Worauf es ankommt

Liebe Gemeinde,

was wäre gewesen, wenn Jesus sich anders verhalten hätte und zur Dirne gesagt hätte: "Hau doch ab und lass du mich in Ruhe." Dann wäre Jesus gar nicht erst zum Essen beim Simon gegangen, am Anfang der Geschichte heißt es ja: "Simon bat Jesus.", sondern Jesus hätte ihn abblitzen lassen und zu ihm gesagt: "Lass mich in Ruhe". Dann würde die heutige Geschichte nicht im Neuen Testament stehen. Und noch mehr: dann würde der Glaube an Jesus Christus dir nicht helfen und mir auch nicht.

Aber Jesus hat die Sünderin gewähren lassen und hat sie nicht weggeschickt. Aber Jesus hat die Liebe erwidert, die Simon ihm entgegengebracht hat und nahm am Festmahl teil. Und diese Geschichte steht im neuen Testament. Und der Glaube an Jesus Christus verwandelt Menschen. Er kann dich verwandeln und er kann mich verwandeln. Das sehen wir an dieser Geschichte und das sehen wir in unserer Gemeinde.

Das erste was wir also aus dieser Geschichte lernen, ist, dass Jesus zu niemanden sagt: "Hau ab" oder "Lass mich in Ruhe". Weder zum frommen Pharisäer noch zur sündigen Dirne. Er sieht beide Mal die Liebe, die ihm diese Menschen entgegenbringen. Das reicht aus, um mit Jesus anzufangen. Jesu Liebe verwandelt die Sünder, er verwandelt Simon und er verwandelt die Dirne. Doch die Geschichte hat auch eine zweite Seite:

Simon kommt zu Jesus und bittet ihn; die Sünderin kommt zu Jesus und ehrt ihn. Egal wo du stehst, ob du mehr der fromme Simon bist oder mehr die sündige Dirne, der erste Schritt ist, dass du deine Lage erkennst: Was ist ein Frommer? Ein Frommer wie Simon ist jemand, der mit Gott lebt und dabei übersieht, dass er anderem im Weg ist, die auch gerne zu Gott kommen wollen. Was ist ein Sünder? Eine Dirne ist eine große Sünderin, aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, dass ich mit meinen Sünden, Fehlern und Problemen zu Jesus komme. Beide brauchen Jesus und sie merken es auch, wenn sie zu Jesus kommen. Denn nur in seiner Nähe spüren wir die verwandelnde Liebe Jesu Gottes. Nur wenn ich in die Sonne gehe, spüre ich ihre warmen Strahlen. Das verdeutlicht uns eine wichtige Sache am christlichen Glauben: eine lebendige Beziehung zu Jesus setzt voraus, dass du in der Bibel liest und im Gebet mit Jesus redest. Denn nur dann spüre ich die verwandelnde Kraft der Liebe Gottes. Die Sünderin hat die verwandelnde Kraft der Liebe Jesu gespürt. Es war sicher nicht ihre erste Begegnung mit Jesus. Es ist recht offensichtlich, dass Jesus schon vorher Gutes an ihr getan hat. Schauen wir uns an, wie die Frau sich bedankt, wie die Frau an Jesus handelt:

Die Füße waschen: der Dienst des niedrigsten Sklaven. Die Frau ist sich nicht zu schade, Jesus auch die Ehre zu bringen, zu der die meisten sich zu schade sind.
Die Füße küssen: Zeichen der Begrüßung und Ehrung, die Frau bekennt sich zu Jesus, auch dort wo es gefährlich ist und Anstoß erregt.
Die Füße salben: Zeichen des Wohlergehens und Feierns, die Frau feiert quasi während des Festmahls ihr privates Fest mit Jesus. Ihr ist egal, was die anderen Leute über sie denken.

Bei Simon hat die verwandelnde Liebe noch nicht so tiefe Spuren hinterlassen. Er kritisiert Jesus: "Wie kannst du dich nur auf eine solche Frau einlassen." Was wäre gewesen, wenn Jesus dazwischen gefahren wäre und gesagt hätte: "Du mit deinem Stolz." Dann hätte Simon das Visier heruntergefahren und dichtgemacht. Jesus geht die Sache mit einer Geschichte an und gewinnt so den Simon.

Das zweite was wir aus der Geschichte lernen, ist, dass Jesus niemand eine vor den Latz knallt, auch wenn er meilenweit neben der Wahrheit liegt. Schauen wir, wie Jesu mit Simon umgeht:

[Geschichte erzählen (mit 50 Euro Schuldverschreibungen verdeutlichen)]

Was ist ein Frommer? Ein Frommer wie Simon ist einer, der wenig Schulden bei Gott hat. Was ist ein Sünder? Eine Dirne dagegen hat viele Schulden bei Gott. Jesus hat das Beispiel bewusst gewählt, um zu zeigen, dass die Größe der Sünde egal ist. Jeder hat Schuld bei Gott, große Schulden oder kleine Schulden. Und beide brauchen Schuldenerlass von Jesus. Jesus überlässt den Schluss aus der Geschichte dem Simon. Jesus überlässt den Schluss aus dem, was er für dich getan hat dir. Willst du ihn ihren, deine Kraft und Energie für ihn einsetzen? Willst du ihm die Liebe zurückgeben, die er dir entgegenbringt. Er bietet es dir an, aber er zwingt dich nicht dazu. Das dritte was wir lernen ist, dass der Glaube drei Konsequenzen hat:

Die Füße waschen: der Dienst des niedrigsten Sklaven – Simon, du musst lernen, mir zu dienen. Und so richtet sich Frage Jesu an dich: bin ich bereit, eigene Wünsche zurückzustecken, um Jesus besser dienen zu können. Glaube hat zu Konsequenz, dass ich Jesus gehorsam bin. Hier ist davon die Rede, dass die Frau die Füße mit ihren Tränen wäscht. Auch die Tränen haben eine tiefe Bedeutung: Du kannst mit deiner Trauer zu Jesus kommen, ob es der Tod eines lieben Menschen ist, der Verlust des Arbeitsplatzes oder das Zerbrechen einer Beziehung ist. Oder es können deine Tränen über Sünden sein, die du begangen hast. In all dem kannst du Jesus gehen, er stößt dich nicht zurück.

