Das Wie der Auferstehung

Liebe Gemeinde,

ganz offen gesagt: Ich hatte mir noch nie Gedanken gemacht um das "Wie" der Auferstehung. Und dann saßen wir zusammen in gemütlicher Runde, mein Bruder und ein paar enge Freunde, darunter auch ein Pfarrer. Es war eigentlich ein Freudentag gewesen, mein Einführungsgottesdienst in einer Gemeinde. Ich hatte über die Heilung eines Lahmen gepredigt. Plötzlich fing jemand an: "Wie ist das nun? Wie ersteht der auf? Lahm oder geheilt? Und wie ist das mit denen, die an einer schweren angeborenen Krankheit gestorben sind? Sind die dann gesund?" Es kamen Fragen über Fragen, das Essen wurde kalt, so diskutierten sich meine Bekannten in Eifer. Mein zögernder Einwand: "Ich lasse mich da überraschen, Gott weiß schon, was er macht" ging völlig unter, denn inzwischen war man schon dabei angelangt, ob es bei einer leiblichen Auferstehung nicht ein unerträgliches Gedränge geben werde. Hart zur Sache wurden Bibelstellen aus dem Alten und Neuen Testament aufgeführt und jemand, der von der "unsterblichen Seele" sprach, als Heide bezeichnet.

Offenbar sind solche Diskussionen so alt wie die Frohe Botschaft. Der Predigttext steht im 1. Brief an die Korinther, Kapitel 15:

[TEXT]

Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. Martin Luther hat dieses Beispiel aufgegriffen. Er hat sich dagegen gewandt, dass Friedhöfe "Kirchhof" genannt werden. "Gottesacker" war das Wort, das ihm näher lag. Er wählte als Beispiel kein Weizenkorn, sondern eine Erbse. Wer die Erbse sieht, hält sie für etwas durchaus endgültiges. Man kann ja auch allerhand daraus machen: Suppe zum Beispiel oder Erbsmehl, man kann sie in eine Dose stecken und eine Rassel daraus machen oder einer Prinzessin unter die Matratze legen. Aber wenn man die Erbse in den Boden steckt, verwandelt sie sich. Monatelang sieht man gar nichts, die Erbse ist begraben. Danach wächst ein Pflänzchen empor, das zu einem Strauch wird, der wunderschön blüht. Wer hätte einen solchen Strauch in der kleinen Kugel vermutet?

Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Eigentlich weiß das jedes Kind, aber es fällt unendlich schwer, den Vergleich auf sich selbst zu beziehen. Zumal wir ja wissen, wie ein Körper aussieht, wenn er eine Weile in der Erde gelegen hat. Ich fand eine Geschichte, die mir eine ältere Dame erzählt hat, sehr anrührend. Als sie ein Kind war, starb ihre Großmutter. Und irgendwie wurde in diesem Zusammenhang dieser Vergleich mit dem Weizenkorn oder der Erbse gebraucht. Die Oma war zu Hause in einem Zimmer aufgebahrt: "Ich habe dann meine Kindergießkanne genommen und die Großmutter gegossen, damit sie recht schnell wachsen sollte". Natürlich gab es Schimpfe und Ärger, obwohl das Kind vielleicht mehr verstanden hatte als mancher Erwachsene, es hat nur das säen und ernten sehr wörtlich genommen.

Wie auch immer, ich finde es schade, dass unsere Friedhöfe kaum noch als Gottes Acker gesehen werden. "Es wird auferstehen in Herrlichkeit", das ist doch ein Satz, der als Versprechen über aller Trauer, allem Leid der Gegenwart steht. "Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein", hat Jesus zu dem Mann gesagt, der am Kreuz zu seiner Rechten hing.

Wir haben immer wieder große Schwierigkeiten mit dem Glauben, weil wir uns Bilder machen möchten. Bilder von dem, was Paulus hier einen "geistlichen Leib" nennt. Und genau wie die Korinther damals zimmern wir uns Brücken zurecht. Die Korinther glaubten, die Seele sei unsterblich, und manchmal höre ich diese Vorstellung hier auch noch. In der Bibel erfahren wir es anders: Wir Menschen sind sterblich geworden schon in den ersten Schöpfungstagen. Unser Leben auf der Erde ist endlich. "Lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss", sagt der Psalmdichter. Christus aber sagt, wer nicht stirbt, kann auch nicht auferstehen.

