Welttrauertag

Liebe Gemeinde,

ich denke, der Volkstrauertag muss Welttrauertag heißen. Selbstverständlich hat es sein gutes Recht, wenn ein Volk um seine Toten trauert, speziell auch um die Opfer der Kriege, aber es geht nicht mehr, dass ein Volk nur um diese Opfer trauert, ohne die anderen Völker auf der Welt im Blick zu haben. Und wer die anderen Völker auf der Welt im Blick hat, der darf dann auch nicht mehr nur um die Opfer trauern,
· sondern der trauert auch darüber, dass jedes Volk dieser Erde Kriege verursacht hat,
· dass sich jedes Volk agressiv gegenüber anderen benommen hat,
· dass die Menschen viel zu oft ihre Unfähigkeit zum Frieden gezeigt haben,
· und viel zu oft andere Mensch für minderwertig erklärt haben.

Wer die Völker der Welt im Blick hat, der trauert darüber,
· dass es den Zeitungen immer noch ein Bild auf der Seite 1 wert ist, wenn Soldaten sich darüber freuen, dass sie z.B. eine Stadt eingenommen haben. Und die Opferzahl wird, wenn sie bekannt ist, nur aus Statistikgründen mitgeteilt.

Wer die Welt im Blick hat, der trauert darüber,
· dass es in der SMS-Kultur der Jugend kurze Clips gibt, in denen der Einsturz des World Trade Centers nachgespielt wird und die Kinder das cool finden, und
· dass es immer noch so dumme Menschen gibt, die dem Christkind vorschreiben wollen, welche Nationalität es haben muss. (aktueller Fall in Nürnberg) Übrigens: Das Christkind vor 2000 Jahren war Israelit und jüdischen Glaubens!

Wer die Völker der Welt im Blick hat,
· der trauert speziell in Deutschland darüber, dass wir vielleicht bald wieder Mahnmäler aufstellen werden, auf denen die Namen der Soldaten stehen, die im Konflikt um Afghanistan getötet werden.

Jeremia schreibt im Auftrag Gottes: Warum bleibt Jerusalem bei seinen falschen Göttern und weigert sich, zu mir zurückzukehren? Sie haben ihren Irrtum nicht erkannt. Niemand bereut seine Schlechtigkeit, niemand fragt sich: Was habe ich getan? Alle rennen auf ihrem Irrweg weiter wie Pferde, die sich in die Schlacht stürzen. Alle Zugvögel kennen ihre Ordnung und gehen und kommen zu der Zeit, die ich ihnen bestimmt habe. Nur mein Volk hält sich nicht an die Ordnungen, die ich ihm gegeben habe.‘

"Warum bleibt ihr bei den falschen Göttern und kehrt nicht mehr zu mir zurück?" Was sind die falschen Götter? z.B.: Uneinsichtigkeit – es kommt überhaupt nicht in Frage, den ersten Schritt zu tun, bevor sich der andere nicht bewegt hat! oder: Blindheit – wie heißt es im Volksmund? "Wie du mir, so ich dir." oder: Lüge – heutzutage nennt man das immer noch Kriegsberichterstattung, weil man ja nicht zugeben kann, dass das eigene Verhalten Opfer fordert. oder auch: Sturheit – jeder will immer Recht behalten und darum muss der andere einsehen, dass er Unrecht hat, selbst wenn er Recht haben könnte.

Die Folgen dieser falschen Götter erleben wir täglich und sehen wir täglich? Leid, Schmerzen, Tod, zerbrochene Menschenseelen, zerstörte Dörfer, eine verdreckte Umwelt, Spätschäden usw. Jeremia schreibt im Namen Gottes: "Warum bleibt ihr bei den falschen Göttern und kehrt nicht mehr zu mir zurück?"

Was ist demgegenüber der richtige Gott? Jeremia schreibt im Namen Gottes: Alle Zugvögel kennen ihre Ordnung und gehen und kommen zu der Zeit, die ich ihnen bestimmt habe. Þ Der richtige Gott ist derjenige, der uns im Chaos Ordnungen gegeben hat. Ich denke jetzt an die Erzählungen von der Schöpfung: Da wird erzählt, dass es am Anfang die Urflut gab. Das war ein rießen Durcheinander, ein Tohuwabohu. Da war keine Ordnung erkennbar. Leben war so nicht möglich. Über diesem Chaos, über diesem Durcheinander "schwebte der Geist Gottes" – so heißt es im ersten Buch Mose. Und dann beginnt Gott zu handeln. Er beginnt damit, das Chaos, das Durcheinander zu ordnen. Zuerst gibt es Licht. Dann wird dem Wasser und dem Land sein Ort zugewiesen. Und dann bekommen Sonne, Mond und Sterne ihren Platz und ihre Aufgabe. Þ Der richtige Gott ist derjenige, der uns im Chaos Ordnungen gegeben hat. Dadurch sind die Bedingung da, dass Leben entstehen kann: Die Fische, die Tiere auf dem Land und in der Luft, die Menschen. Und dann kommt der nächste Schritt: Þ Der richtige Gott ist derjenige, der es ermöglicht, dass in einer lebensfeindlichen Umgebung trotzdem Leben enstehen kann. Wir erleben es selbst. Es gibt weiterhin die Kräfte, die das Leben behindern, stören oder sogar vernichten. Obwohl es die lebensfreundlichen Ordnungen Gottes gibt, sind immer noch lebensfeindliche Kräfte am Werk. Und darum stöhnt die Schöpfung und wartet auf die Verwirklichung der ganzen Herrlichkeit Gottes, wie es Paulus ausdrückt.

