Was für ein Wort?!

Und des HERRN Wort geschah zu mir. Und was für ein Wort?!

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn, liebe Gemeinde, ein gewaltiges. – Jeremia hat keine Zweifel an der Identität des Redners, ihm ist sofort klar: "Ja, da spricht der Herr, mein Gott. Und dieser Herr, mein Gott, der will mich wohl zu seinem Propheten berufen?! Mich?" – Aber an sich selbst, da hat er Zweifel. "Ich? Ich habe keine Worte. Ich gehöre nicht zu den Ältesten! Ja, die haben Wort, viele Worte … Frage doch besser einen von denen. – Und ich bin viel zu jung, als dass man auf meine wenigen Worte hören möchte."

Gottes Wort, Gottes Antwort? – "Du brauchst keine Angst zu haben. Ich rette Dich, das ist sicher. Und es sind nicht Deine Worte, sondern meine! Meine Worte, die habe ich an dich bereits vor aller Zeit gerichtet, lange, lange vor deiner Geburt." – Auf die Ausrede, Jeremia sei zu jung, geht er überhaupt nicht ein. Nein, für Gott gibt es kein zu jung. Wir waren und wir sind nie zu jung, um in seinen Dienst zu treten, es ist auch nie zu spät dafür. Genauso wenig, wie man hierfür zu alt, zu schwach und gebrechlich ist. Jederzeit – das ist die rechte Zeit.

Der Lohn hierfür? Gottes Wort zählt! Er hat Jeremia gerettet aus der Bredouille. Ein jedes Mal. Gott gab Jeremia den Auftrag und als Gegenleistung erfüllte er seine Zusage, er hat Jeremia errettet.

Gottes Wort ist mächtig. Vieles machte und macht Gott durch sein Wort. So heißt es vor all unserer Zeit: "Gott sprach: es werde Licht. Und es ward Licht" – Der Herr beauftragte zahlreiche Propheten und Auserwählte, die seine Worte verkündigen sollten, und alle diese Worte traten ein. Sowohl die Wunder und Wohltaten für das Volk, aber auch alle Unheilsprophezeiungen, wenn das Volk wieder einmal von Ihm abfiel und nicht umkehren wollte. Diese Worte konnten Mauern einreißen, sowohl die der Feinde als auch die eigenen. Allein, die eigenen Mauern mussten fallen, damit etwas Neues aufgebaut werden konnten. Quasi: Durch das Dunkel zum Licht. –

Jeremia hatte seinen Auftrag zu erfüllen, und er tat es. Er verkündete dem Volk das Unheil vom drohenden Untergang Jerusalems, und es geschah so; er verkündete aber auch das Wiederauferstehen des Volkes, und es geschah so. Er wurde zwar noch gehört von seinem Volk, allein, umkehren und den Worten folgen wollten nicht viele.

Aber, was hat das alles mit uns zu tun? Nach weit über 2.500 Jahren? Nichts? Geschah Gottes Wort zu uns und sagte: "Lieber Karl, lieber Daniel, liebe Maria, oder liebe oder lieber "Ich-kenne-deinen-Namen", ich kenne dich, ich kenne dich schon lange, und du sollst jetzt mein Prophet sein? – Nein? – Also, warum darüber predigen? Gibt es nicht lehrreichere Texte, die Lektoren und Pfarrer von der Kanzel her auslegen sollen? Wir haben doch keinen Auftrag vom Herrn da oben erhalten, oder? – Sind wir berufen worden? – – Ja, das sind wir. Berufen schon vor unserer Zeit, und unseren Auftrag erhielten wir auch vor unserer Zeit. Vor fast 2.000 Jahren wurde ein Wort gesprochen, das sich auch an uns heute richtet, ein Wort, das unser Auftrag ist: "Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." – Taufen? Das betrifft mich doch nicht, werden viele jetzt sagen. Ja, das stimmt. Nur wenige von uns hier werden aktiv taufen, dafür aber zählt der Rest dieses Auftrages umso mehr. Jeden einzelnen von uns. Getauft wurden wir, unsere Eltern und Paten brachten uns zur Kirche, und wir kamen so endgültig zu unserem Auftrag. Einem Auftrag, den wir all zu gerne vergessen, weil es einfach bequemer ist, nicht daran zu denken. Dabei müssen wir heute, in unserem schönen Land noch nicht einmal mit Verfolgung rechnen. Über unseren Auftrag zu reden, über unseren Glauben zu reden, ach, das schickt sich doch nicht. Wir gehen zwar noch schön brav in den Gottesdienst, aber wenn wir aus dem Portal schreiten, dann vergessen wir es wieder. Eine Woche lang Ruhe von diesem Auftrag, es reicht ja, am nächsten Sonntag wieder daran zu denken.

