Weil Gott in tiefster Nacht erschienen

Viele christliche Gemeinde feiern heute Weihnachten. Die orthodoxen Kirchen im Osten und Südosten. Aber auch in Italien ist der 6. Januar, der Tag der Heiligen drei Könige, der Tag der Erscheinung (Epiphanias) besonders wichtig und in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Bayern ist er wenigstens noch Feiertag. Sozusagen: Kleine Weihnacht feiern wir heute. Die Geburtsgeschichten Jesu gehen zu Ende mit dem Besuch der Weisen, dem Kindermord und der Flucht nach Ägypten. Aber das Spannendste beginnt vielleicht auch erst: Wird Christus bei uns geboren – Kommt er bei uns an? Sind wir bereit das wahre Licht zu empfangen oder knipsen wir nur Lichtlein an. Die Kerzen der Weihnacht sind Symbole für das wahre Licht. Hüten wir uns davor die gemütlichen Symbole für die ganze Wirklichkeit zu halten:

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Der Hof von Jerusalem wehrt sich – aller Verstand wehrt sich gegen das Licht, dass Gott in die Welt gesandt hat. Dieser Gott ist schlicht nicht zu verstehen – darin eben Gott.

Der Apostel Paulus wehrt sich auch. Er muss sich wehren gegen Menschen, die ihn angreifen, die seine Lehre zerstören. Das tut er, wie so oft aggressiv, auch weil er die Wahrheit gefährdet sieht. Es geht ihm dabei allerdings weniger um sich selbst, als vielmehr um das Licht, das in die Welt gekommen ist. Was ihm wichtig ist, muss er betonen: Weihnachten beginnt bereits mit Schöpfungsgeschehen des ersten Tages, an dem Gott das Licht schafft. Dieses Geschehen setzt sich fort bis in das Jetzt. Für uns scheint das Licht – und wir dürfen es annehmen – und wer immer meint, er dürfte Bedingungen stellen, der ist im Irrtum.

Das Licht kommt zu denen, die es wahr nehmen wollen. Sie werden beschenkt und revanchieren sich mit Gold, Weihrauch und Myrrhe – und wer weiß womit sonst noch. Die Legenden sind voll von gaben, die die Hirten oder andere Menschen dem Kinde bringen. Und sagen doch nur das Eine: Auch ich kann dem Kind etwas bringen. Ich bin nicht verpflichtet, aber die Dankbarkeit für das Licht kann mich dazu bringen, dem Kind in der Krippe und dem Herrn am kreuz meine Liebe zur Verfügung zu stellen, meine Fähigkeiten, etwas Gutes zu tun.

Es ist toll, was Gott mir alles zutraut. Dazu gehört auch die Gabe, niemanden verloren zu geben. Darum eifert Paulus so sehr, weil er spürt, was Gott ihm zutraut und zugleich oft sieht, dass er nicht recht zum Ziel kommt, dass es Gegenmächte gibt, die einen Erfolg seiner Mission verhindern. Da ist er manchmal recht schnell mit Worten der Verdammnis. Vielleicht haben wir ihm gegenüber den Vorteil der Kirche mit Erfahrung. Wir können sie immer neu wahrnehmen, unsere Verantwortung für die, die das Evangelium von uns hören müssten, die einen moralischen Anspruch haben, dass wir ihnen sagen, was wichtig ist für ihr Leben, dass wir Lichtträger für sie werden können. Wir können immer wieder neu anderen das Evangelium sagen und müssen nicht verzagen, wenn wir nicht zum Ziel gelangen.

Dazu gehört auch das Tun der Sternensinger, die dieser Tag überall unterwegs sind, ihr Lied singen und den Segen Gottes an die Haustüren schreiben. Ein tolles Geschehen: Sie bringen den Segen Gottes zu den Menschen ohne viel zu reden und viel zu tun, einfach durch ihr Auftreten und durch ihre Sendung. Und sie sammeln dabei für Menschen, die in Not sind. Sie bringen damit doppelt Segen, den Besuchten und den Menschen in der 3. Welt, für die sie sammeln.

Diese Sternensinger können ein Beispiel abgeben für uns: Wir sind wie die Weisen, die einem Stern folgen und zugleich die TrägerInnen des Lichts. Wir empfangen das Licht Gottes und tragen es zu den Menschen. Aus uns heraus will das Licht leuchten. Gott wählt sich uns zu seinen ApostelInnen und ZeugInnen. Darum kann auch unsere Nacht nicht traurig sein: 56,1-5 (Weil Gott in tiefster Nacht erschienen).

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