Jeremia schreibt im Namen Gottes: Alle Zugvögel kennen ihre Ordnung und gehen und kommen zu der Zeit, die ich ihnen bestimmt habe. Nur mein Volk hält sich nicht an die Ordnungen, die ich ihm gegeben habe.‘ Der richtige Gott ist derjenige, der uns im Chaos Ordnungen gegeben hat. Und der von uns möchte, dass wir diese Ordnungen erhalten und nicht durch unser Verhalten die Welt und andere Menschen ins Chaos stürzen. Der richtige Gott ist derjenige, der es ermöglicht, dass in einer lebensfeindlichen Umgebung trotzdem Leben enstehen kann. Und der von uns möchte, dass wir danach Ausschau halten, wo Leben behindert wird, um dort einzugreifen.

Und der richtige Gott ist derjenige, der weiss, wie es den Menschen geht und der ihnen hilft ihr Leben zu gestalten und zu bewältigen. Darum kam Jesus zu den Menschen. In fünf Wochen feieren wir Weihnachten. Das Fest auf der Welt schlechthin. Kein anderes Fest wird mehr gefeiert und kein anderes Fest bleibt so unverstanden wie Weihnachten. Sie alle – wir alle wissen es: es geht um das Christkind, es geht um die Geburt von Jesus. Und das heißt: An Weihnachten geht es um den Beginn einer Geschichte, in der sich Gott und die Menschen so nahe kommen, wie nie zuvor. Und das hat ganz entscheidende Konsequenzen:

Wenn in Jesus Gott wirklich zu den Menschen gekommen ist, dann hat er sich unwiderruflich auf die Seite der Menschen gestellt, und zwar auf die Seite aller Menschen. Dann ist er nicht nur für Gerechte gekommen, sondern auch für die, die viele Fehler machen. Dann ist Gott nicht nur ein Gott für die Frommen, sondern auch ein Gott für die scheinbar Gottlosen. Darum sagt er auch Ja zu denen, zu denen wir gewöhnlich Nein sagen, zu denen, die anders sind als wir, zu denen, die anders denken und handeln als wir, zu denen, die wir manchmal verachten und geringschätzen.

Wenn in Jesus Gott wirklich zu den Menschen gekommen ist, dann wurde Gott selbst von Menschen verfolgt, verachtet und musste leiden, und dann hat Gott eindeutig Partei ergriffen für die, die um ihr Leben betrogen wurden und betrogen werden, für die, die durch ihre körperlichen und geistigen Grenzen eingeengt sind, für die, die an die Wand gedrückt und ausgenutzt werden, für die, die verlassen und einsam sind. Dann hat Gott letztendlich diese ganzen Schicksale geteilt.

Wenn in Jesus Gott wirklich zu den Menschen gekommen ist, dann wird Gott getreten, wenn Menschen getreten werden, dann wird Gott misshandelt, wenn Menschen misshandelt werden, dann wird Gott beschimpft, wenn Menschen beschimpft werden, dann ist in jedem Menschen, über dem die beiden Türme zusammengebrochen sind, Gott verschüttet worden, dann wird in jedem Menschen, der durch eine Kugel oder eine Bombe umkommt, Gott umgebracht, in Afghanistan, in Israel, in Irland oder anderswo.

Der Volkstrauertag sollte zu einem Welttrauertag werden, denn Wenn in Jesus Gott wirklich zu den Menschen gekommen ist, dann ist es unmöglich, die Menschen in feindliche Gruppen einzuteilen, die Guten und die Bösen, die Gläubigen und die Nichtglaubenden, die Christen und die Muslime, die Inländer und die Ausländer, die Weißen und die Farbigen. Dann ist es auch unmöglich im Namen von Freiheit, Gerechigkeit, Zivilisation oder gar im Namen eines Gottes anderen Menschen Gewalt anzutun.

Die Welt und jedes Volk sollte darüber trauern, dass das zu oft passiert.

Jeremia schreibt im Namen Gottes: "Warum bleibt Jerusalem bei seinen falschen Göttern und weigert sich, zu mir zurückzukehren? Ich habe genau gehört, was sie reden. Sie haben ihren Irrtum nicht erkannt. Niemand bereut seine Schlechtigkeit, niemand fragt sich: Was habe ich getan? Alle rennen auf ihrem Irrweg weiter wie Pferde, die sich in die Schlacht stürzen. Alle Zugvögel kennen ihre Ordnung und gehen und kommen zu der Zeit, die ich ihnen bestimmt habe: der Storch, die Taube, die Schwalbe, die Drossel. Nur mein Volk hält sich nicht an die Ordnungen, die ich ihm gegeben habe.’«

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