dann kommt man entweder in den Himmel oder in die Hölle, je nachdem, ob man auf Jesus hörte und Ihm gehörte oder nicht. Jedenfalls: Die Ewigkeit liegt vor uns!

Daran erinnert Jesaja die Leute vor dreitausend Jahren, daran erinnert uns Jesaja heute: „Denn so spricht Gott der HERR, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein.“

Die Jahreswechsel sind Haltestellen im Leben, an den wir innehalten und zurück blicken und fragen, was das vergangene Jahr gebracht hat. Gute Vorsätze werden für das neue Jahr gemacht. Halt, es ist ja nicht so, das wir bei Null beginnen können. Das vergangene Jahr liegt hinter uns, es tut gut sich an die schönen Stunden zu erinnern. Aber es gibt auch schwere Dinge, die nicht geklappt haben, es schmerzt über diese nachzudenken. Es ist hilfreich, sich gute Vorsätze zu machen, aber was ist mit den vielen zerbrochenen Vorsätzen der vergangenen Jahre. Das ist die Stelle an der Jesaja ansetzt. Er rät uns, unser ganzes Leben in den Blick zu bekommen, so wie Gott uns sieht. Ein Leben mit Stärken und Schatten, mit Licht und Schatten, ehrlich und wirklichkeitsnah, so wie es ist. Das ist mit „Wenn ihr umkehrtet“ gemeint.

Wir können das Jahr 2004 nicht mehr umkehren, nicht mehr ändern. Aber wir können umkehren, stehen zu dem was 2004 gut gelungen und vor allem zu dem was 2004 misslungen. Wir können vor allem umkehren zu dem lebendigen Gott. Doch dazu bedarf es etwas, was uns heute furchtbar schwer fällt: „stille sein.“ In wie vielen Wohnungen laufen ständig Radio und Fernseher, wenn ich einkaufen oder Eis laufen gehe, dann werde ich auch berieselt. Das kommt daher, das viele nicht mehr Still sein können. Das kommt mit daher, dass viele die Angst haben, etwas zu verpassen.

Doch das ist das, was viele nicht merken. Wir verpassen etwas, weil wir nicht mehr Stille sein, weil wir nicht mehr warten können. Wir verpassen Gott und sein Ziel für unser Leben. So müssen wir wieder lernen stille zu sein. Wenn ich mit anschaue, wie viele Jugendliche ihre Lehre abrechen, weil sie nicht mehr durchhalten können und auf der anderen Seite, wie viele Arbeitgeber keine Lehrstellen mehr anbieten, weil sie von den Jugendlichen frustriert sind, kann ich beiden Gruppen nur zurufen: seid Stille und schaut darauf, wie ihr zusammenfinden könnt.

Mit den Arbeitsplätzen ist es ähnlich, viele Arbeitnehmer sind von ihrer Arbeit frustriert und viele Arbeitgeber von ihren Angestellten. Oder schauen wir in den familiären Bereich, wie es in den Ehe und Familien aussieht. Das gehen Ehen, manchmal sogar nach Jahrzehnten auseinander, und werden geschieden, weil ein oder beide Partner nicht mehr stille sein können, um an der Ehe zu arbeiten.

Das sieht im Bereich des Glaubens genauso aus. Können wir still sein und Tag für Gott Wort lesen und so in enger Beziehung zu stehen. Das ist keine leichte Sache und darum brauchen wir Hilfe. Zum Beispiel durch das Losungsbuch, das uns jeden Tage eine Vers aus dem Alten und dem Neuen Testament anbietet. Am Ausgang wird heute jeder, der eine Computer-CD verwenden kann, die Losungen bekommen. Sie sollen uns helfen stille zu werden und durch diese Stille hindurch zu Gott zu finden.

Etwas Zweites ist wichtig: „durch Stillesein und Hoffen“ Hoffnung ist der Motor, der unser Leben nach vorne bringt. Viele Hoffen ja auf den Haupttreffer beim Lotto. Ist das wirklich erstrebenswert?

Warum wollen dann die meisten Gewinner von Lotto-Millionen unbekannt bleiben? Ich hoff lieber auf andere Dinge: Ich hoffe, dass die Jugendlichen von heute die Kraft bekommen, ihre Lehre abzuschließen. Ich hoffe, das Arbeitgeber und – nehmen aufeinander zugehen und die Arbeit menschenwürdig und sinnvoll gestallten. Ich hoffe, dass die Partner in den Ehen aufeinander zugehen und die Probleme und Schwierigkeiten in der Beziehung angehen. Ich hoffe, dass die Menschen Gottes Wort neu entdecken und von daher die Kraft bekommen ihr Leben in den Griff zu bekommen.

Halt, tönt die Stimme des Zweiflers, der christliche Glaube ist doch für jemand der schwach ist und sein Leben nicht im Griff hat. Ich dagegen bin stark! Sei still, du Zweifler, gerade bist du stark, aber es gibt auch Momente in deinem Leben, die du nicht im Griff hat und wo du schwach bist. Wer seine Schwäche zugeben kann, der ist wirklich stark und wer sich helfen lässt, der bekommt sein leben tatsächlich in Griff. Vor Gott gilt nichts als radikale Offenheit. Mit dem Spruch: „Ich nächsten Jahr wird alles besser“ kommst du da nicht durch. Wenn Du möchtest, dass im nächsten Jahr sich die Dinge ändern und besser werden, dann solltest du sie auch von dem ändern lassen, der sie besser machen kann. Das ist das Ziel der Botschaft, die uns Gott durch Jesaja ausrichten lässt. Es gibt nur einen Haken. Gott stülpt sie dir nicht über. Du musst es selber wollen: „Denn so spricht Gott der HERR, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein.“ Ich wünsche für jeden, der heute da ist, das der Satz für ihn nicht mit ihr: „Aber ihr wollt nicht.“, sondern mit „Das will ich im Neuen Jahr versuchen“ weitergehen. In diesem Sinne ein gesegnetes Neues Jahr.

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