Zeit der Hoffnung

Adventszeit – das ist nicht nur Basarzeit, auch wenn der natürlich heute im Mittelpunkt steht, sondern es ist hoffnungsvolle, erwartungsvolle Zeit. Wir alle verbinden doch etwas mit der Adventszeit. Wir verändern dazu unser Wohnumfeld: es wird adventlich geschmückt, Lichter zieren unsere Häuser, an den Tannen hängen schon die Lampen, die Stuben werden mit Tannengrün und adventlichen und weihnachtlichen Gegenständen geschmückt, für die Kinder und manche Erwachsene gibt es Weihnachtskalender, um die Zeit zu verkürzen. Wir sind anders gestimmt in dieser Zeit und unsere Hoffnungen für das Leben sind oft lebendiger als zu anderen Zeiten. Wir gönnen uns Gefühle und Gedanken, die sonst im Jahr untergehen. Wir sind empfindsamer für das, was das Leben ausmacht und erfüllt. Doch die Adventszeit bietet dafür einen Rahmen.

Die Gefühle, die uns dabei begleiten sind die von Frieden, von Harmonie, von ein wenig Glück. Stille, innere Einkehr, eben Besinnlichkeit kennzeichnet diese Zeit, trotz aller Hektik, die wir beklagen, aber gerade auch im Beklagen natürlich um so deutlicher machen, dass es uns ein Bedürfnis ist.

Und nun haben wir heute einen Text gehört, der die Hoffnungen auf seine Weise zum Ausdruck bringt. Hören wir ihn noch einmal auf dem Hintergrund dessen, was unsere adventlichen Gedanken sind.

[TEXT]

Erlösung, Errettung, Barmherzigkeit, Heiligkeit, Gerechtigkeit, Heil, Vergebung, Licht, Frieden. Das sind die Stichworte, die zur Advents- und Weihnachtszeit gehören und die uns ansprechen. Sie beschreiben die Sehnsucht des Menschen, der in einer Welt lebt, in der dies alles immer wieder in Frage gestellt wird.

Und wenn ich da an unsere beiden Projekte denke, die wir in diesem Jahr mit unserem Basarerlös unterstützen wollen, dann wird das sehr deutlich, wo Hoffnungen sind, die die Menschen begleiten.

Das Elternhaus in Göttingen. Eltern schwer kranker Kinder, die oft genug an der Grenze des Todes stehen. Erlösung, Heil, Licht, Frieden, Gerechtigkeit, das sind da sehr lebendige Stichworte mit ganz konkreten Gedanken dazu: Wird mein Kind es schaffen? Werden wir erlöst von dieser Bedrohung? Wie werden wir erlöst? Wo ist Heil? Wo ist Licht auf diesem Weg zu finden, das uns die Kraft gibt, den Weg bis zum Ende mitzugehen? Wann finden wir alle den Frieden für uns? Und wo ist Gerechtigkeit angesichts des Leidens von Kindern? Fragen die im Raum stehen und die dort im Haus gestellt werden dürfen, und gehört werden. Und auch wenn die Antworten oft fehlen, es ist ein Raum da, wo sie Platz haben, wo sie ausgesprochen dürfen werden mitsamt den Enttäuschungen, die Eltern dort immer wieder erleben.

Und ganz ähnlich in dem Krankenhauszug in Indien. Für Menschen ohne Habe ist er oft die einzige Rettung: da werden Menschen zu Heilsbringern, sie erlösen von Krankheit, wo das möglich ist oder schaffen zumindest Linderung. Sie sind ein Licht im Dunkel der Not. Er überwindet die Ungerechtigkeit, dass die nur Menschen mit Geld dort ein Anrecht auf Gesundung zu haben scheinen. Ein Stück Frieden wird sichtbar, wo Menschen diesen Zug sehen und wo Ärzte mit ihren Möglichkeiten Hilfe anbieten.

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Er hat besucht und erlöst sein Volk. Zacharias, der Vater Johannes des Täufers spricht diese Worte anlässlich der Geburt seines Sohnes. Er erinnert damit an die Geschichte des jüdischen Volkes, aber in der Dramaturgie des Lukasevangeliums ist es gleichzeitig auch eine Erinnerung an das Kommen Gottes in Jesus Christus. In der Form einer Weissagung fasst der Evangelist in den Worten des Zacharias den Glauben der Christen zusammen. Und diese Worte stehen am Anfang der diesjährigen Adventszeit, um unsere Hoffnungen und Wünsche für uns und andere Menschen wieder einmal lebendig zu machen, lebendig gerade angesichts der oft so hoffnungslosen Welt in der wir leben.

