Was sollen wir tun?

Wir haben eben das Evangelium nach Matthäus 16 gehört. Darin sagt Jesus zu Petrus: "Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen." Jesus sagt es zu einem Menschen, der alles andere als ein Fels in der Brandung ist. Er ist von Beruf Fischer, ein begeisterter Anhänger Jesu, der auf sein Wort hin übers Wasser geht, der bereit ist seinen Freund und Meister mit dem Schwert zu verteidigen. Doch er ist auch ein Versager, ein Zauderer, ein Kleinmütiger und Wankler, ja ein Verleugner. "Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht." (Matthäus 26,74) Und dieser Petrus hält am Pfingsttag seine erste Predigt. Sie klingt zunächst in meinen Ohren nüchtern, formelhaft und schematisch. Hören wir sie uns an:

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Seine Predigt ist klar aufgebaut: 1. Schuldvorwurf wegen der Kreuzigung Jesu 2. Zusammenfassung des Handelns Gottes in Jesus Christus und 3. Ruf zur Umkehr und Aufforderung sich taufen zu lassen. Da gibt es keine emotionalen mitreißende Sätze. Das erstaunt mich: Nüchtern und ohne Umschweife , ohne Schnörkel redet Petrus hier. Dennoch geht es den ersten Zuhörenden mitten durchs Herz. Da gibt es keine Agitation, keine Gags wie die Werbung sie kennt, da gibt es nur schlicht Worte, die elementare Kraft haben. Ein solcher Satz, der mir zu Herzen geht, lautet: "Den hat Gott auferweckt und hat aufgelöst die Schmerzen des Todes, wie es denn unmöglich war, dass er vom Tode festgehalten werden konnte." (Apg.2,24) Pfingsten redet elementar, d.h. es redet von dem, was rettet, genauer gesagt von dem, der rettet: Jesus Christus. Er ist der Garant des Lebens: Schuld wird vergeben, Umkehr ist möglich. Damit hat Petrus bei den Zuhörenden eine starke spirituelle Erfahrung bewirkt; denn er hat ihr Herz getroffen. Und das Herz ist bekanntlich der Sitz des Glaubens. Da bewegen sie, was sie gehört haben, von da aus geht es über in den Mund und mündet in die Frage: Was sollen wir tun?

Von solch einer Rückmeldung kann man einfach nur träumen. Wobei der Traum hier und da auch einmal wahr wird. Ein interessantes Beispiel dafür ist im letzten Jahr relativ bekannt geworden. Der anglikanische Priester J. John aus Liverpool ist in England mit wortgewaltigen Predigten zum Siebten Gebot auf Tournee gegangen. "Du sollst nicht stehlen!" Mit durchschlagbarem und messbarem Erfolg. Denn nach seinen Predigten haben sich in eigens dafür aufgestellten Containern Unmengen geklauter Sachen gestapelt: Hotelhandtücher, und – bademäntel, Bücher aus Büchereien, Biergläser und Aschenbecher aus Gaststätten, Videos und auch Bargeld. Was sollen wir tun? Der Schweizer Theologe und Dichter Kurt Marti schreibt in dem Gedicht "Heiliger Geist":

Dabeisein, ja,
wenn da,
wenn dort
von untenauf
Quellen springen,
Leben sich rührt.

Dabeisein ja,
wenn die gesellige Gottheit
zu rauen,
zu reden,
zu wirken beginnt.

Dabeisein, ja,
wenn ihr Geist
Durst nach Gerechtigkeit weckt,
Mut macht zum eigenen Handeln.
Und neue Geselligkeit stiftet
z.B. mit Flüchtlingen, Verfolgten.

Dabeisein, ja,
nicht beiseite treten,
nicht weglaufen,
der Angst nachgeben,
kein Hindernis werden,
offen bleiben.

Und noch ein letztes Mal, liebe Gemeinde: "Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz, und sie sprachen……: …..was sollen wir tun?"(Apg.2,37) Offenbar eine gute Frage am Ende einer Pfingstpredigt. Und wo wir sie stellen würden, wären wir in guter Gesellschaft, nämlich wahrhaftig in der Gesellschaft Jesu.

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