Weihnacht, was bist du?

Weihnacht, was bist du? Bist du Kerzen und Schnee, oder nur ein Seemann, der allein ist auf See?

Weihnacht, was bist du? Bist du Hoffnung der Welt oder bist du einfach das ganz große Geld?

Glaubst du, alle Menschen verstehn dein Wort noch heut oder bist du nur ein Traum aus unserer Kinderzeit?

Weißt du, viele Menschen brauchen dich so sehr. Mancher weiss es selbst noch nicht und fühlt es ums so mehr.

Weihnacht, was bist du? Bist du Kerzen und Schnee, oder nur ein Seemann, der allein ist auf See?

Das, liebe Gemeinde, höre ich fast täglich, es ist ein Lied, das Rolf Zukowski mit seinen Freunden singt. Die CD gehört meiner Tochter.

Es ist nicht so ganz das typische Kinderlied zur Weihnachtszeit, was meine Tochter nicht stört, sie wartet einfach bis wieder etwas kommt, wo sie mitsingen kann.

Ich hab das immer so nebenbei gehört und dachte, ja Recht hat er, gute Frage, Weihnacht was bist du? Denn Weihnachten, das sind ja im alltäglichen Leben nicht nur diese drei Tage vom 24-26 Dezember und vielleicht noch ein bisschen danach. Weihnachten beginnt, wenn wir Pech haben Ende August, wenn die ersten Lebkuchen bei Penny gesichtet werden und wenn wir ganz eisern sind, dann beginnt diese besondere Zeit erst mit dem 1. Advent, mit der Vorfreude auf Weihnachten.

Ob Schnee liegt oder nicht, das haben wir nicht in der Hand , aber schöner ist es schon, wenn so ein wenig Puderzucker über der Welt liegt und wir durch leichten Schnee, statt durch Nieselregen zum Adventskaffee oder einem anderen Weihnachtsmarkt gehen.

Naja und wenn wir ehrlich sind, fragen wir uns jedes Jahr, was das alles noch mit Weihnachten zu tun hat, mit Besinnlichkeit und dem Ernst von Menschenkindern, wenn der Kaufrausch begonnen hat, der zwar für die Wirtschaft so nötig ist, aber doch vom tieferen Sinn der Ereignisse, die wir feiern, deutlich ablenkt.

Es ist wie es ist. In jedem Jahr stehen wir wieder da. Zwischen Hoffnung und Konsum, zwischen dem Anspruch, dass die Botschaft auch heute noch für jeden, auch für Erwachsene wichtig und aktuell ist und der Gefahr alles doch nur wegen der Kinder zu machen.

Einer, würde nicht nur mit dem Kopfschütteln, er würde vermutlich schreiend, pöbelnd und fassungslos das Weite suchen, könnte er uns erleben. Nicht nur uns, sondern auch die Millionen anderer in der Welt. Er würde kein Wort verstehen, von dem was Rolf Zukowski singt und unsere Fragen, unser Schwanken zwischen mitmachen und gegenhalten, könnte er noch weniger nachvollziehen. Er wäre radikal, so radikal, dass uns Hören und Sehen vergehen würde. Er würde sich vermutlich ohne jede Hemmung mitten ins Billstedt Center stellen und loslegen. Er würde alle Kinder erschrecken, die doch eigentlich darauf hoffen, dass wieder so ein freundlicher Nikolaus ihnen ein Stück Schokolade schenkt, wenn er die Stimme erheben würde. Auch wir würden uns Fragen, ob er vielleicht nicht ganz richtig ist, was getrunken hat, oder ob wir Polizei und Krankenwagen verständigen sollen. Da brüllt er herum: Macht den Weg für Gott bereit, macht seine Pfade eben. Jede Schlucht soll aufgeschüttet, jeder Berg und jeder Hügel soll eingeebnet werden, verschlungene Wege sollen begradigt und holprige Strassen eben gemacht werden. Dann werden aller Augen Gottes Heil sehen. Ein religiöser Spinner also. Und doch, irgendwie, so Zwischendurch, wenn wir mal absehen von seinem ƒußeren und davon, dass er uns den Weihnachtsbummel oder auch den Einkaufsstress verhagelt, so zwischendurch, würde uns vielleicht etwas erreichen, was uns aufhorchen lässt. Und es wäre dann bei aller Abwehr, dieser merkwürdigen Gestalt gegenüber, etwas, das so ein Gefühl hinterlässt wie: Ertappt. Auf frischer Tat ertappt. Ein schlechtes Gefühl. Ein Gefühl von erwischt werden. Ein Gefühl, als würde jemand, den wir sehr wichtig finden, Einer, der uns, egal wie alt wir schon geworden sind, noch etwas sagen darf, als würde so jemand sagen: Sagt mal, was macht ihr hier eigentlich. Buße tun sollt ihr, euch vorbereiten, in euch gehen Ihr Schlangenbrut, wer hat euch eingeredet, dass ihr dem bevorstehenden Zornesgericht billig entfliehen könnt? Verhaltet euch von jetzt ab so, dass die Früchte eurer Umkehr zu sehen sind. Und fangt nicht an euch gegenseitig zu beruhigen, indem ihr sagt: Na ja wir sind doch getauft und auch noch in der Kirche. Wir zahlen sogar Kirchensteuern, sind auch noch aktiv in ganz vielen Gruppen. Und doch, wir würden spüren, dass da etwas stimmt. Wir könnten spüren, dass wir in aller Geschäftigkeit und trotz vieler liebevoller Dinge, die wir tun, ja dass wir doch träge und bequem geworden sind. Und dann erinnern wir uns, dass der Advent nicht nur die Zeit der leckeren Lebkuchen und Marzipankugeln und der kuscheligen Stimmung ist, sondern eigentlich eine Zeit der Buße. Doch wer mag anderen mit solch ernsten Gedanken die Adventszeit verderben. Aber dennoch das Violett erinnert uns daran. Buße, das heißt innehalten, stehen bleiben, sich bewusst machen, wie gut wir es haben. Wie viel uns geschenkt ist. Buße heißt, der Sache auf den Grund gehen, sich nicht betäuben lassen vom Weihnachtsgedudel. Heißt: Stille und Bestandaufnahme. Buße heißt sich bewusst machen, dass es ohne Gott nicht geht und wir ihn nicht heraushalten können aus unserem Leben, aus unserem Handeln. Wenn der Gast denn kommt, den wir erwarten wie stehe ich dann da. Bin ich wirklich darauf vorbereitet Gott zu begegnen, selbst wenn er uns nicht als mächtiger, zorniger Mann die Leviten liest, sondern ganz anders, ganz überraschend, auf völlig unerwartete Art und Weise den Weg zu uns findet, oder stünden wir dann da, mit faulen Ausreden.

