Wem schenke ich meine Freundschaft?

Liebe Gemeinde,

das war echter Einsatz. Die vier Freunde, die den Gelähmten auf das Dach geschleppt und dann ein Loch hineine gebrochen haben, die haben mehr als einen Tropfen Schweiß vergossen. Und das ist auch der erste Blickwinkel, unter der wir die Geschichte heute betrachten: es ist eine Geschichte von Freundschaft. Überlegt einmal kurz: Habe auch ich vier Freundinnen oder Freunde, die diesen Einsatz für mich bringen würden? (30 s Pause)
Sind euch Menschen eingefallen? Dann seid dankbar, Freunde sind ein kostbares Geschenk. Der Gelähmte ist auf seine Freunde angewiesen. Die erste Frage war, ob wir Freunde haben. Nun kommt die zweite Frage: Wem kann ich Freund sein? Wem kann ich meine Freundschaft schenken? Das ich Freunde habe, wir mir ein stückweit geschenkt und ich habe keinen großen Einfluss darauf. Doch wem ich meine Freundschaft schenke, das liegt in meiner Hand. Und hier sind wir auch als Gemeinde gefragt. Wir dürfen anderen unsere Freundschaft schenken und sie in den Glauben an Jesus Christus mit hinein nehmen. Schaut euch einmal um und sucht euch einen Menschen, ihr noch nicht kennt. (30 s Pause) Wenn ihr mutig seid, dann sprecht diesen Menschen, den ihr noch nicht kennt, nach dem Gottesdienst einmal an.

Wir haben heute Annie, Marius und Samuel getauft. Hier wird deutlich wie sehr die drei auf ihre Eltern angewiesen sind. Zuerst einmal in den ganz praktischen Dingen wie Essen, Anziehen und alles was wir brauchen. Zum anderen aber auch in der Liebe und der Geborgenheit, die die Eltern ihnen schenken. Und zu dritten auch im Glauben. So wie die vier Freunde sich um den Gelähmten gekümmert haben, kümmert ihr Eltern euch um eure Kinder. Sie haben ihn zu Jesus getragen, bringt eure Kinder zu Jesus. Angefangen habt ihr damit, ihr habt für eure Kinder Taufsprüche ausgesucht, sie drücken aus, was ihr ihnen auf den Weg geben wollt:

Annie: Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt. (Johannes 15,16) Gott hat uns erwählt, das kommt sehr schön in dem Lied „Vergiss es nie“ zum Ausdruck.
Samentütchen mit Vergissmeinnicht und dem Text des Liedes: „Vergiss es nie“.

Marius: Gott stärkt mich mit Kraft und weist mir den Weg. (2. Samuel 22,33)
Wann fallen uns Wege leichter: wenn wir ihn mit einem Freund gehen können, der mit uns geht und uns begleitet. Seid Marius ein Begleiter auf dem Weg des Glaubens, damit er Gottes Kraft erfährt und den Weg zu ihm findet.

Samuel: Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Epheser 5, 8b.9) Wo Freundschaft ist, da ist auch Licht. Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit sind wichtige Werte, die eine Freundschaft ermöglichen. Pflanzt diese Werte bei Samuel ein und sie werden Frucht bringen. Wo Licht ist, da gibt es auch Schatten. Unser Leben gelingt nicht in allen Punkten, immer wieder gehen Dinge schief, die sich wie Dunkel als Schuld auf unser Leben legen. Darum ist es gut, dass es nicht nur eine Geschichte von Freundschaft, sondern zweitens auch eine Geschichte von der Vergebung ist.