Soviel zu unserem Auftrag … Und unser Wort? – Da geben wir nicht viel drauf. Unser Wort ist doch Menschen- und nicht Gotteswort, uns wurden nicht die Worte in den Mund gelegt, wie dem Jeremia. Ist das der Grund, warum wir unserem Auftrag so widerwillig nachkommen? Allein, wir machen den ganzen Tag Worte, viele Worte, bei jeder Gelegenheit und Ungelegenheit – da könnte doch einmal eines dabei sein, dass auch nur halbwegs in die Richtung unseres Auftrages geht. Doch dann sollte es auch so gemeint sein. Viele sprechen viel von Gott, oder sprechen viel von ihrem Glauben, oder sprechen im Gottesdienst alles mit – doch nur weil es dasteht. Was es aber bedeutet, darüber denken viele nur wenig nach. Viele sprechen das Sündenbekenntnis, bekennen, was sie die Woche über oder aber in ihrem ganzen Leben angestellt haben, lassen sich die Gnade zusprechen – und wenn sich das Portal hinter ihnen schließt, ja dann … Nächste Woche kann ich ja wieder bekennen. Ist das aber so gemeint? –

Wir machen viele Worte in unserem Leben, jeden Tag – besonders wenn es nicht um unseren Glauben geht. Viele Worte und sagen tun wir wenig. Wenig Inhalt, doch anrichten können wir auch damit viel. Nicht nur Gottes Wort kann einreißen, ausreißen und zerstören; auch und gerade unsere Worte können dies erreichen. Ein falsches Wort zur unrechten Zeit kann einen Menschen zerstören. Im Beruf, in der Familie, im Bekannten- und Freundeskreis. Wie groß ist wohl die Wahrscheinlichkeit, bei vielen unbedachten Worten das Falsche zu sagen? Hoch, sicherlich. Wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit bei bedachten Worten das Richtige zu sagen? – Höher? Gleich hoch? Niedriger? – Egal, doch sicherlich ist dies besser, denn mit bedachten Worten, kann man nicht nur einreißen, sondern vor allem aufbauen und pflanzen. Einem Freund Mut zusprechen für eine Prüfung, anstatt über Prüfungen im Allgemeinen zu reden und vielleicht noch zu erwähnen, dass der Prüfer nicht gerade als Menschenfreund gilt. Den Eltern und den Partnern zu danken, für alles, was sie für einen im Leben geleistet haben, dass sie bei einem an der Seite stehen. Für gute Worte gibt es immer eine rechte Zeit – doch ernst müssen sie gemeint sein.

Gott spricht zu uns. Von ihm haben wir unseren Auftrag. Einen Auftrag, der uns belasten kann. Einen Auftrag, der auch Jeremia belastet hat. Jedoch: Jeremia hat eine Zusage bekommen, denn es steht hier: "Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR." Gott hat den Auftrag ernst genommen und er hat seine Zusage ernst genommen. Er stand Jeremia bei, in jeder Situation. Warum also sollte er nicht auch seine Zusage an uns ernst nehmen, wenn wir unseren Auftrag ernst nehmen. Denn er spricht zu uns: "Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende"? – Das schöne ist ja auch: er macht nicht nur Zusagen und hält sie auch, sondern er bekräftigt diese Zusagen ja auch noch durch Taten. Wenn wir schon an seinen Worten zweifeln mögen, so können wir immer noch die Taten sehen. Eine Tat, so heißt es ja, sagt mehr als tausend Worte. Und was sagt uns da der Tod von seinem Sohn am Kreuz? Für uns gestorben und auferstanden – kommen wir daran vorbei? Nein. – Gott gab uns einen Auftrag und eine Zusage, wir müssen das erste ernst nehmen und können dem zweiten, eben seiner Zusage, sicher sein.

drucken