Willst du gesund werden?

Liebe Gemeinde,

die heutige Geschichte spielt in einem antiken Krankenhaus. Es ist ein Bau aus fünf offenen Hallen, von denen vier die Seiten des Teiches flankierten, während die fünfte auf einem Damm, der quer durch den Teich führte, errichtet war. In diesen Hallen lagen in langen Reihen die Kranken, meist aussichtslose Fälle, denen man sonst nirgendwo mehr helfen konnte, auf ihren Pritschen und Matten. Sie hatten ein Dach: über dem Kopf, Verwandte oder barmherzige Menschen versorgten sie mit dem Nötigsten und wuschen sie vielleicht einmal. Aber damit hatte es sich. Den Kranken blieb nur das hoffnungsvolle – hoffnungslose Warten darauf, in den seltenen Augenblicken, in denen Gott Heilung schenkte und dies durch eine Bewegung des Wassers im Teich anzeigte, schnell in den Teich zu kommen. Doch nur wenige wurden gesund, viele starben. Andere nahmen ihren Platz ein an dieser Stätte des Elends, des Stöhnens, der Schreie, des Gestanks. Und doch hofften alle immer wieder auf das eine: endlich, endlich gesund zu werden. Betesda heißt übersetzt Haus der Barmherzigkeit, ist aber in Wirklichkeit ein Haus der Grausamkeit.

Diese fünf Hallen und der Teich, von denen hier die Rede ist, sind also eine Mischung aus einem antiken Krankenhaus und einem Esoterik. Die Esoterik ist eine Zeitströmung. Hauptaussagen sind, das das Christentum abgewirtschaftet hat und unsere Welt aus einem System besteht, in dem sich das Böse und Gute die Waage halten. Der Mensch macht sich selbst zu Gott und kann sich so selber helfen und erlösen. Warum nenne ich dieses antike Krankenhaus ein Esoterik-Zentrum. Drei Gründe:

1. weil es darauf angelegt ist, dass jeder sich selbst hilft. Der, der am ersten am Wasser ist, der wird geheilt. Das ist ein erstes Grundprinzip der Esoterik: hilf dir selber.

2. weil es nach dem Motto geht: was hilft ist gut. wenn Leute nicht geheilt worden wären, dann wären nicht so viele Leute dort. Ob das gut ist, ist eine andere frage. Der Mann verschenkte 38 Jahre seines Lebens dort, ohne, dass ihm geholfen wurde. Das ist ein zweites Grundprinzip der Esoterik: Was hilft, das ist gut.

3. die Heilung wird auf übernatürliche Mächte zurückgeführt. Ein Engel bewegt das Wasser, das war die gängige Vorstellung. Und genau da müssen wir aufpassen. Hier wird mit der unsichtbaren Welt Kontakt aufgenommen. Und da gibt es eine ganze Menge Leute, die betrügen sich selbst. Denn es gibt Leute, die behaupten sie nehmen mit guten Geistern Kontakt auf. Quatsch, die Geister sagen natürlich, sie seien gute Geister. Denn der Teufel verstellt sich als ein Engel des Lichts. Wer sich auf die Heilmethoden aus Esoterik, sei es Yoga, seien es Bachblüten, seien es die Kräfte von Steinen, sei es Besprechen von Gegenständen einlässt, lässt sich mit Mächten der unsichtbaren Welt ein, die gegen Gott stehen. Das wird nicht immer gleich deutlich, du kannst die Methoden jahrelang praktizieren. das das so ist, merkst du erst, wenn du nicht mehr beten kannst oder wenn du nicht mehr in der Bibel lesen kannst oder wenn du deinen Frieden mit Gott verloren hast. Das ist drittens ein Grundprinzip von Esoterik: es wird mit den Mächten der unsichtbaren Welt Kontakt aufgenommen.

Kehren wir zu dem Mann zurück, der 38 Jahre lang krank war. Der Mann war verzweifelt, so verzweifelt wie wir mit manchen Dingen sind. schauen wir uns die Dinge an, die dir zu schaffen machen: "Ich werde nicht gesund"; "Ich kann das nicht"; "Ich gebe auf"; "Ich bin ganz allein"; "die anderen sehen mich schief an"; "Mich beachtet keiner"; "Mir hilft keiner". Dann kannst du wie dieser Mann sein Leben und seine Seele an einen Esoterik-Tempel verkaufen. 38 Jahre hat er damit verloren, aber er hatte doch keine andere Chance. Wirklich nicht? Einer ist stärker als Krankheit, einer ist stärker als Esoterik, einer ist stärker als die Mächte die gegen Gott stehen: Jesus. Schauen wir, was Jesus zu den drei Grundprinzipien von Esoterik: "Hilf dir selber", "gut ist was hilft" und "nutze die unsichtbaren Mächte" zu sagen hat.

1. Gegen "hilf dir selbst" setzt er die zeichenhafte Hilfe. Die Kranken können sich selber nicht helfen. Da lagen doch viele Kranke. Warum wurde nur der eine von Jesus geheilt! Weil er besonders lange da lag! Weil er sonst niemanden hatte! Das mag mit eine Rolle gespielt haben . Entscheidend ist etwas anderes: Mit Jesu erstem Kommen in diese Welt ist das Reich Gottes angebrochen. Vollendet wird es erst mit seinem zweiten Kommen. Darum wird nur an einzelnen Menschen ein "Zeichen" der Macht Jesu gegeben . Dies Zeichen gilt aber nicht nur dem jeweils einzelnen, sondern allen. Alle sollen dadurch aufhorchen und ihr Vertrauen auf Jesus setzen. Jesus kann nicht nur helfen, indem er die Krankheit heilt. Er kann auch helfen, mit der Krankheit zu leben.

