Wir dürfen Gott auf unserer Seite wissen!

Liebe Gemeinde,

wie sicher sind Sie sich Ihres Glaubens? Können Sie die Worte des Paulus aus Überzeugung nachsprechen? Haben Sie ähnliches schon erlebt? Empfinden Sie vielleicht beim Zuhören eine gewisse Übertreibung oder Überheblichkeit des Schreibers.
Oder denken Sie vielleicht: „Schön wär´s, wenn es denn wirklich so wäre?“

Mich haben diese gewaltigen Worte erst einmal schwer beeindruckt und ich spüre, wie ich diese Worte auch zu den meinen machen möchte.
Doch zugleich haben sich Zweifel bei mir eingestellt: „Ist das so mit dem Glauben, gibt es so eine Gewissheit?“

Unterschiedliche Erfahrungen sind mir dazu eingefallen, von denen ich Ihnen erzählen möchte.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass mir das Schicksal einer Familie sehr nahe ging ist.

Es gab in einer evangelischen Gemeinde in der ich früher war, eine ganz engagierte Familie.

Das Ehepaar leitete eine Hauskreis, die Kinder spielten in einer christlichen Jugendband. Man sah sie häufig gemeinsam im Gottesdienst und alle strahlten eine Herzlichkeit aus, die wir immer bewunderten.

Dann bekam die Frau plötzlich Krebs. In den Hauskreisen wurde für sie gebetet, manchmal mit Handauflegung. Aber alles half nichts, innerhalb von einem Jahr war die Frau tot.

Zur Verwunderung aller hat man den Ehemann später nie mehr in der Kirche gesehen. Die Hauskreise fanden nicht mehr statt und es war nichts mehr da, von der Anziehungskraft, die wir alle verspürt hatten.

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben uns scheiden kann von der Liebe Gottes.

Liebe Gemeinde, das Leben wirft Menschen manchmal aus der Bahn. In der Begegnung mit dem Tod, mit Mächten und Gewalten, mit Höhen und Tiefen passiert so viel, was Menschen nicht planen können.

Vorsichtig sollten wir sein, wenn wir von unserer Gewissheit sprechen und noch vorsichtiger, wenn wir meinen ein Urteilen abgeben zu müssen nach dem Motto, „da war halt kein echter Glaube vorhanden“. Es ist so leicht anderen den Glauben abzusprechen, wenn man sich selbst auf der sicheren Seite weiß.

„Denn ich bin gewiss“ …

So einfach kann ich die Gewissheit eines Paulus nicht nachsprechen, zu oft habe ich selbst gezweifelt. Und so spricht mir Martin Luther aus dem Herzen, wenn er zu unserem Bibelwort sagt: „Hier steht: Gott ist unser Freund und schenkt uns mit Christus alles. Dennoch glaubt es niemand, wenn sich die Stücke bei uns regen: Angst, Tod, Schwert. Denn wir glauben in der Angst dieser Worte keines.“

Liebe Gemeinde, am Ende eines Jahres, da geht einem so manches durch den Kopf. Erlebnisse der vergangenen Monate holen uns ein. So unterschiedlich wie wir hier sind, so unterschiedlich waren auch unsere Erfahrungen. Neben vielen schönen Erfahrungen, an die wir hoffentlich zurückdenken dürfen, stehen auch andere. Manche mussten sich ernsthaft mit Krankheit und Schmerz auseinander setzten, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben. Anderen ist die Begegnung mit dem Tod in der eigenen Familie noch gegenwärtig. Manchen stehen vielleicht heute auch die Bilder des Tausendfachen Leides anderer Menschen vor Augen, seien es nun Bilder von Bomben über Bagdad oder von blutigen Anschlägen, oder von frierenden Menschen ohne Bleibe nach dem Erdbeben im Iran. Für andere war vielleicht der Verlust des Arbeitsplatzes ein Schock, der bis heute wie eine offene Wunde schmerzt.

