An den Himmel auf Erden glauben

Matth. 24, 1-14

Liebe Gemeinde,

ein riesiger Meteorit rast auf die Erde zu und droht die Menschheit zu vernichten. „Armageddon“ so lautet der spannende Film, mit Bruce Willis als Hauptdarsteller, in dem das mögliche Ende unseres Planeten durch einen drohenden Meteoriteneinschlag beschrieben wird. Am Ende gelingt es dem Helden, die Erde zu retten und er gibt sogar sein Leben dafür. Der Hauptdarsteller als Retter und Messias, der sein Leben gibt für andere.

Angst vor dem Ende der Welt ist Teil unseres Menschseins und lässt sich auch im Kino gut verkaufen.

Vor dem Ende der Welt zu warnen, war auch schon immer die letzte Trumpfkarte, um die Menschen von der Notwendigkeit des Glaubens zu überzeugen.

Je größer die Not, je grausamer der Krieg, je schlimmer die Naturkatastrophe, um so lauter die Warnungen vor dem nahen Ende der Welt.

Der heute verlesene Bibeltext scheint dies zu bestätigen, von Kriegen, Hungersnöten und Naturkatastrophen ist die Rede.

Das Reden vom Ende der Welt war für die verfolgten Christen am Ende des ersten Jahrhunderts auch ein Strohhalm, an dem sie sich festhielten.

Für die Armen sollte es schon immer ein Trost sein, das Elend hier auf Erden zu ertragen, für die Reichen eine Warnung, es mit dem Leben in Saus und Braus nicht zu übertreiben.

Und so ist der Bibeltext des heutigen Sonntags in die eben beschriebene Situation hinein geschrieben. Apokalyptisches Reden vom Ende der Welt war damals in Mode und für die Menschen in ihrem eingeschränkten Verständnis von Naturgesetzen, Jahreszeiten, mit ihrer begrenzten Weltsicht und ohne Wissen von der Evolution und der Entstehung der Welt über Jahr Millionen, auch logisch.

Nach dem Motto: „Der, der alles geschaffen hat, hat auch die Macht alles wieder zu beenden.“

Doch 2000 Jahre lang das nahe Ende zu verkünden, ohne dass es kommt, macht die ganze Sache doch sehr unglaubwürdig und da hilft auch kein heruminterpretieren nach dem Motto: „Bei Gott ist ein Tag wie tausend Jahre“ usw.

Reden vom Ende der Welt hat für mich die gleiche Bedeutung, wie das Erzählen vom Anfang der Welt.

So wie wir heute wissen, dass Gott die Welt nicht in 7 Tagen wurde, sondern die Schöpfungsgeschichte als eine Predigt von Gott verstehen, dem Urgrund allen Seins; so muss auch unser Reden vom Ende der Welt Abschied nehmen von irgendwelchen Vorstellungen, dass die Welt plötzlich, auf Gottes Befehl, zu Ende gehen könnte.

Verantwortliches christliches Reden vom Ende der Welt heißt, von Gott, dem Ziel unseres Seins und vom Sinn unseres Lebens erzählen.

Auf diesem Hintergrund möchte ich unseren Bibeltext verstehen:

Matthäus schreibt:

Und Jesus ging aus dem Tempel fort, und seine Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude des Tempels. Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.

So wie wir Menschen momentan miteinander leben, wie wir unsere Konflikte lösen oder besser gesagt nicht lösen, das bleibt nicht ohne fatale Folgen. Und dass am Ende kein Stein auf dem anderen bleibt, haben wir in Nürnberg vor 60 Jahren erlebt und es ist wiederkehrende Realität in allen Kriegen.

Und als er auf dem Ölberg saß,- fährt Matthäus fort – traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?

Dass wir heute mehr an Umwelt zerstören, als alle Menschen zusammen, die vor uns gelebt haben, verheißt nichts Gutes. Dass es uns gelingt, das Klima der Welt zu verändern ist keine Frage der Zeit mehr und jeder, der es wissen will, weiß auch warum die Pole schmelzen.

Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe.

