Klein und unauffällig

Liebe Gemeinde,

heute morgen am Weihnachtstag nähern wir uns Weihnachten mit nicht mehr so großen Erwartungen an Romantik und Gelingen. Heute morgen sind wir offen, die Botschaft zu hören, die auch noch dem Licht des neuen Tages stand hält. Wir feiern Abendmahl. Wir feiern die Geburt Jesu, und wir hoffen, dass aus dieser Geburt Jesu etwas ausstrahlt, dass wir auch noch ins neue Jahr mitnehmen können.

Der heutige Predigttext aus dem alten Testament aus dem Buch des Profeten Micha ist uns da erstaunlich nahe. Ich lese Micha 5,1-4:

[TEXT]

Und du Bethlehem Efrata, die du klein bist … Das ist in einer der kleinsten Gemeinden im Landkreis ja gut nachvollziehbar. Der Herrscher, der den Frieden bringen soll, kommt nicht aus Jerusalem. Er kommt nicht aus Frankfurt oder Darmstadt. Er kommt aus einem kleinen Ort wie Messel.

Was in einem kleinen Ort zu wohnen bedeutet, dass haben mir in einer der letzten Stunden die Konfis mal wieder klar gemacht. Sie haben erzählt, was sie hier in Messel im Vergleich zur Stadt vermissen: Ein Schwimmbad und eine Disco ein Kaufhaus und Schnellrestaurant, einen Discounter und Café, all das gibt es hier nicht. Und das fehlt Jugendlichen, die kein Auto haben, um schnell mal in die Stadt zu fahren. Und für alte Menschen, die nicht mehr Auto fahren können, ist es auch schwierig, mit dem Bus in die Stadt zu kommen, wenn sie einen Facharzt aufsuchen müssen, oder so weit laufen zu müssen, um einzukaufen oder eben die Verwandten fragen zu müssen, ob sie sie fahren.

Also in einem kleinen Ort wie Messel ist der neue Friedenskönig, ist Jesus Christus geboren worden. Er ist sozusagen einer von uns und nicht einer aus der Stadt.

Vielleicht ist eine große bedeutende Stadt auch ungeeignet, um diese neue Art Herrscher hervorzubringen. Denn sie ist zu reich zu groß zu selbstbewußt zu sehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Sie hat zu sehr alles, Kaufhäuser und Fachgeschäfte, Kultur und Musik, Literatur und Theater, Zeitungen und Fernsehsender. Das, was hier an Weihnachten geschieht, braucht einen abgelegenen Ort, der nicht im Zentrum des Aufmerksamkeit steht.

Der Anfang der Friedensherrschaft muss klein und unauffällig beginnen, wenn er nachhaltig sein soll, wenn er die Herzen der Menschen umkrempeln soll. Das geht nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Das erfordert nicht die große Show. Und der da kommt, kommt nicht zuerst zu den Reichen und Mächtigen, er kommt eher zu Leuten wie uns. Und seine Macht zeigt er nicht in Paraden und Armeen. Er zeigt sie nicht zuerst in den Hauptstädten und den großen Konzernen.

Denn was da geschehen ist an Weihnachten, als der Friedensherrscher geboren wurde, das wirkt weiter als ein Kaiser Augustus damals wirken konnte weiter als George Bush heute wirken kann. Es ist wichtiger und bedeutender, und deshalb hat es die wichtigen und bedeutenden Orte nicht nötig. Von Kaiser Augustus wissen die Menschen heute nur noch aus dem Geschichtsunterricht oder der Weihnachtsgeschichte. Seine Herrschaft ist seit fast 2000 Jahren vorbei. Aber der christliche Glaube, der seinen Anfang in Bethlehem dem kleinen Ort in der Nähe von Jerusalem genommen hat, der hat sich über die ganze Erde ausgebreitet und ist heute die größte und auch die am schnellsten wachsende Religion.

Jesus Christus der Herrscher einer anderen und stärkeren und wirksameren Art erreicht mehr als den Gehorsam, den ein Kaiser erzwingen kann. Er herrscht nicht nur in der Hauptstadt. Er herrscht auch in den Dörfern, weil er die Herzen der Menschen erreicht und verändert. Jesus Christus fängt bei den armen und denen am Rand an, weil er die Herzen der Menschen erreichen will und kann. Damit der Friede kommt, den er ausbreitet, ist es ist nötig, dass wir kleinen Leute aus den Dörfern unsere Herzen öffnen. Denn an diesen winzigen Orten, in unseren Herzen da beginnt des Friedensreich. Dort in unseren Herzen fängt Gott mit uns an, den Frieden zu schaffen.

Und von da aus breitet sich Gottes Friedensreich aus über die ganze Welt und in die Zentren der Macht. Es kommt also auf uns an, denn Gott fängt mit uns an. Bevor er sich an den Chef der deutschen Bank wendet oder den Vorstandsvorsitzenden von Aventis, fragt Gott uns, ob wir bereit sind unsere Herzen für Jesus Christus und seinen Frieden zu öffnen?

