Wie wird Ostern?

Das ist der Morgen, der alles verändert. Nicht ein Märchen nach dem Motto: ich möchte eines Morgens erwachen und alles ist gut. Das Geheimnis ereignet sich in der Verborgenheit der Nacht. Darum feiern Christen die Osternacht. Als die Welt schläft geschieht das Unglaubliche. Niemand bekommt mit wie Gott Jesus erweckt. Doch dieser Nacht folgt der Morgen, der alles verändert.
Wie wird es Ostern? Über 60% der zwischen 20 und 49 Jährigen brauchen dazu das Ostereiersuchen, wobei die Ostdeutschen dabei durchaus Geschenke finden wollen. Hoffentlich ist dafür der Schnee überall abgetaut. Für 45% ist das festliche Menü und für ein Drittel der Kirchgang unverzichtbar. Wie wird es Ostern? So wie von Anfang an, so wie beim ersten Mal? Wer weiß davon? 15 % der 20-29-jährigen meinen Ostern feiert die Geburt Jesu und immerhin 3% halten Jesus Hochzeit für den österlichen Anlass. Was wäre, wenn sie sehen könnten, wie bei uns Ostern wird – vielleicht ähnlich dem ersten Mal?

Ostern – eine Frauengeschichte. Die beiden Marias und Salome können die Nacht kaum abwarten. Dieser Sabbat zwischen dem Kreuzigungstag und dem Sonntag war die Hölle. Ein Sabbat ohne Jesus – der erste Sabbat ohne Jesus. Jetzt endlich ist es erlaubt, ihn zu ehren mit Salben und den Verlust gemeinsam zu beweinen. Wenigstens im Andenken soll er weiter da sein. Ostern beginnt als diese drei kommen. Nicht zu Hause, nicht im Gebet, nicht in der Seele, nein, als Sie kommen. Und wir können nur mitkommen, uns mit ihnen auf den Weg machen. Ostern wird es nach und nach, nicht mit einem Knall. Ostern – kommen. Kommst du mit?

Da auf dem dunklen Weg platzt eine plötzlich heraus: Wer wälzt uns den Stein vom Grab? Die Kühle des Morgens mit den ersten Lichtstrahlen weckt diesen vernünftigen Gedanken. Der Stein versperrt den Zugang zu Jesus. Der Stein liegt vor Jesus. Wer bewegt den Stein? Was wird mit diesem letzten, endgültigen, kalten Grabstein? Wer von uns kann beseitigen, was ihn/sie von Jesus trennt? Wie erreichen wir Jesus, der vor 2000 Jahren gestorben ist? Wenn das mal kein Problem ist. Doch der erschreckend nüchterne Gedanken bremst die Füße nicht. Diese Hoffnung treibt weiter, den Toten doch noch zu erreichen. Und dann! VERS 4

Die Aufregung, die Trauer, die Tränen in den Augen, die Dämmerung des Tagesanbruchs – wie viele Gründe den Blick am Boden schleifen zu lassen, gebeugt und erschrocken über die unbedachte Frage wegen dem Stein. So viele Gründe nicht zu sehen, was geschehen ist. So viele Gründe gefangen zu bleiben in der Sackgasse der Trauer und Angst. Doch der Morgen der alles verändert lässt sehen, was nicht zu erahnen war. Sie sehen und werden gewahr. Der zweite Blick – er öffnet. Die Frage nach dem Stein ist beantwortet. Sofort bohren tausend andere Fragen.
Wie wird es Ostern? Ostern öffnen sich die Augen. Ostern – kommen – sehen.

Sie sehen und nehmen wahr. Dafür hat Gott gesorgt, in der Verborgenheit der Nacht. Am Morgen der alles verändert sehen die Augen Unglaubliches, was nicht auszurechnen war, was niemand vermuten konnte, was keiner geglaubt hat. Drei Frauen sehen – und wir mit ihnen: der Stein ist weg. Der Zugang zu Jesus ist nicht verstellt. Das schwerwiegende Problem ist keines mehr. Dafür sorgt Gott.

Damit es Ostern wird müssen die Frauen ins Grab. Jetzt dürfen sie nicht fliehen. Die Neugier besiegt die Angst – bestimmt gut, dass es Frauen waren ;). Dort im Grab wartet die nächste Überraschung. Doch woanders wird es nicht Ostern werden. Sie müssen an den offenen schrecklichen Ort, sie müssen dort hinein wo der Schmerz herkommt. An dem Ort wo der größte Verlust ihres Lebens liegt soll nun Ostern werden. Das Grab verbreitet keine frühlingshafte Osterstimmung. Aber ohne den Gang ins offene Grab wird es nicht Ostern. Dort begegnen sie dem Boten Gottes der ihnen deutet, was sie sehen. Der Bote spricht. Ostern geschieht, indem eine Botschaft ausgesprochen wird. Ostern – kommen – sehen – hören. Diese Botschaft verändert alles: Er ist nicht hier. Ihr sucht den Gekreuzigten – der Auferstandene ist nicht hier. Seht doch, das Grab ist leer. Hier gehört Jesus nicht mehr hin, was soll der Lebende im Grab des Todes und der Trauer? Hier hofften sie ihn zu finden, aber er ist nicht hier. Das Grab ist leer. Wo ist er? Entsetzen packt sie – so ergreifend ist Ostern. Entsetzen packt sie – und was wird aus der Botschaft des Engels: Entsetzt euch nicht!? Die Osterbotschaft sucht nach Glauben. Entsetzt euch nicht, dafür ist kein Grund, glaubt doch: Er ist auferstanden.

