Was erwarten wir vom Advent Christi?

Advent heißt Ankunft. Der Advent ist nicht einfach Vorweihnachtszeit, sondern er ist mehr. Wir erwarten in Erinnerung an die Gabe unseres Herrn Jesus Christus die endgültige Ankunft Christi, den Anbruch des Reiches Gottes, aber wir warten nicht auf das Christkind. Wir warten auf das Heil, das uns versprochen ist, aber das noch nicht vollständig ist. Advent ist die angespannte Zeit des Wartens. Dazu ermutig uns der Schreiber des Jakobusbriefes:

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Was erwarten wir vom Advent Christi?

Als Jugendliche haben wir das Klingeln herbeigesehnt, das Ende der Unterrichtsstunde, das Ende des Unterrichtstages, die Ferien, das Ende der Schulzeit. Später das Ende der Berufsausbildung, den Urlaub. Was erwarten wir dann …? Manchmal warte ich ungeduldig in einem Wartezimmer – beim Arzt auf einer Behörde o.Ä.. Aber auf welche Zukunft warte ich eigentlich? Auf die Rente, auf den Tod, auf das Erwachsenwerden von Kindern oder Enkeln?

Manches haben wir vorhin im Lied ausgedrückt:
1. O Heiland, reiß die Himmel auf,
herab, herab vom Himmel lauf,
reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
reiß ab, wo Schloss und Riegel für.
2. O Gott, ein‘ Tau vom Himmel gieß,
im Tau herab, o Heiland, fließ.
Ihr Wolken, brecht und regnet aus
den König über Jakobs Haus.
3. O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd,
dass Berg und Tal grün alles werd.
O Erd, herfür dies Blümlein bring,
o Heiland, aus der Erden spring.
4. Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm, tröst uns hier im Jammertal.

Solch ein Lied ist ein Gebet: O Heiland … Wir warten auf Trost, wie der Bauer auf Regen und Sonne. Aber, wenn wir genau auf dieses Bild sehen, das Jakobus dort gebraucht merken wir: Der Bauer legt auch nicht die Händen in den Schoß. Er wartet und er pflegt. Sein Warten ist ein sehr überlegtes Geschehen. Er schaut nach seinem Acker, er düngt und bekämpft das Unkraut. Er schaut und pflegt und manchmal wässert er auch. Es geht um das geduldige und tätige Warten. Der Bauer würde auch nicht versuchen, den Pflanzen beim Wachsen nachzuhelfen. Er weiß genau. Da ist Einiges, was er tun kann. Aber das Andere muss er in Gottes Hand legen. Er wartet darauf, dass Gott seinen Segen dazu gibt.
Unsere Adventszeit ist ja eine Zeit der Hektik. Diese Woche las ich in der Zeitung, dass die Engländer alle Jahre wider Angst haben vor dieser Zeit – mehr Angst als vor dem Zahnarzt. Eigentlich ist diese Meldung weniger belustigend, als vielmehr ein Zeichen für das, was Advent für viele Menschen – auch bei uns – wirklich bedeutet.

Advent kann bedeuten: Erst einmal hinschauen: Was ist – wie lebe ich – wie leben Menschen in meiner Zeit? Das kann zu einem allgemeinen Jammern, zu einer allgemeinen Unzufriedenheit führen nach dem Motto: Es ist alles so böse, aber was soll ich armes Wüstchen tun? Es kann aber auch dazu führen, dass ich das Meine tu, dass ich sehe, wo ich etwas ändern kann, mich bei Greenpeace oder den grünen Damen engagiere, eine Jungschar aufbaue oder mich in der Arbeit für Behinderte einsetze. Damit wird die Welt zwar nicht insgesamt geheilt, aber vielleicht doch ein bisschen besser. Ich kann auch hingehen und beten dafür, dass ‚dein Reich komme’. Für mich gehört diese Bitte im Vaterunser zu den wichtigsten Gebetszeilen, die ich kenne. Vor allem aber gehört sie ganz fest in den Advent. Das Gebet, dass Gott seinen Willen endgültig vollendet bei uns und mit uns. Dazu gehört aber auch, dass ich zugebe, dass ich Gottes Wille nicht ganz kenne und auch nicht ganz vollbringen kann. Ich kann nur voller Geduld warten und das Meine tun. Voller Geduld mit dem wiederkommenden Christus und voller Geduld mit meinen Nächsten.

‚Hoffen und Harren macht Menschen zu Narren.’, heißt eine alte Redensart mit der die Hoffnung von Menschen lächerlich gemacht werden soll. Aber wie alle Redensarten hat sie einen ernsten Hintergrund. Wer immer nur hofft, macht alles kaputt. Würden unsere PoltikerInnen nur darauf hoffen, dass der Aufschwung kommt, dass die Krise unserer sozialen Sicherungssysteme sich in Luft auflöst, wären sie Spinner und fehl am Platze. Sie müssen etwas tun, womit ich mich allerdings nicht festlegen möchte, ob das, was sie tun richtig ist. Würden wir nur darauf warten, dass diese Welt besser wird, haben wir zwar eine Verheißung, die auf unserem Warten liegt, aber Gottes Willen nicht erfüllt. Wir dürfen uns zu Narren und Närrinnen um Christi willen machen. Aber wir dürfen die Hände nicht in den Schoß legen. Wir dürfen lieben um Christi Willen – Gott und unseren nächsten. Lieben ist lernbar und übertragbar. Ich kann darin wachsen.

In der Hoffnung und im Glauben, dass Gott mit uns noch mehr vorhat, als wir sehen können, lasst uns singen:
5. O klare Sonn, du schöner Stern,
dich wollten wir anschauen gern;
o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein
in Finsternis wir alle sein.
6. Hier leiden wir die größte Not,
vor Augen steht der ewig Tod.
Ach komm, führ uns mit starker Hand
vom Elend zu dem Vaterland.
7. Da wollen wir all danken dir,
unserm Erlöser, für und für;
da wollen wir all loben dich
zu aller Zeit und ewiglich.

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