Man hat ihn eingesperrt diesen Mann, Johannes den Täufer, damals. Kein Wunder, wer so rumpöbelt und Leute beschimpft, das mochten die damals sicher auch nicht. Und wer dann noch in merkwürdiger Kleidung durch die Welt rennt, der hat es dann doppelt schwer ernst genommen zu werden. Er hatte wirklich eine undankbare Rolle, dieser Verwandte Jesu, der der Sohn von Marias Cousine war. Er hatte keine einfache Aufgabe der, der Jesus getauft hat. Er musste die unangenehmen Wahrheiten sagen, sich unbeliebt machen. Doch seine Frage bleibt, wie der Stachel im Fleisch. Weihnacht, was bist du? Bist du Kerzen und Schnee, oder nur ein Seemann, der allein ist auf See?

Weihnacht, was bist du? Bist du Hoffnung der Welt oder bist du einfach das ganz große Geld?

Glaubst du, alle Menschen verstehn dein Wort noch heut oder bist du nur ein Traum aus unserer Kinderzeit?

Weißt du, viele Menschen brauchen dich so sehr. Mancher weiß es selbst noch nicht und fühlt es ums so mehr.

Weihnacht, was bist du? Oder besser wem gehörst Du. Wer bestimmt die Themen in dieser

Zeit. Wir die Kirchen? Die Christen, oder doch die großen Konzerne und wir hängen uns noch ein bisschen hinten dran? Das mag resignierter klingen als es ist. Das ist es, was mir an Johannes gefällt. Er hat Mut, er hat Überzeugungskraft und er hat etwas wofür er ohne Wenn und Aber einsteht, dass neide ich ihm. Auch wenn ich gelernt habe, dass man nicht immer etwas erreicht, wenn man mit der Tür ins Haus fällt. Aber er hat wirklich Mut, versteckt sich nicht, sondern steht zu seiner Überzeugung und er geht dahin wo die Menschen sind. Und etwas an ihm macht auf die Menschen Eindruck, sie fragen; Ja, was sollen wir denn machen. Was schlägst du vor? Du hast ja Recht mit allem. Aber was sollen wir denn tun? Seine Antwort haben wir gehört, weniger radikal als wir es von Jesus gewohnt sind. Doch mir wird noch etwas deutlich daran, würden wir uns trauen, die Menschen, die Welt mit derart deutlichen Worten auf den adventlichen Ernst hinzuweisen, wir müssten auch Antworten geben auf die Frage, wie denn. Wie können wir denn? Was sollen wir ganz konkret tun? Ob wir das können? Warum nicht!

Weihnacht, was bist du? Bist du Kerzen und Schnee, oder nur ein Seemann, der allein ist auf See?

Weihnacht, was bist du? Bist du Hoffnung der Welt oder bist du einfach das ganz große Geld?

Glaubst du, alle Menschen verstehn dein Wort noch heut oder bist du nur ein Traum aus unserer Kinderzeit?

Weißt du, viele Menschen brauchen dich so sehr. Mancher weiß es selbst noch nicht und fühlt es ums so mehr.

Gott wird gebraucht in dieser Zeit, die Sehnsucht ist groß. Er kommt, er kommt mit Macht, wenn wir ihn in unserem Leben hineinlassen und dann wird jede Schlucht aufgeschüttet und jeder Berg und jeder Hügel begradigt. Und wenn das so ist, dann haben wir wirklich einen Grund zum Feiern, mit Pauken und Trompeten, mit leckerem Essen und Geschenken für jedes Kind, jede Frau und jeden Mann.

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