Weil wir so brav sind!?

Als gesetzlicher Feiertag wurde der Buß- und Bettag in den meisten Bundesländern zu Gunsten der Pflegeversicherung abgeschafft. Wozu brauchen wir den auch? Die düstere Stimmung jedes Jahr hier im Gottesdienst will mir einfach nicht aus dem Kopf gehen. Und was nun der Buß- und Bettag mit der Pflegeversicherung zu tun hat, konnte mir bislang noch niemand plausibel erklären.

Doch vielleicht ist es mir ja möglich diesen heutigen Tag einmal ganz anders zu verstehen. Einen Buß- und Bettag, der mich daran erinnert, und mir auch Mut macht, dass ich mich ändern kann. Ein Buß- und Bettag, der mir Hoffnung machen kann, dass die Welt besser werden kann.

Solch einen Feiertag, liebe Gemeinde, brauche ich, nicht nur heute, sondern öfter im Jahr. Und deshalb denke ich, dass es gut ist, dass wir heute diesen Tag feiern, auch wenn dieser kein arbeitsfreier Tag mehr ist.

Und gerade heute stellt sich für mich die Frage, wie können wir den Ruf zur Klarheit und Eindeutigkeit am Buß- und Bettag 2001 hören? Ein jeder und jede für sich, für sein und ihr persönliches Leben, für das Leben in unserer Gemeinde und für unser gesellschaftliches Miteinander in unserer heutigen Zeit?

[TEXT]

Bestimmt kennen Sie all das verrückte Lied, dass wir alle in den Himmel kommen, wenn wir so brav sind. Und ganz sicher haben Sie auch schon von einer Sekte gehört, die da meint, dass nur eine relativ kleine Anzahl von Menschen das Ziel der Vollendung erreicht, also in den Himmel kommt.

Beides ist falsch. Die Bibel nennt uns weder Zahlen noch Prozentanteile; und schon gar nicht lehrt sie uns, dass die ewige Vollendung eine Folge unseres Gehorsams oder wie es im dem Lied heißt, unseres Bravseins ist. Und wenn die Schrift wirklich davon ausginge, dann dürfte diese Sekte näher bei der Wahrheit liegen und vor allem dann in der Karnevalszeit.

Doch was wir im Predigttext hörten, klingt sehr ernst und stimmt uns nachdenklich. – Die Tür ist eng, und vielen wird es nicht gelingen hindurchzukommen. Es wird Heulen und Zähneknirschen geben. – Dies sind wohl die härtesten Worte Jesu, die wir von ihm kennen.

Sollen wir uns denn wirklich keine Sorgen mehr darum machen, dass sich nur noch wenige retten lassen, im Vergleich zu den vielen von uns, die das Wort hören?

Diese Frage, liebe Gemeinde, wird von Jesus dadurch zurückgewiesen, dass er diese überhaupt nicht beantwortet. Die Antwort auf diese Frage ist und bleibt ganz schlicht und einfach Gottes Sache.

Und doch denke ich, dass es bei dieser Frage wohl nur darum geht und sehr wichtig ist, ob wir gerettet werden. Darum allein geht es doch wohl in unserem Leben. Und diese Frage ist so ernsthaft, wie in einem Kampf, bei dem es um die Entscheidung von Tod oder Leben geht.

Warum ist denn alles so ernst? – Nun, weil auch gute Freunde, Bekannte, Verwandte, der uns angetraute Partner oder Partnerin und auch unsere Kinder eine verschlossenen Tür finden können.

Wir, liebe Gemeinde, die wir getauft sind und zur Kirche gehören, und unser Leben den christlichen Sitten anpassen, und auch den Mut haben uns öffentlich zu Jesus Christus zu bekennen, noch haben wir keine Sicherheit dafür, dass wir zum Reich Gottes gehören werden. Ist dies nicht eine schreckliche Aussicht für uns? Ist es denn wirklich so, dass wir vielleicht zu denen gehören, die nach Gottes Reich streben und dann doch vor verschlossenen Türen stehen werden?

Der Kampf an der engen Türe ist nicht ein Kampf gegen andere, um vor ihnen oder gar anstelle von ihnen hineinzukommen. Nein, es geht auch nicht darum, dass ich an stelle eines anderen gerettet werde.

Wir können die Gewissheit, in das Reich Gottes zu kommen, nicht einfach so, wie eine eben erworbene Kinokarte, in der Hand halten. Und es gibt hierfür auch keinen Rechtsanspruch, weil unser Teil an seinem Reich einzig und allein von der Liebe Gottes abhängig ist. Seine Liebe zu uns ist Gottes eigene Entscheidung, die wir nicht beeinflussen können.

Der Evangelist Lukas berichtet uns zu Anfang des heutigen Predigttextes, dass Jesus auf dem Weg nach Jerusalem ist. Dort erwarten ihn Verhaftung, Misshandlung und eine überaus grausame Hinrichtung. So sieht also der Weg zum Reich Gottes aus.

Und wie sieht unser Weg zum Reich Gottes aus? Und warum werden von uns so viele diesen Weg nicht schaffen? Wir gehen Irrwege und Holzwege. Oft genug führt unser Leben in eine Sackgasse und endet dort. Und oft genug erleben wir, wo wir scheitern. Und wir sehen auch unseren Nächsten und unsere Nächste scheitern. Ja, wir gehen alle den gleichen Weg und stehen dann vor der gleichen engen Tür.

Ob wir nun teilhaben dürfen am Reich Gottes hängt nicht von unserer Unbeständigkeit und Unzuverlässigkeit bzw. Beständigkeit oder Zuverlässigkeit im täglichen Leben ab. Von Gott allein hängt es ab, denn er bleibt der gleiche liebende Herr, der die Tür öffnen wird, heute, morgen und in alle Ewigkeit. Wenn wir uns auf Gott und seine Treue verlassen, dann wird uns die Tür zu seinem Reich geöffnet.

Liebe Gemeinde, nachdem Jesus den Weg zum Reich Gottes gegangen war, hatte er seine Jünger noch einmal daran erinnert, dass es keinen anderen Weg gibt: "Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?" (Lk 24,26)

Jesus ist diesen Weg aus Liebe für uns gegangen. Und diese Liebe ist für uns immer da, ob wir müde und verzagt sind oder heiter und froh. Wir brauchen ihm nur noch zu folgen, indem wir unser leichtes Kreuz auf uns nehmen; denn das schwere Kreuz hat er für uns getragen.

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