Was man von Christen erwarten darf …

Wenn Jugendliche über Kirche reden, dann fallen ihnen mitunter so Aussprüche ein, wie ‚nur für alte Leute’ oder ‚Wie doof …’ oder auch nur einfach ‚ätzend’. Manche (auch Ältere) weisen dann auch noch hin auf den Reichtum der Kirche oder auf den Abendmahlsstreit zwischen den beiden großen Konfessionen), der im Moment die Medien beherrscht. Aber was erwarten wir eigentlich von Kirche. Oder muss ich exakter mit Jesus fragen: Was darf ich erwarten von Menschen, denen das Evangelium am Herzen liegt? Um die Frage geht es nämlich Jesus in einem Gleichnis:

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Das Interesse in unserer Geschichte liegt auf dem Konflikt mit dem dritten Knecht! Das Ergehen der beiden anderen Knechte bildet den Kontrast. In einem Gleichnis darf man nie für jedes Detail eine Entsprechung suchen. Das wäre gerade in diesem Gleichnis fatal: Dann müsste ich Gott beschrieben als eine Herrn, von dem gilt: ‚du bist ein harter Mann: du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast.’ Das ist wohl kaum gemeint. Wie gesagt das Augenmerk sollte bei dem dritten Knecht bleiben, der ja nicht unsympathisch ist.

Er tut eigentlich genau das Richtige. Es gibt keine Anweisung, also riskiert er nichts, sondern tut das, was zu seiner Zeit die höchste Sicherheit versprach. Denn auf einer Bank war es damals bei Weitem nicht so sicher wie heute. Die anderen gehen ein hohes Risiko ein; denn wer ein Vermögen verdoppelt (egal in welcher Zeitspanne), der kann das nur über spekulative Anlage und Handelsformen tun. Der dritte Knecht hat subjektiv alles richtig gemacht und ist zu loben. Er spekuliert nicht und spielt nicht, er gibt auch nicht alles den Armen oder gönnt sich selber mal was Gutes. Er hortet.

Dieser dritte Knecht kann darum recht selbstbewusst seine Sache unversehrt zurückgeben. Er hat ein klares Bild von seinem Herrn, deswegen war für ihn Absicherung das Gebot der Stunde – nur nichts riskieren. Ein paradoxes Sicherheitsstreben mit dem Wunsch nur ja nichts falsch zu machen, kennzeichnet ihn. Aus Angst wagt er überhaupt nicht etwas zu unternehmen.
Der Vorwurf trifft ihn darum unvorbereitet aber um so härter: Er hat an sich und seine Absicherung gedacht, an mehr nicht! Selbstabsicherung als Veruntreuung könnte man das Thema formulieren.

Der dritte Knecht erinnert mich an Menschen, die es schon als Kinder niemandem recht machen konnten. Ihm fehlt das Gespür dafür , was er aus eigener Kraft kann, was er sich ‚erlauben kann’. Er hat Reichtümer in der Hand, aus denen er etwas machen könnte. Aber er hat Angst! Das lähmt ihn. Seine Angst hindert ihn daran, sich zu bewegen.

Jesus möchte den Menschen, die ihm zuhören Mut machen: Mut, sich etwas zuzutrauen, sich nicht einschüchtern zu lassen. Wenn schon ungerechte Herren in dieser Welt das Recht haben, etwas zu erwarten, um wie vielmehr sollte Gott, der uns liebt, nicht auch erwarten dürfen, dass wir unsere Gaben gebrauchen um seine Gemeinde zu leben. Es entspricht dem Geld, dass es Geld machen will. Um wie viel mehr könnte es nicht der Liebe entsprechen, dass sie Liebe machen will? So wie wir unsere Verantwortung vor dem Besitz wahrnehmen, können wir auch unserer Verantwortung für das Evangelium wahrnehmen.

Niemand ist gezwungen Früchte zu bringen, die sein Baum nicht trägt, jeder hat seine Talente, mit denen er wuchern kann. Ziel ist unsere Bereitschaft etwas einzubringen. Auch wenn wir den Segen zu Recht erwarten dürfen, so bleibt für uns noch genug zu tun: Gott vertraut uns so viel an und er beruft uns als seine MitarbeiterInnen.

Wir dürfen uns in dieser Berufung bewähren und vielleicht gehört dieser dritte Knecht zu denen, die nichts tun, aber alles besser wissen. Vielleicht ist das so einer, der Kirche betrachtet und weiß, wie alles besser sein könnte, aber selber seine Talente schlummern lässt. Mji8r persönlich sind da die lieber, die etwas tun, etwas vorbereiten. Sie könne damit scheitern, aber daraus wird in diesem Gleichnis keinem ein Vorwurf gemacht.

Das Ziel unseres Gleichnisses ist nicht jenes Heulen oder Zähneklappern, das am Ende steht, das ist teil einer bildhaften Beschreibung, wie es einem derart zaghaften Knecht bei seinem strengen Herrn geht. Der gütige Herr, der den verlorene Sohn in den Arm nimmt wird auch uns in seine Arme nehmen. Jesus geht es um die Aufforderung, es nicht so weit kommen zu lassen, dass wir uns faul ausruhen auf den Gaben, die wir unzweifelhaft haben.

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