Neuen Frieden und Versöhnung

In der letzten Woche ging eine Art Erdbeben des Entsetzens und der Fassungslosigkeit um die Welt, als wir die Nachricht bekamen von den furchtbaren Terroranschlägen in New York und Washington. Selbst jetzt fällt es noch schwer, das Ausmaß der Verwüstung und des Todes zu begreifen.

Die USA wurden in ihrem Kern getroffen. Denn das World Trade Center ist ein Inbegriff der freiheitlich -demokratischen Welt. Und es ist auch ein Wahrzeichen des Wirtschaftssystems der USA. Ja, es ist fast so etwas wie eine Ikone des amerikanischen Nationalstolzes, mal ganz zu schweigen von der Bedeutung des Weißen Hauses und des Pentagons. Alles das sind Wahrzeichen unserer westlichen Lebensart, die da getroffen wurden und die auch getroffen werden sollten.

Und es fällt noch viel schwerer, das Ausmaß an Hass und Fanatismus zu erahnen, das Menschen dazu bewegt hat, den Tod von Abertausenden von Menschen herbeizuführen. Der Tod dieser Menschen war für die Täter offensichtlich belanglos, wenn nicht sogar willkommen. Egal ob es sich dabei um Männer, Frauen oder Kinder handelte, Christen oder Muslime, Bankmanager oder Liftboys, unbeteiligte Fluggäste oder Ersthelfer von Polizei und Feuerwehr. Alle wurden Opfer. Das Ausmaß ist wirklich unvorstellbar!

Wie kann es ein Motiv geben, das solch vielfachen Mord hervorbringt? Unweigerlich erinnern wir uns an die Worte aus 1. Mose 8, 21: "Denn das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an."

Das kommt dabei heraus, wenn der Zweck angeblich die Mittel heiligt. Das kommt dabei heraus, wenn der Bosheit des Menschen keine Zügel angelegt sind.

Und die Reaktion darauf ist genauso heftig. Da ist ja nicht nur Schock und fassungslose Agonie. Da ist genauso Wut, Zorn, der Schrei nach Vergeltung und Rache. Als der Reporter bei RTL die erste Reaktion von Präsident Bush berichtete, ging es ja genau darum, und er hat es ja inzwischen auch bekräftigt: "Wir werden die Täter mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln ausfindig machen zur Strecke bringen und bestrafen." Der Ruf nach staatlicher Vergeltung wird inzwischen immer lauter. Vor dieser Vergeltung graust es mir jetzt schon. Auch der Reporter im Fernsehen musste bei diesem Bericht schon gleich selber mit den Schultern zucken. Vergeltung? Menschlich gesehen ist das verständlich. Aber was passiert dann als Nächstes? Das bringt uns doch nicht wirklich weiter! Das wird nur noch weiteren Terror hervorbringen. Das wissen wir doch jetzt schon. Wollen wir das wirklich? Das kann es doch nicht sein.

Es bleibt das Wort Gottes aus Rö 12, 17-19 gültig: "Vergeltet nicht Böses niemand Böses mit Bösem. Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht. Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn Gottes."

Und doch, gerade, wenn wir dieses Bibelwort auf uns wirken lassen, merken wir, dass das unsere Kraft übersteigt.

1. Wir kommen gegen die Schuld nicht an
Das ist ernüchternd. Trotz gutem Willen und trotz viel gutem Bemühen, merken wir, dass wir letztlich nicht die Wurzel des Bösen ausreißen können. Auf allen Seiten findet sich Schuld. Und dabei handelt es sich ja nicht nur um das Böse, das die Terroristen getan haben. Amerika ist in ihren Augen der Vasall von Israel, das sie bekämpfen und unter dem sie auch zu leiden haben. Wir Christen neigen gerne dazu, vor diesen Tatsachen die Augen zu verschließen. Aber Gottes auserwähltes Volk ist nicht unschuldig. Die jahrelange wirtschaftliche Misere und die ungleiche Verteilung z.B. des Trinkwassers hat die Wut immer höher kochen lassen. Auf jüdischer und auf arabischer Seite gibt es unschuldige Opfer des Terrors und des Hasses. Und wir haben uns gewöhnt an die dauernden Meldungen von Autobomben, Anschlägen, Vergeltungsmaßnahmen der israelischen Armee, usw. Wir kommen gegen die Schuld nicht an. Wenn es um die Versöhnung zwischen Menschen geht, kommen wir schnell an unsere Grenzen – trotz gutem Willen. Woher soll auch die Kraft zur Versöhnung kommen, wenn wir keinen Frieden im Herzen haben?

2. Wir brauchen Versöhnung mit Gott
Schuld trennt. Schuld trennt nicht nur Menschen von anderen Menschen, sondern Schuld trennt auch Menschen von Gott.