Alles hat sein Preis, heißt es da immer wieder, Wirtschaftswachstum gibt es eben nicht umsonst, Atomenergie ist die umweltfreundlichste Stromerzeugung usw.

Und Matthäus fährt fort:

Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht.

Osama Bin Laden und George Bush lassen sich nicht vergleichen. Der eine ist ein Terrorist und der andere ein gewählten Präsident.

Doch beide berufen sich auf ihren Gott, instrumentalisieren die Religion, so wie es die Herrscher und Unterdrücker aller Völker immer getan haben. Schlimmer kann es nicht kommen, das ist doch das Letzte, das Ende.

Und wieder höre ich Matthäus:

Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen.

Und immer wieder gibt es Pfarrer, Priester, Bischöfe, Mullahs, Imame, Rabbis etc., die Krieg und Terror segnen und Gottes Beistand für Mord und Totschlag erbitten. Religion und Glaube sind allein kein Garant für den Frieden in der Welt. Nur Religion, die auf ihren alleinigen Heilsanspruch verzichtet, wird den anderen in seiner Verschiedenheit akzeptieren können

Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden. (Lesen wir am Ende unseres Predigttextes) Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Liebe Gemeinde,

das Ende kommt ganz gewiss, aber nicht das Ende der Welt generell, sondern das Ende einer Welt, die nicht so ist, wie Gott sie will.

Verantwortliches Reden vom Ende der Welt heißt für mich verkünden, dass eine Welt ohne Gott, eine Welt, die bestimmt ist von Krieg, Hunger, von Leid, das von Menschen verursacht ist, keine Zukunft hat und zu Ende gehen wird.

So wie es im Lobgesang der Maria heißt: Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.

Reden vom Ende der Welt heißt die Hoffnung weitergeben, dass die Liebe Gottes in den Herzen der Menschen Wirklichkeit werden wird, hier und jetzt.

Vielleicht fragen Sie mich jetzt: Mehr bedeutet das nicht?

Soll das alles sein, was wir vom Ende der Welt sagen können?

Erfüllt sich denn alles in dieser Welt und kommt denn nichts danach?

Liebe Gemeinde,

sicher wird etwas kommen, wenn diese Welt einmal nicht mehr ist.

Ich möchte mich aber hier lieber überraschen lassen und suche nach eigenen Bildern und Erklärungen so wie Menschen vor zwei oder dreitausend Jahren ihr Suche aufgrund ihres Verständnisses und ihrem Glauben formuliert haben.

Was aber auch immer wir glauben, es darf nicht dazu führen, dass wir diese wunderbare Schöpfung Gottes in der wir leben als eine dem Tod geweihte Welt sehen.

Es darf nicht dazu führen, dass wir nicht mehr an ein erfülltes Leben vor dem Tod glauben.

So wie es die Geschichte erzählt:

„Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen:

Meister wir glauben, dass am Ende der Welt ein neues Jerusalem auf uns wartet, aber die Last dieser Welt ist zu schwer. Was nützt es, das Evangelium zu verkünden, Kranke zu heilen, böse Geister zu vertreiben; es ändert sich doch sowieso nichts dadurch.

Und er sprach, oh ihr Ungläubigen!

Wenn ihr nicht einmal glaubt, dass mein Vater diese Erde verwandeln kann, wie könnt ihr glauben, dass er einen neuen Himmel und eine neue Erde am Ende der Zeiten errichten wird.“

Liebe Gemeinde,

verantwortliches Reden vom Ende der Welt heißt nicht an den Weltuntergang glauben, sondern von der wachsenden Saat erzählen.

Heißt von der Hoffnung reden, von der neuen Gemeinschaft der Menschen, wie wir sie schon beim Abendmahl feiern, einer Gemeinschaft in Gerechtigkeit und Liebe.

Verantwortliches Reden vom Ende der Welt heißt mitten hinein in diese dem Untergang geweihte Welt, vom Kommen der neuen Welt zu reden, die überall schon dort sichtbar ist, wo Menschen den Glauben an Gott ernst nehmen.

Advent heißt dann „es“ kommt: „Es kommt die neue Welt schon hier auf Erden“ ganz sicher. Amen

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