Wege im Sinne Jesu?

„Wenn ihr euch nicht ändert, werdet ihr alle genauso umkommen“ Eine Antwort Jesu, die unter die Haut geht. Sie macht uns unruhig. Sie lässt jetzt schon unser Herz erzittern. Wer von Ihnen kennt das nicht, dieses Zittern im Innern? Wenn wir zu Tode erschrocken sind, uns der Atmen stockt und wenn die Knie weich werden?

Oft kommt es uns so vor, als wolle das Leben uns strafen für alles, was wir falsch gemacht haben, was wir an Sünde und Schuld auf uns geladen haben. Doch bei genauerem Hinsehen entdecken wir, dass wir schon längst zwischen brennenden Autoteilen verkohlt wären oder im Meer ertrunken wären oder von einer schlimmen Krankheit dahingerafft worden wären, wenn Gott das vergelten würde, was wir eigentlich verdient hätten.

Doch an der Grenze zwischen Leben und Tod da ist uns Gott immer ganz nahe. Dann hat er uns verschont, bewahrt und gerettet.

Wenn ihr nicht Buße tut, ja, bekehrt euch zu mir mit ganzem Herzen, läßt uns Gott durch den Propheten Joel sagen, mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen. Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider, und bekehrt euch zum Herrn eurem Gott! Auch Jesus rief uns Menschen zu demselben inneren Wandel unserer Herzen auf.

Liebe Gemeinde, Buße ist also mehr, als sich nur zu entschuldigen. Buße enthält maßgeblich, so denke ich, die Entscheidung meine Sünden hinter mir zu lassen und mich Gott zuzuwenden. Jesu Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner, nachzulesen bei Lk 18, 9 – 14, zeigt uns die Wichtigkeit, die Jesus dem inneren Wandel zumißt.

Die Botschaft von Jesus verbindet Buße und Glauben. Wir sollen uns von unserer Sünde zu Gott wenden. Die Buße kommt nicht selbstverständlich zu uns. Sie ist ein Geschenk Gottes.

Als wir Jesus kennen gelernt haben und wir uns mit ihm beschäftigt haben und es auch weiterhin tun werden, ja, dann liebe Gemeinde, tun wir Buße. Es gibt keinen anderen Weg für uns zu Gott. Und was Gott mit uns vorgehabt hat, das ist in Jesus Wirklichkeit geworden.

Er ist der Feigenbaum, den Gott in seinen Weinberg gepflanzt hat, der Frucht gebracht hat, von der wir alle leben. Von uns können wir das leider nicht sagen. Und wer von Ihnen am Baum der Menschheit Früchte sucht, wie Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Glaube, Sanftmut und Keuschheit, der wird sie wohl nur selten finden, weil diese Früchte einfach nicht da sind.

Das Gleichnis vom Feigenbaum, welches Jesus uns erzählt hat, fragt uns nach der Frucht unseres Lebens. Und diese Frucht wird davon abhängen, mit wem wir mehr sympathisieren, mit denen die da denken alles mit Gewalt zu erledigen, oder mit denen, die mit uns auf dem Wege Jesu sind, ja, auf seinem Weg der gewaltlosen Liebe.

Liebe Gemeinde, wer von uns Früchte am Baum der Menschheit sucht, der wird sie nur selten finden. Und weil die Früchte nicht da sind, gewinnt der Ruf des Johannes dem Täufer und Jesu Ruf: „Tut Buße, dann ist das Himmelreich da“, eine ganz neue Bedeutung.

Dieser Aufruf an das jüdische Volk von damals, der gilt uns auch heute noch. Wir sollen Menschen werden, wie Jesus einer war. Geschieht dies allerdings nicht, dann hat unser Leben keinen Sinn mehr. Gott hat uns nicht geschaffen, dass wir uns gegenseitig ausrotten.

Wenn Gott so wäre wie wir, dann würde er möglicherweise eine neue Sintflut kommen lassen. Er tut das aber nicht.

Gott hat Geduld. Gott hat keine Freude am Abbauen und Umhauen. Nein, Gott hat keine Freude am Zerstören. Aber, er sucht nach Früchten. Jahrelang kann er auf Früchte warten, auf Dankeszeichen für seine Fürsorge, auf unseren Dank, mit Herzen, Mund und Händen. Ja, Gott kann jahrhunderte lang warten. Er wartet seit jahrtausenden auf unser christliches Abendland. Er hat Geduld. Statt eines Gerichtes kommt Jesus und wirbt um uns: „Tut Buße“!

In Jesus Christus gewinnt die göttliche Geduld und zugleich seine Barmherzigkeit Gestalt. Wir sollen neue Menschen werden und Frucht bringen. Dies kann keine Philosophie, keine Sozialdemokratie, keine Diktatur schaffen. Das kann nur Jesus. Sein Bußruf schafft neues Leben und neue Frucht.

In Jesu Ruf nach Buße steckt seine Verheißung, dass wir wieder Menschen nach Gottes Ebenbild werden sollen. Buße ist ein neuer Anfang Gottes mit uns. Gott will durch die Buße unsere Vollendung und Herrlichkeit.

Heute am Buß- und Bettag sollten wir uns deshalb fragen: Waren unsere Wege, die wir bislang gegangen sind, Wege im Sinne Jesu, Wege, die auch Frucht gebracht haben? Was haben wir mit unserer Zeit gemacht? Haben wir diese zu unserem eigenen Wohlwollen genutzt? Oder hatten wir auch Zeit für andere, für unsere Nächste und Nächsten? Hatten wir auch Zeit für Gott?

Wenn wir heute am Buß- und Bettag erkennen, dass wir in unserer Vergangenheit viele sinnlose und ebenso fruchtlose Wege gegangen sind, Wege, die beispielsweise nur zu unserem Vergnügen dienten, dann wäre es für uns alle ein hoffnungsvoller Schritt getan, wenn wir diese alten Wege verlassen würden und uns auf andere, neue Wege begeben würden, auf denen Gott unsere Früchte in unserem Leben erkennen kann.

drucken