Die Füße küssen: Zeichen der Begrüßung und Ehrung – Simon du musst lernen, dich in allen Situationen zu mir zu bekennen. Und so richtet sich die Frage Jesu an dich: bist du bereit Jesus in allen Situationen zu bekennen, auch dann, wenn es Gegenwind gibt und wenn es an Schule oder Arbeitsplatz als scheinbar rückständig belächelt wird.

Die Füße salben: Zeichen des Wohlergehens und Feierns, Simon du musst lernen, richtig mit mir zu feiern; Dein Glaube betrifft doch nicht nur die eine Stunde am Sonntagvormittag. Mit dem hier verwendeten Bild gesprochen, berührt der Glaube auch die Frage, welche Kosmetika du verwendest und wie du deine Feste feierst. Ja, es gibt keinen Bereich in deinem Leben, der nicht deinen Glauben betrifft und den du nicht vor Jesus verantworten musst. Das gilt, wenn du im Supermarkt oder Kaufhaus einkaufst genauso wie wenn es um dein Auto oder dein Haus geht.

Was ist ein Frommer? Ein Frommer wie Simon ist jemand, dem es schwer fällt seine Fehler zuzugeben. Was ist ein Sünder? Bei einer Sünderin wie der Dirne sind die Fehler so offensichtlich, das sie sich keine Mühe macht, sie zu verstecken. Beide sollen durch die Liebe Jesu zu Menschen verändert werden, wie Gott sie gemeint hat.

Hier steckt aber noch mehr drin und damit kommen wir noch einmal auf die Taufe von vorhin zurück. Der Taufspruch aus 1. Korinther 13,13 verdeutlicht in sehr schöner Weise, was hier passiert: "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen." Hoffnung, Glaube, Liebe. Die Sünderin hat Hoffnung, darum wäscht sie unter Tränen Jesu die Füße. Es gibt keine noch so verfahrene Lebenssituation, in der wir nicht in der Begegnung mit Jesus Hoffnung finden können. Der Glaube ist der Drehpunkt in der Geschichte. Die Frau küsst die Füße von Jesus, Simon lädt Jesus zu sich ein und so muss auch der Täufling einmal zu dem Ausdruck und der Beziehung des Glaubens an Jesus finden. In der Begegnung mit Jesus setze ich mich der Liebe Gottes aus: Die Dirne verwendet kostbares Parfüm und salbt Jesus die Füße. Der Pharisäer lädt Jesus zum Essen ein. Das Entscheidende, was wir uns hier also merken sollten, ist, dass wir die Liebe Gottes in der Begegnung mit Jesus erfahren.

Das vierte und letzte was wir an diesem Test sehen, ist, dass der Glaube zur Vergebung führt. Dir sind deine Sünden vergeben: im christlichen Glauben ist es anders wie in der Politik oder vor Gericht. Wer in der Politik Schuld bekennt, ist weg vom Fenster; wer vor Gericht Schuld bekennt, wird bestraft; wer im christlichen Glauben Schuld bekennt, ist voll da: Jesus kommt dann zur Sache und vergibt ihm. Das ist keine billige Lösung denn wir haben ja im dritten Punkt gesehen, was das voraussetzt: Gott gehorsam sein, Gott bekennen und in allen Bereichen des Lebens mit Gott leben. Der vierte und letzte Punkt ist also: der Glaube führt zu Vergebung.

Was ist ein Frommer? Ein Frommer wie Simon ist nicht ohne Fehler. Was ist ein Sünder? Eine Sünderin, wie die Dirne hat auch ihr guten Seiten. Beide brauchen Vergebung und werden so vor Gott gleich: gerechtfertigte Sünder. Alles was verlangt wird ist im Glauben zu Jesus zu kommen; Glauben, der auf Jesus vertraut. Der Am Anfang haben wir gefragt: Was wäre gewesen wenn Simon Jesus nicht eingeladen hätte? Was wäre gewesen, wenn die Sünderin nicht zu Jesu gekommen wäre?

Es gibt einen klugen Satz: Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, dann wär mein Vater Millionär. Die Highlights der Bibel sind genau da, wo Menschen mit dem was wäre wenn aufhören und sich zu Jesu aufmachen und ihm begegnen. Glaube lebt in der Begegnung und äußert sich in folgenden vier Dingen:

1) Der Glaube geht zu Jesus;
2) Der Glaube führt dazu, dass Jesus dich die Wahrheit finden lässt;
3) der Glaube hat Konsequenzen. Gott gehorsam sein, Gott bekennen, mit Gott in allen Bereichen des Lebens rechnen.
4) Dieser Glaube führt zur Vergebung.

Dann kann Jesus auch zu dir sagen: «Dein Glaube hat dich gerettet! Geh in Frieden.»

drucken