Wenn ich herumfragen würde, was der Gelähmte am meisten braucht, dann würde ich sicher hören: Heilung. Jesus ist da der gleichen Meinung, aber in einem kleinen Punkt unterscheidet er sich. Während die meisten an körperliche Heilung denken, denkt Jesus an die innere Heilung. Wie viele Menschen laufen zwar mit zwei Beinen herum, sind aber innerlich krank und kaputt. Jesus sieht tiefer und so löst er das Problem, das tiefer geht: «Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!» Halt, was hat das mit Heilung zu tun? Schuld die nicht vergeben ist, nagt in uns, Schuld die wir getan haben, Schuld, die an uns verübt wurde. Die inneren Wunden sind heute ein großes Problem, wir gerade einen vielgekauftes Buch auf dem Büchertisch: „Das Leben hat mich wieder“ Die Autorin leidet unter Depressionen, einer innerlichen Krankheit und sagt: Lieber einen Knochenbruch als eine Depression. Einen Knochenbruch kann man sehen, eine Depression legt sich unsichtbar aufs Gemüt. Ein Teil ihrer Depression waren auch Schuldgefühle und hier setzt Jesus in seiner Geschichte an: «Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!» Indem Jesus dem Gelähmten vergibt, bietet er dem Gelähmten seine Freundschaft an. Er zeigt ihm, dass ein Teil seiner Probleme durch Schuld verursacht sind. Jesus löst nicht alle seine Probleme, aber er fängt bei einem Punkt an, um dem Mann zu zeigen: „Zerleg deine Probleme in Teilstücke, dann schaffst du es. Fang mit dem Problem deiner Schuld an, dann können auch die anderen Dinge ins Lot kommen.“ Er schenkt ihm so eine neue Perspektive. Indem er das öffentlich, vor allen Menschen macht, erregt er Ärgernis. Die Menschen müssen sich entscheiden, ob sie in diese Freundschaft mit hinein genommen werden wollen, oder ob sie diese ablehnen und eigenen Wege gehen. Das Angebot von Jesu Freundschaft fordert eine Entscheidung. Der Gelähmte schenkt Jesus seine Freundschaft. Die Frage ist, lasse auch mich einladen. Und es geht weiter, wenn ich mich einladen lasse, gebe ich meine Freundschaft an andere weiter. Wir sehen hier, wie Freundschaft und Vergebung zusammen hängen, nicht umsonst hat Jesus diesem eine Bitte im Vaterunser gewidmet: „Vergib uns unsere Schul, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

Das dritte hier ist, es ist eine Geschichte einer Heilung. «Steh auf, nimm dein Bett und geh nach Hause! Du bist gesund!» sagt Jesus. Er sieht den Menschen ganz, mit Leib und Seele. Aber durch seine Reihenfolge, erst Vergebung, dann körperliche Heilung zeigt er: ein gesunder Körper mit einer kranken Seele bringt überhaupt nichts. Hier ist jetzt die körperliche Heilung dran und gut. Manchmal lässt Gott uns auch mit unseren Krankheiten leben. Karin Bachofner, die Autorin des oben genannten Buches wird Zeit ihres Lebens mit Depressionen zu kämpfen und zu leben haben. Jesus und er christlichen Glauben haben ihr aber eine Sichtweise ermöglicht, mit der sie leben kann und die ihr hilft mit ihrer Krankheit umzugehen. Sie hat eine Freundin, die sie begleitet und die durch Höhen und Tiefen mit ihr geht. Sie hat Jesus, der ihr hilft, wieder aufzustehen, wenn sie schuldig wird. Und sie zeigt: Heilung kann auch heißen, zu lernen mit einer Krankheit zu leben. Da wo ich das innerlich annehme und mich einstelle, geschieht innere Heilung. Schauen wir noch einmal auf den Gelähmten und was Jesus ihm sagt: «Steh auf, nimm dein Bett und geh nach Hause! Du bist gesund!» Jesus schickt den Gelähmten in sein Umfeld und seine Freundschaften zurück, mit dem Auftrag, nun das neue zu leben und zu zeigen, was Jesus in seinem Leben getan hat. Er soll seinen Glauben nicht für sich behalten, sondern er soll der Familie und Nachbarn von ihm erzählen.

Wem schenke ich meine Freundschaft? Zuerst möchte ich Jesus meine Freundschaft schenken. Und des Weiteren möchte ich andere mit dazu hinein nehmen. Das ist mein Traum von Gemeinde: Menschen, die Jesus ihre Freundschaft schenken und andere mit dazu hinein nehmen. Dann kann das geschehen, mit dem unsere Geschichte aufhört und das wir mit dem nächsten Lied auch machen wollen: „Und alle lobten Gott.“

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