Wo ist die Treppe in den Himmel?

Liebe Gemeinde,

dunkle Schatten haben sich auf die Zelte Isaaks, des Sohnes Abrahams gelegt. So wie in Amerika nach dem großen Terroranschlag. Doch im Gegensatz zu den USA kommt der Terror nicht von außen, niemand bedroht die Großfamilie von Isaaks. Sondern die Bedrohung geht von dem Leben innerhalb der Zelte aus. Die Art, wie Rebekka, Isaaks Frau, versucht hat, dem jüngeren Sohn Jakob den Segen der Erstgeburt zu gewinnen, wirkt sich bald sehr verheerend aus. Jakob kauft von Esau für einen Teller Linsensuppe die Erstgeburt. Zusätzlich erschleicht er sich den Segen, indem er sich als sein Bruder Esau verkleidet. Unsaubere Mittel schaffen im Leben stets auch unsaubere Zustände. Es entgeht Rebekka nicht, welch ein tiefer Groll sich in Esau gegen seinen Bruder Jakob festsetzt. Um einen Ausweg zu finden, ersinnt sie einen neuen Plan. Sie überredet ihren Mann, Jakob nach Haran zu ihrem Bruder Laban ziehen zu lassen, bis sich der Zorn Esaus gelegt hat.

10 Jakob verließ Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran.
Schlichte Wort sind gewählt für diese dramatische Sache. Jakob ist auf der Flucht. Auf der Flucht vor seinem Bruder Esau, dem er die Erstgeburt und den Segen weggeschnappt hat. Und Esau hat allen Grund auf Jakob zornig zu sein. Er kann über Betrug und Übervorteilung nicht leichtfertig hinweggehen. Das Klima in der Familie ist schlecht und gereizt, Jakob fürchtet sich vor seinem Bruder. Schon lange ist es zum davonlaufen. So verlässt er Hals über Kopf seine Heimat und macht sich auf den Weg ins Ungewisse. Was sich wohl in der Seele Jakobs abspielte, als er einsam den Weg geht? Es geht ihm wie den Menschen in Amerika? Dunkle Gedanken liegen auf seiner Seele. So geht er den ganzen Tag.

11 Als die Sonne unterging, blieb er an dem Ort, wo er gerade war, um zu übernachten. Unter seinen Kopf legte er einen der Steine, die dort herumlagen …
So eine Flucht ist anstrengend und als es dunkel wird legt er sich im Freien schlafen. Er traut sich nicht in den Schutz eines Dorfes zu gehen. Sie könnten ihn ja seinem Bruder verraten. Lange liegt er wach in der Einsamkeit. So ein Stein als Kopfkissen ist ein harte Sache. Darum schläft er recht unruhig.

12 Während er schlief, hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Engel Gottes stiegen hinauf und herab. 13 Oben auf der Treppe stand der Herr und sagte zu ihm: «Ich bin der Herr, der Gott Abrahams und Isaaks … 15 Ich stehe dir bei; ich behüte dich, wo du auch hingehst, und bringe dich heil wieder in dieses Land zurück. Niemals lasse ich dich im Stich; ich stehe zu meinem Versprechen, das ich dir gegeben habe.»
Im Traum sieht er eine Treppe oder wenn man es genauer übersetzt eine Rampe, die von der Erde bis an den Himmel reicht. Sie ist das Tor zum Himmel. Auf dieser Rampe herrscht reger Verkehr. Gott sitzt nicht untätig im Himmel, sondern nimmt regen Anteil an dem Geschehen hier auf dieser Erde. Er nimmt auch Anteil an dem Leben und Verhalten Jakobs. Jakob hat sich falsch verhalten, falsch gegenüber seinem Bruder und damit auch falsch gegenüber Gott. Gott sieht das auch. Aber hinter all der Schuld, die da ist, sieht er die Angst und die Einsamkeit Jakobs. Er nimmt nicht die Folgen seiner Schuld. Sie kosten ihn zwanzig Jahre seines Lebens in der Fremde. Aber er spricht in diese Angst und Einsamkeit hinein. Er sagt Jakob seinen Beistand zu. Ein Teil dieser Zusage ist: " Ich stehe dir bei; ich behüte dich, wo du auch hingehst." Dazu möchte ich einen bekannten Traum erzählen: "Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit Jesus. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn. Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens. Besorgt fragte ich den Herrn: ‚Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber Jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?‘ Da antwortete er: ‚Mein liebes Kind, 1ch liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen." ‚Ich stehe dir bei; ich behüte dich, wo du auch hingehst.‘ Diese Zusage Gottes ist bedingungslos. Ob wir einsam sind, so wie Jakob oder ob wir andere Menschen um uns haben. Ob wir traurig und fassungslos wie die Menschen in Amerika und auf der ganzen Welt sind oder gerade gute Nachrichten erhalten haben.

