Weihnachtsvorbereitungen …

Liebe Gemeinde!

Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen … In vielen Nächten ist es stockdunkel, finster, lange Zeit. Und irgendwann wird es dann – und sei es nur für einen Moment – lautlos still. Dann hört man den ersten Vogel leise rufen. Noch ist es dunkel, doch etwas hat sich verändert. Man spürt: die Nacht ist bald überwunden. Ein zartes, pastellfarbenes Rot erscheint manchmal am Horizont. In der Mitte der Nacht ist der Anfang eines neuen Morgens verborgen. Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.

Erinnern Sie sich noch, wie es war? Es ging Ihnen damals gar nicht gut. Vielleicht waren Sie sehr krank. Vielleicht mussten sie mitansehen, wie ein lieber Mensch leidet und konnten nicht helfen. Vielleicht beschattete ein große Frage, eine herbe Enttäuschung ihre Seele. Es ging ihnen nicht gut und sie konnten damals nicht ahnen, wie es weitergeht. Es war ihnen zum Heulen zu Mute.

Doch irgendwann, vielleicht war es ja die Antwort auf ihr Gebet, irgendwann, als es ganz still war in ihnen, da veränderte sich etwas. Auf einmal war in Ihnen wieder Hoffnung, sie spürten förmlich: es geht jetzt in die richtige Richtung, die Talsohle ist durchschritten. Ein langer Weg lag noch vor ihnen. Doch sie hatten die Hoffnung endlich wieder: es wird vielleicht vieles anders, aber es wird wieder hell und gut. Und auf einmal konnten sie wieder lachen. Sie spürten wieder festen Boden unter den Füßen und waren voller Tatendrang.

Das Auf und Ab, der Wechsel zwischen hellen frohen Zeiten und dunklen Tagen spiegelt sich in der Natur und den Jahreszeiten der Kirche.

Am vergangenen Sonntag war es hier in der Kirche dunkel. Die Namen der Verstorbenen wurden verlesen, so manche Träne wurde geweint. (Hier in Schauernheim starb am Abend des Ewigkeitssonntages noch ein lieber Mensch und wurde am Mittwoch beigesetzt).

Doch heute morgen wurde hier die erste Kerze am Adventskranz entzündet. Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Ewigkeitssonntag – all die dunklen Tage liegen heute hinter uns. Und wir schauen nicht zurück, wir schauchen nach vorn, auf die erste Kerze. Sie bringt die Vorfreude auf Weihnachten mit sich.

Auf dem Mannheimer Weihnachtsmarkt wurde am vergangenen Mittwochabend durch die Hand des Oberbürgermeisters ein Lichtschalter umgedreht – und Millionen von Glühlampen erstrahlten, der glühweihnbecherromantische Hüttenzauberrummel konnte beginnen, umräuchert von viel verbrauchtem Fett der weihnachtlichen Bratwurstbraterei.

In unserer Kirche sind wir etwas bescheidener: nicht Millionen Lichter brennen, wir zünden eine Kerze an. Denn wir haben es ja selbst immer wieder erlebt: der Übergang vom Dunkel zum Licht, von der Trauer in Freude, vollzieht sich allmählich. Die erste Kerze, – sie steht für den Weckruf der Amsel in dunkler Nacht.

Aber auch wenn nur eine einzelne Amsel einsam ruft, auch wenn heute nur eine Kerze brennt, die Gewissheit ist da: es wird wieder Tag, es wird wieder gut, Weihnachten kommt gewiss.

Die Adventszeit ist für viele eine der schönsten Jahreszeiten. Auch wenn es draußen novemberlich kalt und feucht und ungemütlich ist, im Haus ist es behaglich, Gebäckdüfte locken und viele Wohnungen sind stimmungsvoll geschmückt.

Viele ist zu tun bis zum Fest. 24 Tag sind noch Zeit. Der mutmaßliche Anblick leuchtender Kinderaugen am Festtag der Liebe treibt Menschenmengen in die Läden und Geschäfte. Es wird viel gekauft und gebacken und geschmückt und gebastelt und geputzt und bestellt und umgetauscht und eingeübt und usw ….
Es gibt viel zu tun. Das alles sind ja nicht nur Äußerlichkeiten, die von weihnachtshysterischen Hausfrauen und Großmüttern unermüdlich vorangetrieben werden. Nein, der äußere Rahmen bis hin zur geschmackvollen Auswahl der Servietten an der Festtafel muss in unseren bürgerlichen Breitengraden schon stimmen.

Aber wir wissen auch. Das Fest der Liebe ist nur dann gelungen, wenn auch die innere Chemie der Beteiligten stimmt.

Im Predigttext heißt es: Seid niemandem etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt!

Eine Bekannte erzählte mir. Das Verhältnis zu meiner Schwester lag nun schon seit Jahren auf Eis. Ich versuchte, ihr aus dem Weg zu gehen. Aber ausgerechnet an den Weihnachtstagen, wenn ich bei meiner Mutter war, musste ich doch immer wieder an sie denken, wie schön das doch war, früher, als wir noch ein Herz und Seele waren. Aber das war lange her und seitdem ist soviel passiert.

Und dann las ich im Gemeindebrief meiner Kirchengemeinde das Vorwort: da war ja auch von Weihnachten und besinnlicher Adventszeit usw. Die Rede, wie beinahe jedes Jahr.