[TEXT]

Hier wird auch gründlich aufgeräumt mit einem weit verbreiteten und beliebten Missverständnis: Im Bibeltext steht, dass Gott es ist, der uns mit IHM versöhnt, indem er Jesus Christus unsere Schuld bezahlen ließ. Gott ist es, der uns mit ihm versöhnt – nicht umgekehrt! Wir brauchen uns gar nicht einzubilden, dass wir durch besonders bußfertige und fromme Taten Gott so beeindrucken könnten, dass er uns gnädig wird. Da helfen keine Tränen und auch kein Eintrag in das Gedenkbuch für die Opfer der Terrorakte. Den Eintrag in das Buch des Ewigen Lebens nimmt Gott höchstpersönlich vor. Und diese Versöhnung wird uns von Gott geschenkt.

2.Kor 5, 17: "Ist jemand IN CHRISTUS, so ist er eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen, Siehe! Neues ist geworden!" Hier ist es wieder: Das IN CHRISTUS sein, über das ich in den vergangenen Wochen gesprochen habe.

Die Versöhnung hat einen Namen: Jesus.

In der Person Jesu ereignet sich die Versöhnung. Wer sein Leben Jesus anvertraut, wer IHM die Herrschaft über das eigene Leben überträgt, der ist, wie das Bibelwort sagt: IN CHRISTUS. Er trägt unsere Schuld. Der auferweckte Jesus gibt uns neues Leben. V.18: "Aber das alles kommt von Gott, der uns mit Christus durch sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat."

Auf dieser Grundlage kann sich dann die Versöhnung auch auswirken. Jetzt kann die Versöhnung von Mensch zu Mensch weitergehen.

3. Versöhnte Menschen zeigen den Weg zur Versöhnung
Wenn Du die Liebe Gottes in deinem Leben erlebt hast, wenn du erlebt hast, wie Jesus dir deine Schuld vergeben hat, erst dann bist du in der Lage, auch anderen Menschen zu vergeben. Es ist die Kraft Gottes, die das in dir bewirken kann. So wie es in Rö 5, 5 heißt: "Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist."

Gebt Raum dem Heiligen Geist, so gebt ihr Raum der Versöhnung , die wir brauchen. Und es ist die Liebe Gottes die es bewirkt, dass wir uns eben nicht unsererseits für das Erlittene mit einer entsprechenden Knüppel-aus-dem-Sack-Politik revanchieren, sondern wir schenken Versöhnung. Und dann arbeiten wir weiter am Frieden.

4. Versöhnte Menschen leben in versöhnten Verhältnissen
Man kann nicht mit Gott versöhnt sein, und mit anderen Menschen weiterhin im Unfrieden leben. Das geht nicht! In 1.Joh 2, 9 heißt es dazu ganz deutlich: "Wer sagt, er sei im Licht, und hasst seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis."

Ich kann nicht auf der einen Seite von Frieden und der Liebe Gottes reden, und auf der anderen Seite mich im Kleinkrieg mit jemandem befinden, geschweige denn, dass ich einen großen, offenen Krieg führe.

Vergessen wir nicht: Es beginnt damit das es einfach nur Spannungen zwischen verschiedenen Menschen sind. Am Anfang knistert es bloß. Irgendwann knackt es richtig, bis es dann auch einmal richtig knallt. Vielleicht erst nur mit Worten, die aber schon schlimm genug sind. Und dann geht es weiter. Jeder tut das, was er in diese Situation für richtig hält. Es folgen die kleinen und großen Bosheiten und Schikanen in der vollzogenen Tat, die dem anderen noch mehr Schmerz zufügen, die ihn übervorteilen, die seinen Stolz treffen, und die ihm regelrechten Schaden zufügen. "Denn das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an." Ohne Vergebung und ohne Versöhnung IN CHRISTUS beginnt sich die Spirale der Ungerechtigkeit zu drehen.

So erleben wir es zu Hause. Das gibt es sogar ab und zu in der Gemeinde. Und so haben wir es in dem Nahostkonflikt seit Jahren erlebt – auf beiden Seiten. Es sind nicht nur die Bombenattentate auf israelische Schulbusse, es sind auch die palästinensichen und andere arabischen Kinder, die seit Jahren schon unter menschenunwürdigen Bedingungen in unzureichenden Flüchtlingslagern gelebt haben.

Solche ätzende Atmosphäre wirkt sich auch aus auf Menschen, die gar nicht direkt von dem Konflikt betroffen sind. Gerade deshalb ist dieser Punkt so wichtig: Mit Gott versöhnte Menschen leben in versöhnten Verhältnissen. An diesen Verhältnissen muss man arbeiten.

Das geht bis in die Äußerlichkeiten.

Das ist schwer, sehr schwer. Wenn die Last dir zuviel wird, oder wenn du keine Lösung siehst, so nimm einen Dritten als Versöhner mit dazu. Du darfst sicher sein, dass der Geist Gottes dir hilft, neuen Frieden und Versöhnung zu erlangen. Du brauchst keine Angst zu haben. Versteck dich nicht vor der Schuld und vor dem Versagen aus deinem eigenen Leben. Nimm die Versöhnung an, die Jesus dir anbietet, wie in V.20: "Wir sind also Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!"

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