„Denn ich bin gewiss“ …

Die Gewissheit, dass Gott in dieser Welt am Werk ist, wurde im abgelaufenem Jahr durch ach zu viele Ereignisse immer wieder erschüttert. Wie viele Menschen haben Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert als grausame Realität in ihrem Leben erfahren und wie viele davon haben Gott um Hilfe angerufen, ohne dass sich ihr Schicksal gewendet hat.

Spricht Paulus denn in eine andere Zeit oder wie kommt er zu dieser Gewissheit?

Nun, ich glaube die Zeit in die Paulus hinein spricht, war genau von diesen Erlebnissen bestimmt, die er hier benennt: Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr und Schwert. Und aus seiner Geschichte wissen wir ja auch, was ihm selbst in Rom zugestoßen ist. Fast klingt es so, als würde er im Wissen, dass er selbst in Rom zu Tode kommt, die Menschen schon darauf vorbereiten.

Nein, Paulus ignoriert nicht die Wirklichkeit und die Gefahren und Nöte, denen Menschen immer wieder ausgesetzt sind. Das bewundernswerte ist aber, dass er glaubt, das Christen in solchen Situationen nicht untergehen, nicht ihren Glauben verlieren müssen.

Paulus ist davon überzeugt, dass es eine Gewissheit gibt, die auch dann noch Menschen trägt, wenn sie den Boden unter den Füßen verlieren.

Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?

Liebe Gemeinde, ich weiß nicht, wie stark mein Glaube und meine Gewissheit sind, wenn es einmal darauf ankommt und ich verstehe Paulus auch mehr als Mahner, der Menschen für schwierige Situationen sensibel machen will.

Der uns sagt: Im Reich Gottes verläuft nicht alles nach Plan. Der Weg zu Frieden, Gerechtigkeit und Menschlichkeit auf Erden ist steinig, mühevoll und manchmal auch schmerzvoll. Auch in Gottes Reich gibt es Krankheit und Tod, Leid und Trauer, sowie ungezähmte Mächte und Gewalten, denen noch die Hände gebunden werden müssen.

Dennoch gibt es Gewissheit: Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?

Wir dürfen Gott auf unserer Seite wissen, was unser Lebensweg auch bringt.

Und es gibt genügend Beispiele wo Menschen in den schwierigsten Situationen diese Gewissheit gehabt und andern weitergegeben haben.

Ein wenig bekanntes Beispiel ist mir beim Besuch der Basilika von San Bartolomeo auf der Tiberinsel im Rom im Oktober diesen Jahres lebendig geworden: Diese Kirche zeigt gegenwärtig Märtyrer des 20. Jahrhunderts. So ist auf einer übergroße Ikone auf dem Altar auch das Beispiel des evangelischen Pfarrers Paul Schneider dargestellt.

Der 1897 in Pferdsfeld im Hunsrück geborene Pfarrer wurde wegen mehrfacher öffentlicher Kritik am Nationalsozialismus 1937 in "Schutzhaft" genommen und bald darauf auf persönlichen Befehl von Adolf Hitler ins Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert.

Am Vortag seines 41. Geburtstages hielt Paul Schneider aus seinem Zellenfenster eine Predigt zu den auf dem Gefängnishof Versammelten, in der er Gott als alleinigen Herrscher der Welt verkündigte und zu furchtlosem Bekenntnis aufrief.

Er wurde für diese Predigt geprügelt, bis er bewusstlos war. Von den Folgen erholte er sich nicht mehr und starb am 18. Juli 1939 im Konzentrationslager Buchenwald.

„Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?“ ohne diese Gewissheit der Nähe Gottes, hätte Paul Schneider nie so handeln können.

Auch wenn uns ähnliche Situationen im Leben hoffentlich niemals bevor stehen, so wird doch jeder und jede von uns immer wieder Grenzen des Ertragbaren erfahren.

Angesichts des neuen Jahres hoffe ich, dass wir uns immer wider an das erinnern können, was unserem Leben Halt und Bestand gibt, dass "weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

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