Wie kann ich Gott gehören?

Liebe Gemeinde,

abseits vom Lärm des Tages, in der ruhigen Stille der Nacht, kann es um das gehen, was den Menschen innerlich beschäftigt. Abgeschaltet sind die Hektik, die Unruhe, die zu erledigenden Aufgaben, die Rücksicht auf andere. Wenn auch von außen her die Menschen und die Welt zur Ruhe gekommen sind, ist es Zeit für unsere Fragen nach dem Sinn, dem Wozu und Weshalb unseres Alltags und Lebens.

Das Gespräch findet oft in uns selbst, ganz tief innen drin statt. Vielleicht nehmen wir unsere Bibel zur Hand und suchen darin Antworten auf unsere Fragen und unser Leben. Vielleicht betrachten wir Liedverse unseres Gesangbuches oder sprechen eines der Gebet nach. Vielleicht lesen wir in einem Buch eines klugen und weisen Schriftstellers. Vielleicht kommen wir mit einem lieben Menschen ins Gespräch.

Die Fragen nach dem Ziel und Sinn unseres Lebens lassen sich nur schwer klären und besprechen, wenn die Geburtstagsgäste kommen und gehen, wenn das Telefon läutet und die Türglocke geht.

Nikodemus hat tief Luft geholt und leitet das Gespräch mit einem großen Lob ein. Jesus antwortet nicht auf die Frage. Er antwortet auf das, was Nikodemus im Tiefsten bewegt. Wie kann ich Gott ohne Ablenkung gehören?
Neu geboren werden ist der Zugang zu Gott, den er uns durch seinen Geist ermöglicht. Die alten, eigenen und von Gott trennenden Wege müssen zwingend verlassen werden. Aus eigener Kraft ist uns das nicht möglich, die Wege es Unglaubens, des Zweifels., der Orientierungslosigkeit, der Unzufriedenheit, des Streites, der Macht und des Unfriedens aufzugeben. Das erfahren wir immer wieder. Vor allem dann, wenn wir es von uns aus und ohne Christus versuchen. Wir scheitern.

Wir strengen uns an, um den Streit zu schlichten und treten dennoch auf der Stelle. Wir können einander die Hand zur Versöhnung reichen, doch ohne dem Geist Gottes Raum zu geben, der diese Versöhnung bewirkt, bleiben wir unversöhnlich stecken. Das gilt für jeden Lebensbereich, wo wir mit Menschen persönlich oder durch gemeinsame Arbeit, Anliegen und Sache verbunden sind.

Erst dann, wenn wir uns ganz fest von Christus an ihn selbst binden lassen, können wir wirklich völlig neu anfangen. Um diesen Neuanfang geht es Christus. Er ist es, der uns neue Wege öffnen will. Solange wir dabei auf uns selbst vertrauen, werden wir an unseren Grenzen, an unseren Verletzungen und unserer Angst scheitern.

Neu geboren werden wir, indem wir durch die Tür hindurchgehen, die Gott uns geöffnet hat. Diese Tür ist Jesus Christus. Es ist unnötig, erneut getauft zu werden und lauthals Bekenntnisse herauszuschreien. Denn das, was allein nur der Geist Gottes vermag, bleibt uns zu machen verschlossen. Allein müssen wir nur noch durch die offene Tür Jesus Christus gehen.

Das heißt praktisch, Jesus Christus darum zu bitten, überall dort, wo wir wissen, dass alles neu werden muss, uns dafür zu öffnen und uns durch seinen Geist beizustehen und zu wandeln.

Sein Geist ist Liebe, Wahrheit, Frieden, Versöhnung. Was er uns gibt, ist eine andere Wahrheit, als die unsrige. Es ist auch nicht die Wahrheit von Mehrheiten, Stimmungen, Gefühlen. Seine Wahrheit macht uns frei, gute Wege fortzusetzen, neue Wege gehen zu können. Sein Frieden erschreckt uns, weil er letzter und bleibender Frieden ist. Was der Geist Christi uns gibt, ist nicht von dieser Welt. Wir können es nur entgegennehmen und niemals selbst bewirken.

Der Geist Christi, der Geist der Liebe und des Friedens und der Gerechtigkeit nimmt uns jede Möglichkeit aus der Hand, über andere Menschen zu urteilen und zu richten. Denn Gott hat sein Urteil bereits mit Christus über uns gesprochen. Er liebt uns um unserer selbst willen und nicht um unseres Glaubens und unserer Gerechtigkeit willen.

Wir können nur jeder einzelne Mensch unser eigenes Leben ganz seinem Urteil unterstellen und Gott darum bitten, uns ein gnädiger und barmherziger Richter und Christus uns ein liebevoller Anwalt zu sein, der für uns ein tritt.

Alles, was wir für richtig und gut halten und anderen als Maßstäbe christlichen Lebens aufdrängen, erweist sich vor Christus als vom Fleisch, eben von dieser Welt und nicht vom Geist geboren. Vom Geist geboren sind Glaube, Hoffnung und Liebe. Sie sind aber nicht teilbar in besser oder schlechter. Sie sind unteilbar und ohne jedes Wenn und Aber. Wir können niemals mit unserem ?Ich habe Recht und Du hast Unrecht? vor Christus bestehen, weil dies von dieser Welt ist.

Es zählt, dass Gott seinen Sohn nicht in die Welt gesandt hat, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. # Joh 3.17 (?Gott hat nämlich seine Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um über sie Gericht zu halten, sondern um sie vor dem Verderben zu retten:?

Wenn das die neue Wirklichkeit ist, in die Gott uns und unsere Welt gestellt hat, können wir niemand mehr verurteilen, sondern ihn nur noch bedingungslos um seiner selbst lieben und uns mit ihm versöhnen. Oder wollten wir hinter Gottes Versöhnung zurückbleiben? Wenn wir gerettet sind allein schon durch das Wort, dass Christus uns gesagt hat und vielmehr erst recht durch seinen Tod und seine Auferstehung, können wir niemand das absprechen, was ihm Gott geschenkt hat. # Joh 15.3 (?Ihr gehört schon zu diesen guten Reben, weil ihr mein Wort angenommen habt.?)

Wir mögen sehr unterschiedliche Wege des Glaubens und Lebens gehen. Bitten wir allein Christus darum, sie täglich neu in seinem Geist, im Geist der Wahrheit, der Liebe, der Versöhnung und des Friedens zu gehen. Lassen wir uns durch ihn wiedergeboren werden zum ewigen Leben. Es hat mit der Auferstehung Christi begonnen. Es setzt sich fort durch jeden unserer Tage, als Glaube, Hoffnung und Liebe, die uns allein der Geist Gottes gibt. Das ist für uns die Chance gemeinsamen Weges und Lebens.

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