Weihnachten ist da

Weihnachten ist da, Gott sei Dank – und Weihnachten ist in unserem Bibelwort schon wieder gegangen.

Aber zunächst einmal ist es da: Weihnachten, der Heilige Abend mit allem, was dazu gehört: Mit all unseren Erwartungen, mit der ganzen Unruhe, die wir in diesen Wochen von Tag zu Tag mehr zu spüren bekamen und die am Ende – wir wollten’s nicht, nein, nein: wir wolltens ganz entspannt angehen dieses Jahr – uns selbst ergriffen hat. Und er ist da mit seinen guten Worten: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot ausging von dem Kaiser Augustus, dass alle Welt geschätzt würde … und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe.“ – Weihnachten ist da, der Heilige Abend: Gesegnete Weihnachten!

Wir schauen uns in Gedanken in dem vertrauten Bild um, Maria, Josef, das Kind in der Krippe, Ochs und Esel. Wir sehen das Kind in der Krippe, sehen, staunen über das kleine Leben. Wir wissen mehr, wissen, was Maria und Josef erst ahnen: Was für ein Mensch das sein wird, welche Hoffnungen sich an ihm erfüllen, welche Zusagen Gottes in ihm Gestalt gewinnen werden – doch nun lassen wirs erst einmal Kind sein.

Zeit, einen Schritt zur Seite zu treten. Die Hirten werden bald kommen, dann die drei Weisen und wer weiß, wer noch alles da gewesen sein wird – und wir mit unserer Vorstellung. Wir verweilen mit unseren Gedanken, sehen, suchen zu mit dem Kopf zu verstehen, was das Herz schon begriffen hat indessen sich der Stall langsam wieder leert, Ruhe einkehrt, der Glanz den Augen entschwindet – aber dem inneren Auge bleibt er erhalten. Wir werden ihn bewahren, aufmerksam, damit er in diesen Tagen nicht zu bürgerlich-billigem Religionskitsch verkommt.

Dieser Heilige Abend. – Und indessen wir den guten Worten und den alten Bildern nach­sinnen, überlegen, was uns da geschieht, welche Folgen das hat, bei mir haben soll, darf nun auch das Bibelwort für diesen Abend an uns herankommen:

[TEXT]

Der den Brief schreibt, bedenkt die Folgen der Weihnacht „Uns ist erschienen die heilsame Gnade Gottes“ – Ja, das ist es: Die Barmherzigkeit Gottes ist in Jesus Christus sichtbar geworden. Darüber braucht nun kein Wort verloren werden. Das ist offensichtlich. Jede, jeder kann’s erkennen, wenn der Blick noch einmal auf Gottes Geburt im Stall fällt. Schauen Sie sich doch im Bild dieser Weihnacht um: Gott hält es nicht mehr bei sich aus – um unsretwillen wird er Mensch. Gott geht über sich hinaus und wird Mensch, erscheint, damit wir heil werden.

