Buße – eine lebenslange Aufgabe

Dieser Gottesdienst, liebe Gemeinde, den wir heute feiern, ist ein Gottesdienst am Buß- und Bettag. Es ist bedauerlich, dass dieser Tag erst seit einigen Jahren zu einem nicht arbeitsfreien Feiertag zu Gunsten der Pflegeversicherung deklariert wurde. Dies ist zu bedauern, weil gerade in unserem Zeitalter die Themenbereiche Buße und Gebet so gut wie keine Beachtung mehr finden.

Der Buß- und Bettag wird nur noch von den Menschen beachtet, die sich mit der Kirche verbunden fühlen. Dies ist sehr schade, werden jetzt einige von Ihnen denken. Doch andererseits kann dies auch gut sein.

Denn wenn sich in unserer Gesellschaft im Blick auf den Glauben etwas ändern soll, dann müssen wir zuerst in unserer Kirche anfangen Buße zu tun und Gott bitten, dass er uns für diese guten Werke, die wir tun müssen, ausrüstet.

Die Bedeutung des Wortes Buße, liebe Gemeinde, ist sehr vieldeutig und drückt etwas Negatives aus, was wir erleiden müssen. Wenn wir an Buße denken, so setzen wir diese mit der Strafe auf eine Ebene. Wir denken dann an Bußgeldbescheide, Einbußen oder an die Aussage: „Das wirst du mir noch büßen“.

Oft kommt es uns so vor, als wolle das Leben uns strafen für alles, was wir falsch gemacht haben, was wir an Sünde und Schuld auf uns geladen haben.

Doch bei genauerem Hinsehen entdecken wir, dass wir schon längst zwischen brennenden Autoteilen verkohlt wären oder im Meer ertrunken wären oder von einer schlimmen Krankheit dahingerafft worden wären, wenn Gott das vergelten würde, was wir eigentlich verdient hätten.

Aufgrund dieses Verständnisses von Buße ist es wohl notwendig, immer wieder neu das biblische Verständnis von Buße darzustellen.

[TEXT]

Harte Worte, die wir da von Paulus hören. Warum redet er so scharf und hart? Will er uns etwa Angst machen, in dem er uns mit dem Jüngsten Gericht droht? ─ Nein, niemals, nach wie vor ist der Grundsatz: Gott ist die Liebe, spürbar.

Der Ruf Gottes, seine ausgestreckte Hand begegnet uns in Jesus Christus. Die Zustimmung Gottes in Jesus macht aus uns neue Menschen. Gottes Vergebung wird zur Kraft gegen die Sünde in uns.

Darum, liebe Gemeinde, gibt es auch keine Buße ohne die Begegnung mit Jesus Christus. Die Botschaft von Jesus verbindet Buße und Glauben. Wir sollen uns von unserer Sünde zu Gott wenden.

Die Buße kommt nicht selbstverständlich zu uns. Sie ist ein Geschenk Gottes. Buße ist also mehr, als sich nur zu entschuldigen. Buße enthält maßgeblich, so denke ich, die Entscheidung meine Sünden hinter mir zu lassen und mich Gott zuzuwenden.

Am Anfang unserer Buße steht Gott, da steht seine Suche nach uns, sein Ruf an uns und seine Liebe zu uns. Am Anfang steht die Liebe des barmherzigen Vaters, der sich über die Rückkehr der verlorenen Tochter und des verlorenen Sohnes freut. Ja, am Anfang steht das Wort Jesu: Ich lebe und auch ihr sollt leben.

Das Leben, zu dem Jesus uns mit seinem Ruf zur Buße einlädt, ist ein Leben aus Liebe und für die Liebe. Und diese Liebe ist immer die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen zugleich. In unserem Handeln zeigt sich dann die neue Kraft des Glaubens und der Liebe. Denn Gott hat uns ja die Gebrauchsanweisung für unser Handeln gegeben, wie wir unser Leben nach seinem Willen führen können.

Statt Entrüstung sollten wir versuchen, Gott im Leben unserer Nächsten und unseres Nächsten sichtbar zu machen. Ich weiß, dass dies viel Liebe, Geduld und Gebet braucht.

Wo kann ich schon mit jemandem so persönliche Gespräche führen? Aber vielleicht wissen wir doch von dem einen oder anderen, dem oder der unser Beitrag eine Hilfe werden könnte.

Dabei kommt es nicht darauf an, meiner Nächsten oder meinem Nächsten meine Glaubenserfahrungen aufzudrängen. Es geht gar nicht um uns selbst. Es geht darum, beizutragen, dass andere Menschen Gott in ihrem Leben finden und sehen lernen.

Den Menschen zu helfen, zum Glauben zu finden, sollte unser Beitrag sein. Hier haben wir zu wenig getan in den Familien und in den Kirchen. Die Sprachunfähigkeit unserer Gesellschaft in diesen Dingen ist enorm. Doch das Bedürfnis ist vorhanden.

Wenn wir hier helfen, leisten wir einen Beitrag, den nur wir Christen leisten können. Im Grunde handelt es sich um eine Anwendung und Fortsetzung des Werkes Christi in unserer Zeit. Denn wenn die Menschen mit Gott wieder ins Reine kommen, dann wird sich ihre Lebenseinstellung ändern.

Gott schafft durch Jesus Christus die Vergebung für eine jede und jeden von uns, wenn wir diese auch wollen. Nicht umsonst hat Gott seinen Sohn geopfert; dies sind der Beweis und ebenso die Zusicherung seiner Gnade.

Den Anfang aber müssen wir machen. Wir müssen uns an Jesus Christus wenden und ihm nachfolgen. Denn dann hat damit für uns ein neues Leben angefangen.

Menschen, bei denen nichts zu finden ist, will Gott dann nicht in seiner Nähe haben. Ablehnung und Verärgerung sind ihnen angedroht. Die Streitsüchtigen und Lästerer werden dabei besonders genannt – aber nicht, um sie endgültig als verloren hinzustellen, nein, um zu warnen und sie aufzufordern, sich zu ändern und Buße zu tun. Denn noch ist das möglich.

Wir müssen uns an Jesus Christus wenden und ihm nachfolgen. Darin liegt die Rettung aus dem Gericht und aus dem Zorn Gottes. Unsere ganze Hinwendung zu Jesus Christus ist unsere innere Befreiung von allen unseren Gewissensbissen und von unserer Angst vor Gottes Verurteilung.

Buße, liebe Gemeinde, heißt leben mit Jesus Christus. Buße ist wirklich keine langweilige und trübe Sache. Buße ist aufregend, weil Jesus Christus im Namen Gottes eine ganze Menge von uns fordert. Buße ist eine Aufgabe, für die wir unser ganzes Leben brauchen.

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