Was wird noch daraus?

Als die diamantenen JubilarInnen unter uns konfirmiert wurden, war Krieg, wie heute im Irak. Sie können – denke ich – genauso wie die anderen JubilarInnen und ihre Angehörigen nachfühlen, was das heißt: Krieg. Speziell auch Krieg für die Menschen, die daheim sind – mehr oder weniger geschützt, die Kinder, die Kranken, die Alten, die Frauen. Dieses ohnmächtige Gefühl, nichts tun können, außer sich fürchten. Dieses Gefühl erleben Menschen öfter, bei Kriegen ist es wohl ganz besonders stark.

Kriege sind Teil der Menschengeschichte – auch unserer Kirchengeschichte – kein besonders rühmlicher Teil gerade der christlichen Kirchen. Darum sollten wir gerade in diesen Tagen auch die Ansicht zurückweisen, der aktuelle Krieg sei in irgendeiner Weise christlich zu begründen. Einen heiligen Krieg gibt es nicht. Krieg ist immer etwas Schmutziges, selbst dann, wenn er womöglich geboten scheint. So viel sollten wir aus der Geschichte der christlichen Kirchen gelernt haben.

Gerade die Geschichte unserer Kirche beginnt ja mit einer Gewalttat, dem Kreuz, das als Symbol auch die drei Kirchen unserer Gemeinde ziert. Es ist kein schönes Symbol – ein Symbol dafür, wie schmutzig Menschen mit Menschen umgehen, wie schmutzig Menschen mit dem Sohn Gottes umgegangen sind – und noch heute umgehen. Von dem Beginn dieser Geschichte erzählt unser heutiger Predigttext:

[TEXT]

Es kann mich beruhigen, dass auch die Jünger nicht verstehen, was ihre Augen sehen. Sie brauchen weitere Erlebnisse mit Jesus. Sie brauchen Ostern. Ihr Unverständnis ist heute noch genauso aktuell, wenn wir ehrlich mit uns selber sind. Dass die Jünger nicht verstehen, was da vor ihren eigenen Augen geschieht, entspricht der Tatsache, dass die ganze Passion erst von Ostern her beschrieben werden kann – auch wir können das Geschehene, können die Passion nicht verstehen ohne Ostern.

Alle Aktivität geht vom Volk aus. Jesus wird wie ein König feierlich hereingeholt. Gerade bei Johannes geschieht alles recht zufällig: Die anwesenden Festspilger, der zufällig gefundene Esel. Alles zufällig und doch nach Gottes Plan. Gerade in Zufällen lässt sich mitunter Gottes Plan recht deutlich erkennen. Gerade wenn ältere Menschen mir von den vielen Zufällen ihres Lebens erzählen, enden sie mitunter: Es hat sich doch alles gut gefügt. So auch hier: es fügt sich ganz gut. Die Geschichte Gottes mit den Menschen fügt sich ganz gut – allerdings nicht für den Menschen Jesus – aber für uns!

Bei der Geschichte vom Einzug gibt es im Wesentlichen gibt zwei Volksgruppen. Beide sind fehlgeleitet. Die einen, weil sie die Wunder Jesu (die Auferweckung des Lazarus direkt vorher) in ihren Erfahrungshorizont einreihen und einen König krönen wollen, die anderen, weil sie Angst um das Bestehende haben. Beiden fehlt die Vision von etwas grundsätzlich Neuem. Beide begreifen nicht, dass es um den geht, der die Auferstehung und das Leben ist. Sie haben die Lehre Jesu vielleicht begriffen, aber nicht angenommen, nicht in ihr Leben hineingenommen. Sie haben sich ein Bild gemacht von diesem Jesus und dieses Bild steht für sie für das Ganze.

Die Einen rufen darum folgerichtig: Kreuzige ihn, die anderen laufen weg vor dem Kreuz, weil sie es nicht ertragen können. Einige Wenige – vor allem Frauen bleiben standhaft.

Mit seinem Eselchen widerspricht Jesus allem, was hoch zu Ross daherkommt – auch uns! Gerade uns, wenn wir meinen, wir hätten alles im Griff und wüssten alles – viel besser. Die demütige Haltung des Reiters auf dem Esel kann uns lehren, unsere Grenzen zu erkennen und die Kraft Gottes in der Schwäche zu suchen.

Die Führer, die Pharisäer, die theologischen Experten müssen ihre Ohnmacht eingestehen und tun das, was heute noch ohnmächtige Mächtige gerne tun. Sie blasen zum Angriff ohne Rücksicht auf Verluste. Wir müssen bei uns selber anfangen nach diesen Motiven zu suchen, wo wir dreinschlagen möchten, nur weil wir das Geschehen nicht verstehen.

Die Hosianna-Geschichte verrinnt im Sand – erst einmal? Kommt sie bei mir an – oder lasse ich sie in der Vergangenheit ruhen. Begreife ich den Widerspruch gegen unsere Weltordnung, der in diesem Eselsreiter liegt?

Die Situation bleibt offen – für mich? Es bleibt die Frage: wer ist dieser Mann auf dem Esel für mich persönlich?

Wenn wir uns heute an die Konfirmation vor 50, 60 oder mehr Jahren erinnern, dann erinnern wir uns auch an den Lebensweg, den wir seitdem gegangen sind. Ein bisschen wie damals: die Festgemeinde hörte ein Gerücht: Es bringt sie in eine Bewegung zu Jesus hin. Sie bekennen sich zu ihm und rufen Hosianna – Was ist daraus geworden – was wird noch daraus?

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