2. Gegen "Gut ist, was hilft" setzt er die erbetene Hilfe. Die merkwürdig anmutende Frage "Willst du gesund werden" hat ihren guten Sinn.

1. Manche Leute sind krank und wollen gar nicht gesund werden. Denn geht ihnen die geballte Aufmerksamkeit, die sie durch ihre Krankheit haben, verloren.

2. Jesus will den Menschen mit seinem Heilshandeln nicht einfach überfahren. Der Mensch soll wissentlich daran beteiligt sein. So sind wir auch persönlich gefragt, ob wir glauben wollen. Da wo Jesus einem Menschen etwas anbietet (und den Glauben bietet er jedem von uns an!), da stimmt der Satz nicht mehr "Ich kann nicht!" Da ist dann nur noch die Frage, ob ich will oder nicht will. Will ich mein Vertrauen auf Jesus setzen oder setzt ich mehr vertrauen auf Yoga, Bachblüten, Steine und Besprechen von Gegenständen. Ich will all mein Vertrauen auf Jesus setzen.

3. Gegen das Heranziehen der unsichtbaren Mächte setzt er Gottes Hilfe. Doch Gottes Hilfe wird beargwöhnt. Ich kann gut behaupten, dass Bibellesen und Beten nicht hilft, wenn ich es nicht mache. Dann kann es ja auch nicht helfen. wer aber in der Bibel liest und betet, dem hilft Jesus. doch wer von Jesus Hilfe erfahren hat (sei es körperlich oder im Glauben), wird nicht immer freudig beglückwünscht. Mancher Widerspruch und Argwohn oder auch Neid schlägt ihm entgegen. Ein von Jesus Beschenkter ist damit zugleich ein am Leidensweg Jesu Beteiligter geworden.

Von zwei Seiten können wir vom Pferd fallen: die Frage nach Krankheit können wir nicht nur mit der bloßen Vernunft angehen: der Arzt ist mehr als Mechaniker. Wer nur auf die modernen Medizin vertraut fällt auf der einen Seite vom Pferd. Die Frage nach der Krankheit können wir nicht nur mit dem Maxim "hilf dir selber" angehen. denn dann kommen wir in die Klauen von Esoterik und fallen auf der anderen Seit vom Pferd.

Jesus möchte unseren Körper und unsere geistige Persönlichkeit heilen. Heute ist zu Recht viel von ganzheitlichem Heilen die Rede. Der Mensch ist nun einmal ein Wesen aus einer geistigen Persönlichkeit und einem Körper. Und diese beiden Teile stehen in enger Beziehung zueinander und wirken aufeinander. Darum sind Krankenhäuser auch Häuser für Kranke und nicht Einrichtungen zur Beseitigung von Krankheiten. Darum sind Ärzte nicht Mechaniker, die schadhafte Körperteile reparieren oder austauschen und gestörte Abläufe wieder in Gang setzen. Darum bekommen Kranke Pflege, Zuwendung, Liebe, damit die Ängste sie nicht quälen und Sorge, Einsamkeit und Verlassensein ihr Gesundwerden nicht verhindern. Aber das ist noch nicht alles, was ein Mensch zum Heilwerden braucht. Heilwerden ist nämlich mehr als Gesundwerden. Es schließt neben dem Gesundwerden auch noch Freiwerden von Schuld und Sünde, von bösem Gewissen, von den Lasten unseres Versagens auf unserer Seele mit ein. Heilwerden bedarf des Retters des Körpers und der Seele, bedarf also des Helfers Jesus Christus. Er vergibt nämlich die Schuld und die Sünde, die sehr wohl bei allem menschlichen Unheilvollen eine wesentliche Rolle spielen. Er begnügt sich auch in dieser Geschichte nicht damit, den Mann gesund und lebensfroh zu machen, er vergibt ihm seine Schuld. Er gibt ihm einen ganz neuen Anfang, wenn er zu ihm sagt: » Sündige nicht mehr« Lebe anders, du kannst es. Du bist heil geworden durch mich, den Retter! Da ist ganzheitlich geheilt, alles geordnet, alles gut – durch Jesus Christus. Doch damit ist die Geschichte noch nicht ganz zu Ende. Ihren eigentlichen Gipfelpunkt erreicht sie erst jetzt in dem Nachsatz: »… damit du nicht etwas Schlimmeres als deine Krankheit erlebst!« Da stellt sich doch die Frage: Was kann schlimmer sein als 38 Jahre Krankheit und Leid? Die Antwort ergibt sich aus dem Handeln Jesu Christi im Höhepunkt dieser Geschichte vom Heilwerden eines Menschen ganz von selbst: Schlimmer als 38 Jahre Krankheit und Leid mit all ihrer Trennung vom Leben ist die dauerhafte Trennung vom Leben mit Gott durch die Schuld. Das hat nicht nur zeitliche Auswirkungen, das reicht hinein in die Ewigkeit. Schlimmer ist: für immer und ewig verloren zu sein. Schlimmer ist: nicht heimkehren in das Vaterhaus Gottes, wo wir erwartet werden, wo wir eigentlich hingehören, wo allein unser Leben ewige Dauer und Zukunft bekommen kann. Das ist das Schlimmere und genau davor will Jesus Christus retten. Davor will er diesen Mann retten nicht nur für ein paar schöne Jahre nach leidvollen Jahrzehnten, sondern für immer.

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