Der Sonntag des Wartens

Das Gleichnis von den 10 jungen Frauen haben wir vorhin gehört. Im Mittelpunkt dieses Gleichnisses steht nicht so sehr die Frage nach klug oder töricht, sondern viel mehr die Frage danach, mit welcher Qualität und Intensität Menschen warten. Der Ewigkeitssonntag ist der Sonntag vom Warten. Aber wo sind die Inhalte? Worauf warten Menschen, wenn sie von der Ewigkeit reden? Ewigkeit kann ja wohl nicht einfach heißen, alles geht weiter so wie bisher.

Menschen haben eine Verheißung und eine Erwartung, deren Inhalte sie nicht beschreiben können. Sie versuchen es mit Bildern, auch wenn sie wissen, dass Bilder nicht die Wirklichkeit genau wiedergeben können. Sie sind eben nur Bilder, aber als solche wertvoll. So wie dieses Bild, das der Seher Johannes auf Patmos gebraucht:

[TEXT]

Mit seiner Vision vom neuen Himmel und der neuen Erde sendet der Seher Johannes ein Signal zu den Glaubenden seiner Gemeinde daheim. Das ganze Haus der Erde soll neu werden. Die Heilige Stadt, das neue Jerusalem ist Bild einer schützenden Geborgenheit, in der Gott selbst bei den Menschen Wohnung nimmt. Wo Gott Wohnung nimmt hat alles Böse keinen Platz mehr.

Ziel seiner Vision ist der eine Satz Gottes: ‚Siehe ich mache alles neu!’ Unsere Geschichte ist das Gegenstück zur biblischen Geschichte vom Turmbau zu Babel. Die Menschen wollten dort auf die Höhe Gottes steigen und haben damit sich selbst kaputt gemacht. Gott hebt sie zu sich – und es entsteht etwas völlig Neues. Jerusalem ist nicht nur die hochgebaute Stadt – es ist auch Hure. Die Menschen haben ihre Stadt kaputt gemacht, weil sie wahllos fremden Göttern nachgelaufen sind. Nicht das historische Jerusalem steht eigentlich im Mittelpunkt dieses Denkens, sondern die Welt, die von Menschen immer wieder benutzt wird, um Gott in ihr zu verraten. Immer wieder neu gibt es das, das Menschen ihren Glauben an Gott benutzen, um damit ihre eigenen Ziele fest zu nageln. Das Alte Testament nennt das Hurerei.

Daran geht Gemeinde zu allen Zeiten kaputt, wie das historische Jerusalem. Aber das Wunder geschieht. Diese Hure wird zur geschmückten Braut. Das ist das Wunder, das niemanden verloren sein lässt. Die Vision wird Predigt, die Vision von einer Kirche, in der das Evangelium gelebt und geglaubt wird – und die Gemeinde weiß, dass sie dieses himmlische Jerusalem nicht herbeiführen kann – nur herbeibeten. Das Abendmahl ist Wegzehrung auf diesem eschatologischen Weg – und es ist zugleich der Ort, wo jedem dieses Wunder widerfährt: Gast am Tisch Gottes – ohne die Frage nach Woher und wohin. Christus gibt sich denen, die zu ihm kommen: umsonst (‚für so‘ [wie der Saarländer sagt] – aber nicht vergeblich).

Der Zielsatz der ganzen Offenbarung steht in Vers 5: »Siehe, ich mache alles neu!« Dieses neu machen können Menschen nicht herbeiführen. Sie können lediglich Gottes Willen für den Menschen erkennen und darum das Ihre tun, dass Neues wird. Dieses neu machen beschreibt das, worauf wir warten, für das wir eine Verheißung haben, deren Inhalte Bilder nicht angemessen beschreiben können, von dem wir aber wissen, dass Gottes es für uns bereitet hat – und dass es sehr gut ist.

Gott selber wird bei uns wohnen – die Verheißung haben wir.

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