Wo ist der Himmel?

Liebe Gemeinde,

wo ist der Himmel? Über uns ist richtig. Und doch ist es nicht ganz richtig, wenn wir den Ort suchen, an dem Gott wohnt. Damit wir uns das deutlich machen können, habe ich einen Globus mitgebracht.

Hier ist Europa mit Deutschland, hier ist Afrika und hier Südamerika. Und wo ist jetzt der Himmel. Der Himmel ist über Europa, der Himmel ist über Afrika, der Himmel ist über Südamerika. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Himmel, in dem Gott wohnt überall ist.

Weil wir uns das so schwer vorstellen können, gibt es ein paar Bilder, die uns helfen, das zu begreifen. Ein Bild ist das von der Himmelfahrt Jesu, das wir vorhin in der Lesung gehört haben. Ein anders finden wir in dem Predigttext, den wir gehört haben: Jesus ist zu Gott zurückgekehrt und hat den Platz zur rechten Seite Gottes eingenommen.

Himmelfahrt Jesus heißt also: Jesus ist zu Gott zurückgekehrt. Erinnern wir uns an das Kirchenjahr:

Weihnachten: Gott kommt als der Mensch Jesus auf die Welt – Karfreitag: Jesus stirbt am Kreuz – Ostern: Jesus steht vom Grab und Tod auf – Himmelfahrt: Jesus kehrt zu Gott zurück – und damit wir es vollständig haben: Pfingsten: Gott gibt seinen Heiligen Geist, der uns zum Glauben befähigt.

Jesus sitzt jetzt zur Rechten Gottes. Er herrscht über die Welt. Er hat alles unter Kontrolle. Als Sinnbild für diese Welt habe ich ja den Globus mitgebracht. Ich habe ihn als Jugendlicher geschenkt bekommen. Dieser Globus, den ich als Jugendlicher vor über 20 Jahren geschenkt bekommen habe, der ist schon wieder veraltet. Damals gab es noch die DDR und die Sowjetunion. Jugoslawien und die Tschechoslowakei waren noch ein Staat usw.

Der Globus den es zur Zeit Jesus gegeben hätte, wenn schon alles entdeckt gewesen wäre, hätte ganz anders ausgesehen. Da hättest du Deutschland vergeblich gesucht. Da gab es das römische Weltreich und in Hardheim und anderswo verschiedene germanische Stämme, die ihm widerstanden haben.

Wenn ich mir heute einen Globus kaufen würde, in spätestens zehn Jahren wäre er wieder veraltet. Deswegen drückt die Himmelfahrt einen sehr schönen Gedanken aus: Die Welt und der Globus ändert sich, aber der Himmel bleibt gleich. Die Länder und die Herrschaftsverhältnisse ändern sich laufend. Die Herrschaft Jesu Christi hat ewigen Bestand: Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr kommt.

Kehren wir noch einmal zu dem Globus zurück: Der Himmel ist überall, haben wir vorhin gesehen. In Jesus Christus kann ich überall zu Gott finden. Und dennoch ist da, wenn ich zum Himmel blicke eine Abstand da, die ich überwinden muss.

Ein Bild für diesen Abstand ist eine Brücke. Einige die in den Gottesdienst gekommen sind, sind über die Erfabrücke gefahren. Wenn die nicht da gewesen wäre, dann wärt ihr mit eurem Auto nicht darüber gekommen.

Genauso ist es im Glauben. Da müssen wir zwar keinen Fluss überqueren. Doch Gott ist unsichtbar und im Himmel. Dieser Graben muss überbrückt werden. Die Himmelfahrt Jesu zeigt uns, dass Jesus so eine Brücke ist, die zu Gott führt. Er ist uns den Weg vorausgegangen, um zu zeigen, wie das geht. Wenn du also zu Gott und in den Himmel kommen willst, musst du den Weg Jesus nachgehen.

Wie sieht es im Himmel aus?, wurde ich unlängst gefragt. Und ich habe darüber nachgedacht, wie ich das am besten beschreiben kann. Jesus hat den Himmel mit einem großen Festmahl verglichen. und dieser Vergleich wird in der Geschichte aufgegriffen, die ich der Fragenden erzählt habe: "Ein Rabbi bat Gott einmal darum, den Himmel und die Hölle sehen zu dürfen. Gott erlaubte es ihm und gab ihm den Propheten Elia als Führer mit. Elia führte den Rabbi zuerst in einen großen Raum, in dessen Mitte auf einem Feuer ein Topf mit einem köstlichen Gericht stand. Rundum saßen Leute mit langen Löffeln und schöpften alle aus dem Topf. Aber die Leute sahen blass, mager und elend aus. Es herrschte eisige Stille. Denn die Stiele ihrer Löffel waren so lang, dass sie das herrliche Essen nicht in den Mund bringen konnten. Als die beiden Besucher wieder draußen waren, fragte der Rabbi den Propheten, welch ein seltsamer Ort das gewesen sei. Es war die Hölle. Darauf führte Elia den Rabbi in einen zweiten Raum, der genauso aussah wie der erste. In der Mitte brannte ein Feuer und kochte ein köstliches Essen. Leute saßen herum mit langen Löffeln in der Hand. Aber sie waren alle gut genährt, gesund und glücklich. Sie unterhielten sich angeregt. Sie versuchten nicht, sich selbst zu füttern, sondern benutzten die langen Löffel, um sich gegenseitig zu essen zu geben. Dieser Raum war der Himmel."

Zwischen Himmel und Hölle ist kein großer Unterschied, zumindest was die Ausstattung angeht. weder hier auf der Erde, noch in der Ewigkeit. Der Unterschied liegt an den Menschen, lassen sie sich von der Liebe Gottes und seinem Recht und seiner Gerechtigkeit leiten, oder machen sie sich selbst das Leben zur Hölle.

Darum ist es nicht verwunderlich, das wir nicht nur die Himmelfahrt Jesu, sondern auch seine "Höllenfahrt" kennen. In jedem Gottesdienst beten wir das Glaubensbekenntnis beten wir: "hinabgestiegen in das Reich des Todes". Hier ist mehr ausgesagt, als das Jesus gestorben ist. Hier ist ausgesagt, das er den Toten die frohe Botschaft gepredigt hat, das es Rettung gibt und der Himmel auch für sie offen steht. Denn es liegt nicht an den Umständen, es liegt an dem was wir daraus machen.

Der Himmel beginnt dort, wo Menschen Jesus Christus in ihr Leben aufnehmen und wie er Brücken zur Liebe Gottes werden.
– Menschen, die das leben, fragen nach Gottes Willen für ihr Leben und die Welt
– Menschen, die das leben, vergeben anderen Schuld
– Menschen, die das leben, helfen anderen Menschen
– Menschen, die das leben, suchen Gemeinschaft mit anderen Christen.

Himmelfahrt ist also nicht, das Jesus ganz weit weggegangen ist. Himmelfahrt heißt, das Jesus ganz nah ist, damit wir das leben können, was er uns vorgelebt hat.

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