Schwere Zeiten

Die zweite Kerze brennt – der Advent wächst, das Licht wächst. Der Advent ist die Zeit der Vorbereitung – nicht nur auf Weihnachten, sondern auch auf die Wiederkunft Christi. Wir ChristInnen erwarten wahrlich Herrlicheres als Weihnachten. Auch wenn wir uns das oft so nicht klar machen, auch wenn das in manchen unserer Botschaften so nicht klar wird. Aber viele unserer Feiern sollen darauf hinweisen. Gerade die Schönheit der Botschaft will uns neugierig machen, noch mehr zu erwarten. Aber manchmal müssen wir unsere Erwartungen daraufhin überprüfen, ob wir nicht einfach nur Menschliches erwarten: eine bessere Regierung, bessere Gesundheit, bessere Menschen, bessere Autos. So geht es jedenfalls den Jüngern Jesu in unserer Geschichte. Sie sind mit Jesus im Tempel, diesem Stein gewordenen Monument des Glaubens, dieser Pracht und Herrlichkeit angesichts derer keiner genau weiß: Soll sie Gott Heimat bieten oder den Reichtum ihrer Erbauer demonstrieren. Sie sehen das Gebäude und zeigen es voller Stolz Jesus: So prächtig ist Gott! Und Jesus enttäuscht sie maßlos: Was ihr seht ist längst kaputt, dem Untergang geweiht. Ihr steht vor den Zeugnissen des Untergangs. Was Menschen gebaut haben, werden Menschen auch zerstören. Diese Welt; wie ihr sie kennt, wird vergehen. Die Jünger sind verstört und fragen nach Zeichen, was denn Gott für eine neue Welt herbeiführen wird und woran wir sie erkennen können.

[TEXT]

Jesus ist kein Wahlkämpfer. Er macht keine Versprechungen, über die dann später neu diskutiert werden muss, sondern er sagt sehr deutlich, dass auf die, die ihm nachfolgen schwere Zeiten warten.

Der Advent, den wir feiern ist nicht einfach nur eine schöne Zeit. Er ist schön, weil wir uns auf das Kommen Christi vorbereiten, auf das Fest seiner Geburt und auf seine Wiederkunft, darauf, dass er sein Reich aufrichtet bei uns. Seine Geburt war schon nicht einfach schön, dort im Stall auf Heu und Stroh als uneheliches Kind. Das Warten auf seine Wiederkunft wird begleitet sein von Krieg und Gewalt.

Der Text weckt in mir Erinnerungen an Ängste, die mich umgeben, mir begegnen, mich betreffen. Die Ängste vor einem neuen Krieg oder die Angst vor dem Krebs. Die Angst vor neuen wirtschaftlichen Katastrophen wie die Angst vor einer Umweltzerstörung. Die Angst vor Flut und Erdbeben wie die Angst vor Aids oder neuen Epidemien. So vieles ist da, was unser Leben bedroht. Und fromme Menschen zu allen Zeiten haben immer wieder gemutmaßt: das sind die Zeichen der Zeit, die Zeiten des Untergangs, aus dem Gott sein Reich emporkommen lässt. Mir ist das zu einfach. Die Zeichen der Zeit, die wir erleben sind Zeichen dessen, das Menschen in dieser Welt wirken und gestalten, Menschen, die sich selber durchsetzen wollen, Menschen deren Ich wichtiger ist, als die Liebe Gottes.

Mit Jesus wird alles neu programmiert. Dadurch kann ich neue Hoffnung gewinnen in einer hoffnungslosen Zeit. Ich sehe das Leben, das heranwachsen soll in einer Zeit von Krieg von Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit und wachsender Verarmung breiter Bevölkerungsschichten. Und ich spüre die Hoffnung, die Jesus diesem Leben schenken will.

Wenn ich genau hinhöre in diesen Text spüre ich: Mit dem Evangelium vom kommenden Gottesreich beendet Jesus seine Rede. Diese Stimme hat letztlich Bestand. Jesus ist der Sohn Gottes, der der Rettung die Bahn bereiten will bei uns.

Da wo Menschen Andere hassen, da machen sie sich Gott ähnlich, da werden sie überheblich und unmenschlich, da lassen sie sich zu jeder Sünde verleiten. Davon erzählt Jesus. Er redet von seine Gegnern zu aller Zeit – auch von denen, die sich christlich nennen. Er redet von Menschen, die Gott nur dann brauchen, wenn sie sich selbst damit groß machen können, die in seinem Namen Kriege führen oder Andersdenkende unterdrücken.

‚Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr kommt’ hat Martin Niemöller gesagt und vielleicht unsere Geschichte im Blick gehabt: Wo die Jünger noch die Prachtentfaltung, zu der Religion zu allen Zeiten fähig war, bestaunen, hat Jesus die Kraft Gottes im Blick.

Jesus weiß um die Ängste derer, die an ihn glauben. Er weiß, dass das Fest seiner Geburt nicht alles in rosarotes Licht taucht, aber er weiß auch, dass es heller wird, weil wir ahnen und hoffen: Es gibt mehr in diesem Leben als das, was wir sehen. Wir dürfen Gutes annehmen und Gutes tun und leben in der Verheißung besserer Zeiten mit Jesus.

drucken