Unsere Wünsche und unsere Sehnsüchte sind auf der einen Seite nämlich schon erfüllt, erzählt uns Zacharias. Gott lässt seine Bund nicht fallen, den er mit Abraham geschlossen hat, nämlich dass er ein Gott für die Menschen sein will. Unsere beiden Projekt und auch die Arbeit von Brot für die Welt, deren 42. Aktion heute eröffnet wird, und viele andere Projekte von Menschen, die sich für andere engagieren, sind Zeichen dafür, dass Gott diese Welt nicht aufgegeben hat. Und das gilt auch, wenn Eltern in Göttingen ohne ihre Kinder nach Hause fahren müssen, wenn in Indien Menschen auf Grund fehlender ärztlicher Hilfe ihr Leben lassen müssen. Denn Gottes Liebe ist nicht begrenzt auf diese Leben und es ist auch keine Liebe, die sich nach unseren Wünschen und nach unserm Willen richtet, sondern eine, die uns sagt: was immer auch geschieht, was immer auch dein Leben begleiten wird, du kannst dich darauf verlassen, Gott fängt dich auf, er lässt dich an keinem Punkt dieses Lebens allein. Gott erlöst uns aus der Hand unserer Feinde oder des feindlichen im Leben, weil er Hoffnung und Zukunft gibt, die durch nichts beiseite geschoben werden. Jesus Christus, durch den Gott uns besucht und erlöst hat, ist der Garant dafür.

Er ist das Licht aus der Höhe, das denen scheinen soll, die im Finstern und im Schatten des Todes sitzen. Das Licht Gottes soll denen scheinen, die in diesem Leben nichts mehr zu erwarten haben, die ohne Hoffnung für ihr Leben sind. Und das ist ja auch eine unserer größten Sehnsüchte, dass die Finsternis des Lebens nicht finster bleibt, sondern dass da ein Licht zu sehen ist, so klein es auch immer sein mag. Und darum sind wir auch dazu aufgerufen, dieses Licht weiterzugeben, es auch anderen zu zeigen, sie auf dieses Licht aufmerksam zu machen und es in ihrem Leben lebendig werden zu lassen. Zum Beispiel in der Überwindung von Feindschaft. Jesus hat dazu gesagt: liebe deine Feinde, tue wohl denen, die dich hassen. Feinschaft überwinden durch Liebe, aufbrechen der Spirale der Gewalt, das setzt ein Zeichen des Lichtes ins Leben. Aufbrechen der Unterschiede zwischen Menschen, das tut auch der Krankenhauszug, indem er den Menschen der niedrigsten Kaste gibt, was andere ihnen verwehren wollen. Annahme der schweren Krankheit, annehmen des Feindes Krebs, das kann dazu führen, dass gemeinsame Zeit anders wird und eine ganz andere Form von Heil sichtbar wird und das auch im Angesicht des Sterbens.

Vergebung der Schuld, das Reichen der Hände, kleine Zeichen der Versöhnung, darin scheint das Licht in die Finsternis von Trennung, da fällt Licht in den toten Raum des Schweigens und die Schatten des Todes der Beziehung können verschwinden.

Das sind kleine Beispiele für das, was im Lobgesang des Zacharias mit den Worten beschreibt: auf dass er unsere Füße auf den Weg des Friedens richte. Adventszeit und Weihnachtszeit ist eine Zeit, in der dieser Friede in unseren Gefühlen und Gedanken bewusst oder unbewusst neu Raum greift. Wir sehen uns danach, weil wir ihn vermissen, weil die Welt so friedlos ist an vielen Stellen und leider auch dort, wo Jesus einst gelebt hat. Der Gedanke des Friedens aber lebt, weil wir wissen und erfahren haben, dass dieser Friede in der Welt ist, dass er gekommen ist, dass er aber immer wieder neu lebendig gemacht werden muss, von uns Menschen, von uns, die wir Frieden auch zerstören. Aber wir können ihn auch lebendig machen, weil er ja nicht von uns allein aufgerichtet werden muss, sondern als ein von Gott her kommender längst da ist, von ihm aufgerichtet, von ihm geschaffen und auch von ihm erhalten. Von ihm geführt, auf ihn vertrauend, können wir mit dazu beitragen, dass die Welt diesen Frieden von Gott nicht aus den Augen verliert. Wir tun das in Taten, dort wo wir mit unseren Kräften Frieden unterstützen, wir tun es, indem wir heute in gegenseitigem Geben und Nehmen Hilfe und Frieden für andere Menschen in der Nähe und in der Ferne ermöglichen, wir tun das, indem wir das Licht des Friedens in unseren Wohnstuben und Fenster anzünden und uns davon berühren lassen. Wir tun das indem wir die Advents- und Weihnachtszeit bewusst als eine Zeit des Friedens und der Versöhnung für uns und andere gestalten. Und dann bleibt das schöne Gefühl dieser Zeit auch keine sentimentale Anwandlung, sondern wird zu einer Lebensveränderung, die den Frieden Gottes nicht nur in dieser Zeit erkennt und weitergibt, sondern an vielen anderen Tagen des Jahres auch. So schenke uns Gott seinen Segen und Frieden für diesen heutigen Tag, für die Advents- und Weihnachtszeit und für alle Zeit.

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