Wir verstehen Gott nicht immer

Liebe Gemeinde,

am Mittwoch haben wir im Konfirmandenunterricht diesen Gottesdienst vorbereitet; wir haben auch über diesen Predigttext geredet und ich habe den Konfirmandinnen und Konfirmanden klar gesagt, an diesem Text verstehe ich einen Punkt nicht, und werde nicht mit dem Text fertig. Ihr könnt es euch sicher schon denken, es geht um den Punkt, wie Jesus mit der Frau umgeht. Es ist ja nicht gerade nett, zu ihr Hündin zu sagen. Hier werde ich keine Lösung bieten, außer der Aussage: „Wir verstehen Gott nicht immer.“

Auf diese Aussage kann ich unterschiedlich reagieren:

Wenn Gott nicht so ist, wie ich ihn mir vorstelle, gibt es Gott nicht. -> Leid der Welt -> es kann keinen Gott geben.

Wenn Gott nicht so ist, wie ich ihn mir vorstelle, lasse ich ihn links liegen. Viele hier in Deutschland leben den Alltag so, als wenn es Gott nicht gäbe.

Wenn Gott nicht so ist, wie ich ihn mir vorstelle, dann ist er Gott. Für diesen dritten Punkt gibt es einige gute Gründe
– Gott ist größer als unsere Wirklichkeit
– die Frau lässt nicht locker
– ich habe Gottes Spuren in meinem Leben erfahren

Da ich den dritten Punkt bevorzuge, will ich Fragen, warum wir Gott nicht immer verstehen:
Sind wir bereit, uns auf Gott einzulassen? Sind wir bereit auf Gott zu hören? Sind wir bereit das dann auch zu leben? Gehen wir die drei Fragen an der Geschichte einmal durch:

Sind wir bereit, uns auf Gott einzulassen?
Die Frau ergreift von sich aus Initiative und geht auf Jesus zu. Sie hat von ihm gehört, sie hat gehört dass er helfen, das haben damals viele Menschen gehört. Was sie von diesen Menschen unterscheidet ist, das sie es ernst nimmt. Sie macht sich auf zu Jesus und zieht die Konsequenzen. Auch ihr habt schon viel von Jesus gehört, und nun liegt es an euch, ob ihr die Konsequenzen zieht. Den ersten Schritt seid ihr gegangen, ihr seid heute Morgen hier in der Kirche im Gottesdienst. Nun kommt es darauf an, dass ihr weitere Schritte geht.

Sind wir bereit auf Gott zu hören?
Die Frau hört Jesus und was sie hört ist unerhört. Dass er sie als Hündin bezeichnet, das hat sie sicher nicht erwartet. Aber sie hört nicht nur diese oberflächliche Beschimpfung, sie hört tiefer, ja in einer unheimlicher Selbstsicherheit greift sie die Worte Jesu auf und wendet die Sache auf ihre Seite: «Das stimmt», entgegnete die Frau, «aber die kleinen Hunde dürfen doch die Krümel fressen, die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen.» Ich möchte lernen, auch so auf Jesus zu hören, gerade bei den Rätseln, die sich immer wieder auftun. Ich möchte lernen so zu glauben, wie diese Frau, die sich vom Vordergründigen nicht abhalten lässt, sondern tiefer sieht.

Sind wir bereit das dann auch zu leben?
Die Frau war bereit, ihre Überzeugung zu leben. Der Preis war hoch, durch die Antwort Jesu ist sie vor allen Leuten blamiert worden. Doch der Preis war es wert, wer all sein Vertrauen auf Jesus setzt, der wird am Ende nicht enttäuscht werden.
Das ist das Geheimnis des Glaubens. Wenn sie bei einem der großen Buchversender des Internets das Stichwort „Glück“ eingeben, dann findet ihr viele, viele Ergebnisse. Es gibt über 100 Ratgeber dafür, wie wir glücklich werden können. Ich habe keinen davon gelesen, doch ein paar Dinge will ich weitergeben, was ich zum Thema Glück aufgrund von dieser Geschichte wichtig halte: Erstens gibt es kein Rezept, das alle und jeden glücklich machen kann. Bei der Frau unserer Geschichte war es die kranke Tochter, bei dir ist es etwas ganz anderes. Und wenn ein Problem gelöst ist, dann kommen die nächsten drei. Zweitens ist Glück kein Wert an sich, sondern hängt mit unserem ganzen Lebensentwurf zusammen. Da der christliche Glaube auch antworten auf Not und leide bereitet, kann ich inmitten von Not und Leid Glück erfahren. In unserer Geschichte war es die Heilung, ein anderes mal kann Glück sein, das ich die Kraft bekommen, mit einer Krankheit zu leben. Drittens werden sich am ende unseres Lebens ganz andere Dinge als unser Glück herausstellen, als wir meinen. Wenn wir uns anschauen, wie viele reiche Leute unglücklich sind, Geld kann es nicht sein. Wenn wir sehen, wie viel berühmte Menschen, im innersten einsam sind, Erfolg kann es nicht sein. Wenn wir betrachten, wie viele schöne Menschen Selbstzweifel haben, Aussehen kann es nicht sein.
Wer darauf vertraut, dass Gott uns in Jesus Christus nahe gekommen ist und in dieser Beziehung sein Glück findet, dem kann es niemand nehmen. Das sit das, was die Bibel als Glauben bezeichnet.

Auf den Glauben kommt es an, auf den Glauben der nicht aufgibt an den Rätseln Gottes. Dann erfahren wir wie diese Frau die Brocken, die vom Tisch Gottes fallen. Das sind dann die Spuren Gottes in unserem Leben. Die Spuren der Konfirmanden sind heute sichtbar auf den Boden der Kirche geklebt. Die Konfirmandenzeit soll euch helfen, die Spuren Gottes in eurem Leben zu entdecken und mit den Rätseln Gottes euren Glauben stärken.

Eine andere Spur Gottes haben wir vorhin bei der Taufe von Philipp Simon erlebt. Hier ist ein Startpunkt gelegt, den er später einmal aufgreifen kann. Es wird auch in seinem Leben Rätsel Gottes geben, die er nicht verstehen wird, dann soll er sich seinen Taufspruch zu Hand nehmen, der ihn trösten kann: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Jesaja 43, 1“ Für diesen Zweck will ich ihn auf einem Fußabdruck mit auf den Weg geben.

Eines wünsche ich Philipp Simon, euch Konfirmandinnen und Konfirmanden und allen anderen hier in der Kirche, das Jesus zu euch dasselbe sagt, wie zu der Frau: «Dein Glaube ist groß. Was du erwartest, soll geschehen.»

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