28:16 / 28:17 Jakob erwachte. Entsetzt blickte er um sich. «Tatsächlich – der Herr wohnt hier, und ich habe es nicht gewusst!» rief er. «Wie furchterregend ist dieser Ort! Hier ist die Wohnstätte Gottes und das Tor zum Himmel!»
Gott wohnt hier und hier ist die Wohnstätte Gottes und das Tor zum Himmel. Ich habe mir Gedanken gemacht, wo diese Rampe in den Himmel für mich ist? Wo ich das Tor in den Himmels finden kann? Ich habe meine Schüler im Religionsunterricht gefragt. Es gab zwei große Gruppen: Die einen meinten die Treppe sei der Tod die anderen der Glaube an Gott. In beidem steckt Richtiges, beim Tod müssen wir die Treppe zu Gott gehen und der Glaube ist die Verbindung zu Gott. Aber beides müssen wir noch genauer fassen. Dabei habe einen Satz, den Jesus gesagt hat, gefunden: ‚Und das sage ich euch allen: Ihr werdet den Himmel offen und die Engel Gottes hinauf- und herabsteigen sehen zwischen Gott und dem Menschensohn!‘ (Johannes 1,51) Jesus ist die Rampe zum Himmel. Und auch heute herrscht an dieser Rampe reger Verkehr. Denn die einzige Verbindung in den Himmel geht über Jesus Christus. Gott hat Jesus, seinen Sohn, hier auf diese Erde geschickt, damit er uns von Gott erzählt. Und durch sein Leben, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung hat er die Tür zum Himmel aufgestoßen und uns gezeigt, wo die Rampe in den Himmel ist. Durch das Kreuz Jesu Christi hat der christliche Glaube eine Antwort auf Not und Leid, auch auf unvorstellbare Not und Leid. Jesus wurde in dem menschenverachtenden Anschlag mit menschlichen Bomben mitgekreuzigt, er ging mit den Menschen in den Tod. Er ist bei den Menschen, die um ihre Angehörigen und Freunde trauern, so wie er damals mit Jakob mit ging.

28:20 Dann legte Jakob ein Gelübde ab: «Wenn der Herr mir beisteht und mich auf dieser Reise beschützt, wenn er mir genug Nahrung und Kleidung gibt 8:21 und mich wieder heil zu meiner Familie zurückbringt, dann soll er mein Gott sein!
Gottes Zusage an Jakob ist bedingungslos. Und Jakob sagte darauf, wenn dieser Gott sich auf meine Wünsche einlässt, dann kann ich es mal mit ihm probieren: Wird Gott mir beistehen, sagt er, das ist nicht einmal eine direkte Anrede Gottes, und mich beschützen auf meiner Reise, mir genug Nahrung und Kleidung geben und mich wieder heil zu meiner Familie zurückbringen: dann soll er mein Gott sein Gott lächelt über den Fersenhalter Jakob – und lässt sich darauf ein! Auf diesen Betrüger, der schon im Mutterleib seinen Zwillingsbruder um das Erstgeburtsrecht betrügen wollte, der dann später knallhart den Hunger seines Bruders ausnutzt, um das Erstgeburtsrecht von ihm für ein Linsengericht abzukaufen, der klopfenden Herzens zwar, aber mit Hilfe seiner Mutter, den Vater gleich zweimal um den Segen betrügt, um das Erstgeburtsrecht und den Reisesegen, als er von der Mutter zur Flucht geraten bekommt. Gott lässt sich darauf ein und nimmt sich ein langes Jakobs-Betrüger-Leben Zeit, diesen Jakob, der wie ein Kind festhält, was er begriffen hat, von seinen eigenen Plänen zu lösen und dahin zu bringen, dass er anbetet, dass er allein auf Gott Vertrauen und Hoffnung setzt und bei ihm allein Frieden und Ruhe findet. Gottes Zusage an uns ist auch bedingungslos. Wenn ich Jugendliche Frage, was sie sich von Gott wünschen , so kommen am häufigsten zwei Wünsche: nach Gesundheit. Und das Gott uns beschützt. Aber bei einigen schimmert auch durch, das das nicht reicht, das dazu noch die Zufriedenheit mit dem was ich habe kommen muss. So können wir heute, wie Jakob ein Versprechen sprechen: Wird Gott mir beistehen, und mich beschützen auf meiner Lebens-Reise, mir genug Nahrung und Kleidung geben und mich wieder heil zu meiner Familie zurückbringen: dann soll er mein Gott sein. Und vor allem will ich Gott um Zufriedenheit bitten.

Die Geschichte von Jakob hat Gott trotz des schrecklichen Anfangs zu einem guten Ende geführt. So können wir darum beten, dass Gott diesen schrecklichen Terroranschlag in seinen Auswirkungen noch zu einem, guten Ende führt.

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