Das ist geschehen in dieser Nacht, in der Heiligen Nacht. Und nun weiter: „Sie – Gottes Gnade – bringt uns dazu, dass wir uns von aller Gottlosigkeit, allen selbstsüchtigen Wünschen trennen, dafür aber besonnen und rechtschaffen leben, so wie es Gott gefällt. Im Stall geht’s anders zu als irgendwo draußen im Leben: Ich betrete den Stall mit meiner ganzen Sehnsucht nach sinnvollem, geheiltem Leben. Und dann sehe ich, was da ist. Weihnacht nimmt meiner Lebenssehnsucht, meiner Lebensangst den Atem. Ich erkenne: Leben hat Zukunft. In diesem Kind. In diesem Mann. Dieser Jesus ist Messias, Gottes Sohn, wahrer Mensch – ja, wahrhaftig: wahrer Mensch – und wahrer Gott. Und Gottlosigkeit endet. Und die Selbstsucht: Wir brauchen unsere Armut nicht mehr selbst befriedigen, brauchen nicht mehr als blinde Bettler am Weg zu stehen und andere Bettler um ein bisschen Leben anpumpen – uns steht der Weg zu Ihm offen – zum Stall, zum Kreuz, ins Gebet – und der ganze Reichtum der Neuen Schöpfung, der Kinder Gottes: „Bittet,“ hat er gesagt, „so wird Euch gegeben.“ (3) Im Stall geht’s anders zu als irgendwo draußen im Leben: Da ist das Kind. Da ist Leben, das beschützt sein will: Kein Raum für schnellen Blick, schnelles Urteil, kein Raum für lose Worte, kein Raum für Ellenbogen. Dieses kleine Leben – wie jedes kleine Leben – nimmt die Augen und die Herzen gefangen, setzt Prioritäten neu: Dieses kleine Leben will ich nicht verletzen – nicht mit Worten, mit nichts. Besonnenheit und Rechtschaffenheit leben auf. Wie hat der Profet damals gesagt? Der Tag, an dem Friede und Gerechtigkeit sich küssen. – Der Tag erscheint plötzlich so nah … (4) Denn wir warten darauf, dass sich bald erfüllt, was wir sehnlichst erhoffen, dass unser Herr und Erlöser Jesus Christus in seiner ganzen göttlichen Herrlichkeit und Größe erscheinen wird. Wir werden aus dem Stall entlassen. In den Allag? Nein: In diesen Abend. Und durch diesen Abend und die Tage hindurch in den Advent. Selbst dann, wenn alles so bleibt, wie es war, wenn sich das Grau wieder über den Glanz dieser Nacht legt, bleibt doch die Erwartung auf mehr. Wir waren dabei – mit dem inneren Auge, mit der Erinnerung waren wir dabei bei der Geburt Gottes. Und wir erinnern: Dieser Jesus wird wiederkommen. Geschichte geht nicht einfach so weiter, als ssei nichts gewesen: Geschichte, die Geschichte dieser Welt, die Geschichte Ihrer, meines Lebens hat nun ein Ziel: Ihn. Er wird wiederkommen. Er steht für unsere Zukunft ein. (5) „Er hat sein Leben für uns gegeben und uns von allem Bösen und von aller Schuld befreit. So sind wir sein Volk geworden; bereit, ihm dankbar zu dienen.“ Daran erinnert uns Titus noch im Hinausgehen, indessen die Tür sich schliessen will: Dieser kleine Mensch da in der Krippe ist Mann geworden, hat alles getan, was es braucht, dass wir Gottes Kinder sind. Und nun können wir uns auf den Weg machen in den Abend, durch die Nacht, durch die Tage und Nächte unserer Leben und der Welt und können leben: entschuldet, entspannt, als sein Volk zur Dankbarkeit befreit. Wir werden gehen: In unserer begrenzten Lebenszeit ein paar Schritte auf dem Weg zum Reich Gottes. Wir werden’s nicht schaffen, das Reich Gottes; ebenso wenig, wie wir die Weihnacht damals aus dem Reich des Erinnerns in die Gegenwart holen können, können wir diesen letzten Advent herbeizwingen. Wir werden’s nicht schaffen – dafür sind wir nicht geschaffen: Sie nicht, ich nicht. Aber dem Herrn den Weg bereiten, Liebe einüben, Gottes Gebot auf der Prioritätenliste unserer Leben höher einstufen bis er uns alles in allem ist so, wie er uns alles in allem sein wird, wenn er kommt – das können wir. Und dann ist es gesegnete Weihnacht.

Mit diesen Gedanken schauen wir uns noch einmal im Stall um: So viel. Hätten Sies gedacht. „Uns ist erschienen die heilsame Gnade unseres Gottes.“ „Es begab sich aber zu der Zeit … und gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln … und das Wort wurde Fleisch und lebte unter uns …" Und dann können wir uns wieder aufmachen, immer wieder zurückschauen und dann den Blick wieder nach vorne richten: Und Gott kommt uns von vorn entgegen.

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