Sind wir bereit, dass der der Friede ist in unseren Herzen geboren wird?

Und wenn wir dazu ja sagen, dann hat das Wirkungen, die bis weit in das neue Jahr hineinreichen. Wenn wir diese Geburt zulassen, dann gewinnen wir eine innere Kraft, auf die wir zurückgreifen können, wenn wieder mal jemand aus der Familie nervt. Dann schaffen wir es einen Schritt zurückzutreten und zu fragen, was könnte ich jetzt tun und sagen, was dem Frieden dient und die Situation nicht hoch kocht? Auf dem Weg, den der Friedensherrscher uns dann führen wird, da können wir dann auch anders an die Schule oder den Beruf herangehen. Auch dort werden wir Phantasie entwickeln wie wir anders und ungewöhnlich mit den üblichen Provokationen und den verbreiteten Intrigen umgehen können. Und mit einem gewissen Abstand und einer neuen inneren Kraft, die Jesus Christus schenkt, kann es eine ganz große Freude werden, die Wege zum Frieden zu finden. Das wird ein gutes Leben, getragen von Energie und Freude.

Aber, könnten Sie jetzt einwenden. Wieso macht Gott das so umständlich? Der Friedensherrscher wird in Bethlehem statt in Jerusalem oder besser noch Rom geboren. Gott kümmert sich um die Herzen der Leute in Messel. Wenn er sich auf Washington und Moskau, auf Peking, Berlin, Tokio und Paris konzentrieren würde und ein paar wichtige Manager und Regierungsoberhäupter auf den Weg des Friedens bringen würde, das wäre doch effektiver.

Ist das wirklich effektiv, das Kleine und Unbedeutende und auch die kleinen und unbedeutenden Menschen so zu bevorzugen?

Die Bibel zeigt uns immer wieder, dass Gott offensichtlich anderes und andere wichtig findet als wir. Gott neigt nicht dazu Leute zu irgendetwas zu zwingen. Gott wünscht sich offensichtlich freiwillige Mitarbeit von den Menschen. Und da ist es wohl schwerer die Herzen der Menschen zu gewinnen, die von Macht und Geld besessen sind, weil das in das sie eingesponnen sind, sie zwingt, für Vermehrung von Macht und Geld einzutreten, und das ist öfter Mal nicht mit dem Weg des Friedens vereinbar. Für Menschen mit Macht und Geld ist es also wohl sehr viel schwerer als für uns einen Weg zum Frieden zu finden.

Und außerdem könnte es sein, dass Gott unsere Einschätzung was groß und wichtig und was klein und unbedeutend ist nicht teilt. Gott sieht wohl in eine andere Richtung als die Fernsehkameras es tun. Vielleicht beachtet Gott die Schülerin, die für eine schlecht behandelte Klassenkameradin eintritt mehr als den Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Und vielleicht ist diese Ansicht Gottes ja auch effektiver als unsere Vorstellungen von Ruhm, Macht und Bedeutung. Vielleicht wird, was in unserer Welt geschieht, ja tatsächlich durch uns – das Volk – bestimmt, und nicht durch die Regierungen und die Vorstandsvorsitzenden und Manager der großen Firmen. Vielleicht ist es ja wirklich das Allerwichtigste für unsere Zukunft, dass unsere Kinder Liebe und Zuneigung erfahren, dass sie gefördert und gefordert und intensiv begleitet werden, was wir als Eltern Großeltern, Lehrerinnen und Lehrer Erzieherinnen und Erzieher machen. Und im Vergleich dazu ist alles, was die Regierung in Berlin für das Bildungswesen tun kann nur zweitrangig.

Vielleicht ist es das allerwichtigste, wie wir, die normalen Leute, miteinander umgehen. Und wenn wir das anders machen als es in den Firmen und den Parteien üblich ist, dann werden die sich an uns anpassen. Denn die da oben können auch nur machen, was wir hier unten zulassen. Wahrscheinlich hat Gott also durchaus recht, wenn er Jesus Christus erst mal ins Dorf nach Bethlehem schickt und nicht zuerst nach Rom in den Kaiserpalast.

Nehmen wir es mit in das neue Jahr. Der Weg Gottes zum Frieden führt allein durch unsere Herzen. Und Gott hält uns offensichtlich für sehr viel bedeutsamer als wir selbst das von uns denken. Denn er kommt zu uns. Und er will unsere Zustimmung unser Einverständnis in unserem Herzen geboren werden. Wenn wir ja sagen, dann liegt vor uns ein Leben voller spannender neuer Erfahrungen, voller Abenteuer und Herausforderungen und auch voller Freude. Auf diesem Weg sind wir nicht allein. Millionen vielleicht sogar Milliarden von Menschen in aller Welt versuchen ihn auch zu gehen. Ein paar von diesen sind heute hier in der Kirche versammelt. Zusammen dürfen wir feiern, dass wir zu Jesus Christus dem Friedensherrscher gehören.

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