Aber diesmal gab es mir einen Stich ins Herz. Unwillkürlich musste ich an meine Schwester denken. Ich verordnete mir ein paar Tage Bedenkzeit, – dann schrieb ich ihr tatsächlich einen langen Brief. Sie hat mich sofort nach Erhalt zurückgerufen. Noch ein bisschen reserviert waren wir beide schon.

Wir haben dann noch öfters am Telefon miteinander geredet. Über vieles, was uns auseinander gebracht hatte, wurde gesprochen, fair und ehrlich.

Ich hatte es ja anfangs gar nicht für möglich gehalten, dass unser Verhältnis noch einmal eine solche Chance bekommen konnte.

Weihnachten habe ich dann viel intensiver erlebt als sonst. Als dann in der Kirche vom Licht Gottes, das in der Finsternis aufleuchtet und vom Frieden die Rede war, da spürte ich:

ich hab´s einfach gewagt diese dunkle Stelle in meinem Verhältnis zu meiner Schwester nicht mehr unter den Tisch zu kehren, sondern zu beleuchten – und es hat sich gelohnt. Ich hätte jubeln können.

Das Fest der Liebe ist nur dann gelungen, wenn auch die innere Chemie der Beteiligten stimmt.

Ein paar Fragen für unsere weihnachtlichen Vorbereitungen: Mit wem feiern Sie in diesem Jahr Weihnachten? Wir es ein fest wie jedes Jahr oder ist manches anders? Was wird vermutlichaners sein? Wird Ihnen jemand fehlen? Freuen Sie sich auf das Fest? Was ist immer besonders schön? Wir das diesmal wohl auch so sein? Oder gibt es etwas, was ihre Freude schon heute eintrübt, wenn Sie an Weihnachten denken? Was müssen die anderen tun, damit ihr Fest schön wird? Was erwarten Sei von Ihnen? Wissen alle, was sie sich insgeheim von dieen Festtagen erwarten? Können Sie es merken, oder verstecken sie ihre Wünsche? Was können Sie dazu beitragen, dass es diesmal an Weihnachten richtig schön wird? Was wäre der erste Schritt?

Ich kann natürlich nicht wissen, was sie sich bei der einen oder anderen Frage gedacht haben. Aber sie merken: Es gibt auch eine Menge zu tun, wenn die innere Seite am Fest stimmen soll.

Seid niemandem etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt!

Uns allen sind 24 Tage Zeit geschenkt, uns auf Weihnachten einzustimmen. Wo ist es noch dunkel? Welche trübe Stelle in ihrem Herzen wartet darauf, endlich beleuchtet zu werden?

Vielleicht spüren Sie. Es ist an der Zeit. Ich muss jetzt auch einen Brief schreiben. Ich probiere es noch einmal, ein klärendes Gespräch am Telefon zu führen. Vielleicht wartet irgendwo jemand auf ihren Besuch? Vielleicht wollen Sie schon lange mal jemand eine Freude machen, obwohl er oder sie gar nicht damit rechnet? Vielleicht packen Sie mal wieder ein Päckchen? Die kommen immer gut an und sorgen für Freude beim Auspacken?

Nutzen Sie die Adventszeit. Die erste Kerze brennt und hat hoffentlich ihre Vorfreude auf ein gelungenes Fest in ihnen wachgerufen.

Sie fragen sich: Woher soll ich den die Zeit für all das hernehmen? Gewiss, es wäre schon schön, sich innerlich einzustimmen und vielleicht auch mal selbst zur Besinnung zu kommen bei all dem Stress. Aber jedes Jahr läuft mir gerade in der Adventszeit die Zeit davon. Wenn es ihnen auch so geht, dann habe ich da zum Abschluss einen Vorschlag. Vielleicht kann sich ja der eine oder die andere von ihnen darauf einlassen. Das wäre schön.

Wenn Sie heute abend die Tagesschau oder einen Film gesehen haben, dann gehen Sie bitte zu Ihrem Gerät, schließen für einen Moment die Augen und dann ziehen sie beherzt am Stecker. In den ersten Tagen ohne Fernsehprogramm werden Sie vielleicht sehr unruhig sein, ständig denken, dass sie etwas versäumen.
Vielleicht werden sie zunächst gereizt sein, sich mit ihrem Ehepartner streiten, aufgeregt sein wie ein jemand, der sich das Rauchen abgewöhnen will, in den ersten Tagen seiner Abstinenz.

Halten sie durch: Sie verlieren nichts. Sie gewinnen unendlich viel Zeit, Zeit, die sie nutzen können, um sich innerlich wie äußerlich auf Weihnachten vorzubereiten. Jetzt können Sie endlich ihre Briefe schreiben, neue Plätzchensorten backen, Päckchen packen, Besuche machen, sich überlegen, wie sie mit ihm oder ihr ins Lot kommen. Wertvolle Zeit, um endlich mal das Buch zu lesen, Zeit auch um zu beten, innerlich zur Ruhe zu kommen, zu meditieren. Wir alle sehnen uns doch nach wirklicher Stille.

Nach einer Woche werden sie merken: ich komme auch ohne aus. Wenn sie die dritte Kerze anzünden, stellen Sie fest: es ist gut so. Und am Weihnachtstag machen Sie sich selbst ein Geschenk. Sie packen sich ein Päckchen. Sie nehmen das Gerät, stellen es in einen Karton. Und den Karton tragen Sie dann in den Keller oder auf den Dachboden.

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Adventszeit!

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