Sucht nicht den falschen, nicht den toten Jesus. Ab jetzt habt ihr es mit dem Auferstandenen zu tun. Was suchen wir zu Ostern? Was suchen wir, wenn wir Jesus suchen? Wir haben es mit dem Auferstandenen zu tun. Seltsam, eben hieß es doch: er ist nicht hier. Wo ist er denn? Jesus, wo bist du? Wo treffen wir dich, Auferstandener? Hier mit den Frauen geschieht Ostern, ohne dass du dich blicken lässt. „Er ist nicht hier, er ist auferstanden”. Wie kommen wir nur mit ihm zusammen? Die Botschaft geht weiter: VERS 7

Ostern – kommen – sehen – hören und gehen. Ostern soll nicht ohne die anderen werden. Darum werden die Frauen gesandt. Selbst Petrus braucht sie, damit es bei ihm Ostern wird, überhaupt die Männer, wie hier auffällt. Das Zeugnis von Frauen war vor Gericht nichts wert. Gerade sie werden gesandt. Ausgerechnet Frauen bezeugen das leere Grab. Keine starke Geschichte. Sollte jemand meinen, die Auferstehung sei eine Erfindung: niemand hätte sie mit Frauen als Zeugen erfunden. Niemand hätte ein leeres Grab erfunden, wo doch jeder leicht prüfen konnte, was mit dem Grab ist. Ostern ist mit schnellen „vernünftigen” Anfragen nicht so leicht vom Tisch zu wischen. Wo nun ist der Auferstandene zu finden? Er geht auf einem Weg voraus. Folgt ihm gemeinsam nach Galiläa. Das ist nun nicht gerade die fromme Gegend. Dort finden nicht die ergreifenden religiösen Anlässe statt. Für die Jünger ist es nüchtern betrachtet sogar der Weg nach Hause. Nicht unbedingt erhebend. Aber dahin geht er, der Auferstandene. Folgt ihm. Ihr werdet auf seinen Spuren gehen. Ihr werdet ihm auf den Fersen sein. Immer wieder geht es bei Jesus um Wege. Immer wieder finden Begegnungen mit Jesus beim Gehen statt. Jesus wartet nicht schon ungeduldig in Galiläa. Er geht den Weg dahin, euch voraus. Wer den Auferstandenen treffen will muss sich auf den Weg machen, persönlich, aber nicht allein. Gemeinsam auf dem Weg – das verbindet. So ging es auch Elefant und Maus. Sie laufen nebeneinander durch die Wüste. Da tritt der Elefant leicht auf die Maus. „Verzeihung”, brummt er. „Macht nichts”, piept die Maus. „Hätte mir auch passieren können.”

Gemeinsam auf dem Weg. Nicht irgend einen Weg gehen sondern den Weg, den der Auferstandene voraus geht. Dieser Weg hat ein Ziel: Dort werdet ihr ihn sehen, weil er sein Versprechen hält. Wohin führt dich dein Weg? Dahin, wo du den Auferstandenen sehen wirst? Dahin, wo du durch Jesus den Tod, den letzten Angst machenden Feind überwinden wirst? Was willst du mehr? Du bist eingeladen auf den Weg, den der auferstandene Jesus voraus geht und du hast eine Botschaft. Geh zu den anderen, damit sie sich mit auf diesen Weg machen. Für die Jünger war es kein besonderer Weg. Mag sein, dass der Weg den der Auferstandene dir vorausgeht, dir auch sehr nüchtern vorkommt. Hauptsache, du folgst ihm. Daran hängt seit Ostern dein Leben.
Was tun unsere Frauen? VERS 8

Wie wäre es uns wohl ergangen an diesem Morgen? Nein, diejenigen die vor 2000 Jahren Jesus als Mensch auf der Erde erlebten sind nicht zu beneiden. Wer von uns hätte wohl besser als unsere drei Frauen auf das Unglaubliche der Auferstehung reagiert? Was sie erleben ist mehr, als ein Mensch unmittelbar fassen kann. Wie ehrlich und menschlich berichtet die Bibel: Furcht und Entsetzen. Auch hier gilt: eine erfundene Auferstehung hätte ein anderes Ende bekommen. Gott sorgt dafür, dass Ostern mit der stummen Flucht vom leeren Grab nicht endet. Ostern wird zum Morgen, der alles verändert. Jetzt haben wir es mit dem Auferstandenen zu tun. Ja Jesus, du bist da.

drucken