Verständlicherweise haben wir alle Angst vor dem Sterben. Wir kennen nur dieses Leben hier und sehen den dunklen Tunnel Tod vor uns, durch den wir alle hindurch müssen. Wir haben Schwierigkeiten damit, auf etwas zu hoffen, das wir noch nie gesehen haben und dessen Ausmaß wir uns nicht im Geringsten vorstellen können.

Ein "geistlicher Leib", was haben wir da zu erwarten?

Es ist uns zugesagt, da gibt es genügend Stellen in der Schrift, dass wir als Glaubende nicht aus dem Frieden Gottes herausfallen können. Im Reich Gottes werden wir wirklich und endgültig ganz und heil gemacht. Das gilt nicht nur für den Körper, den "natürlichen" Leib, sondern auch für unsere Beziehungen. Das "Reich Gottes" ist der Inbegriff dafür, dass wir "ganz" sein werden, alle menschlichen Beziehungen werden erfüllt und unversehrt sein. Vorstellen können wir uns das jetzt und hier nicht. Ebenso wenig wie das schöne Bild des Propheten Jesaja, dass der Wolf neben dem Schaf weidet und der Löwe Stroh fressen wird. Und trotzdem machen uns die Vergleiche aus der Bibel das schwer Vorstellbare plastisch. Gleichnisse, die das Reich Gottes betreffen, sind oft Alltagsgeschichten. Gesehen haben wir das beim Vergleich mit dem Korn, das erst in der Erde lebendig wird. Gleichnisse vom Reich Gottes sind deshalb Alltagsgeschichten, weil das Reich Gottes mit unserem Alltag zu tun hat. Wie ein Senfkorn kann es übersehen werden in der Hektik unserer Wichtigkeiten, weggewischt, links liegen gelassen – aber es kann auch, wenn wir es bemerken und beachten, in uns aufgehen zu einer schönen schattenspendenden Pflanze. Unser Alltag ist gegliedert durch Feste, die uns an das Reich Gottes erinnern: Ostern, Pfingsten, Weihnachten, ja auch der Sonntag. Alle haben mit Verheißung und Erwartung und Hoffnung zu tun, aber auch mit Erinnerung. Erinnerung an etwas, das ein für allemal geschehen ist: An die Geburt des Kindes in Bethlehem, den Mann aus Nazareth, den Mann am Kreuz, der unser Bruder und zugleich unser Herr ist. Erinnerung an ihn ist auch Erwartung auf das, was unsere Hoffnung ist: das Reich Gottes.

Gibt es mehr als das Wachsen und Vergehen? Auch solche, die sich mit dem Glauben schwer tun, fragen das und oft helfen sie sich mit einem "Man kann ja nie wissen". Nein, Wissen kann man ja tatsächlich nicht, wie es sein wird jenseits der Grenze des Todes. Aber die Sehnsucht bleibt und die Hoffnung – die Sehnsucht, dass das Leben nicht vergeblich ist, die Sehnsucht und die Hoffnung, dass der Himmel offen ist und der Tod nicht das letzte Wort hat.

Wir wissen nicht, aber wir können glauben. Als Christen haben wir eine Zusage, dass der Tod tatsächlich nicht das letzte Wort hat. Denn Jesus Christus hat den Tod schon besiegt. Darum können wir hoffen auf die neue Welt, in der all das nicht mehr sein wird, was uns hier bedrängt. "Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen." So verheißt es der Seher Johannes. Das Vergehen ist nicht das Ende, sondern der Anfang des neuen, des ganz anderen Lebens, nicht nur ein Bild für die Vergänglichkeit, sondern auch für die Fülle des Lebens, für die Sehnsucht nach dem zeitlosen Leben. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.

Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit.

Der morgige Sonntag wird nicht nur begangen als Gedenktag der Entschlafenen. Er hat als letzter Sonntag des Kirchenjahres eigentlich einen anderen Namen: Ewigkeitssonntag. Einer der Texte für diesen Tag ist Kapitel 21 der Offenbarung des Johannes, und da finden wir eine wunderbare Verheißung, die durch nichts zu überbieten ist: Der auf dem Thron saß, sprach: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

Wir wollen im heutigen Gottesdienst gemeinsam Abendmahl feiern in der Hoffnung, uns dort wiederzufinden und lebendiges Wasser zu trinken am Tisch des Herrn.

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