Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken können

An einem schönen, sonnigen Sonntag setzten sich Bob und Sue mit ihren drei halbwüchsigen Töchtern ins Auto, um gemütlich an den Strand zu fahren und dort den Nachmittag zu verbringen. Bob saß am Steuer, Sue auf dem Beifahrersitz. Alle paar Minuten drehte sich Sue anch hinten und war etwas in die angeregte Unterhaltung ihrer Töchter ein. Bob kam es vor, als ob alle wild durcheinanderredeten. In seinen Ohren klang das Ganze wie ein unaufhörliches und sinnloses Geschwätz. Schließlich platzte ihm der Kragen. „Könnt ihr nicht endlich mal den Mund halten?“ brüllte er.
Erschrockenes Schweigen breitete sich aus. „Warum denn?“ fragte Sue schließlich zaghaft. „Weil ich Auto fahren muss!“ brach es aus ihm heraus. Die Frauen blickten sich verwirrt an. „Auto fahren?“ wiederholten sie verständnislos. Sie konnten einfach keinen Zusammenhang erkennen zwischen ihrem Geplauder und seiner Tätigkeit des Autofahrens. Und er konnte nicht verstehen, warum sie alle gleichzeitig reden mussten, teilweise sogar über verschiedene Themen, und keine der anderen wirklich zuzuhören schien. Warum in aller Welt konnten sie nicht einfach den Mund halten, damit er sich auf das Autofahren konzentrieren konnte? Wegen ihrem Geschnatter hatte er die Autobahnausfahrt verpasst.

Mit dieser kleinen Geschichte, liebe Gemeinde, beginnt ein Buch, das den wunderbaren Titel trägt: „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken können“ Männer und Frauen sind verschieden, stellen die Autoren fest, sie können gar nichts dafür. Sie haben verschiedene Gaben und Schwächen, verschiedene Wahrnehmungen – das hat die Natur so eingerichtet – eigentlich haben sie nur wenig mehr gemeinsam, als dass sie zur selben Species, der Species Mensch gehören. Kein Wunder, dass zusammenleben sich manchmal schwierig gestaltet. Viele Alltagserfahrungen der Geschlechter werden hier zusammengetragen: Männer haben die ausschließliche Verfügungsgewalt über TV-Fernbedienungen und zappen vorwärts und rückwärts durch die Kanäle, Frauen stört es nicht, sich auch hin und wieder ein wenig Werbung anzusehen. Männer kritisieren Frauen wegen ihrer Fahrkünste, weil sie Stadtpläne nicht lesen können und Straßenkarten verkehrt herum halten. Frauen finden immer die verlegten Autoschlüssel wieder, aber selten den kürzesten Weg zu ihrem Ziel. Wenn ein Mann zur Toilette geht, dann tut er das nur aus einem Grund. Für Frauen dagegen ist die Toilette Gesellschaftsraum und Therapiezentrum. Männer und Frauen sind verschieden. Sie müssen einander in ihrer Verschiedenheit akzeptieren lernen, sonst klappt das nicht.Dass es manchmal schwierig ist, weiss wohl jeder, der sich schon mal ernsthaft auf das andere Geschlecht eingelassen hat.

Um das Thema Mann und Frau geht es auch in unserem Predigttext. Wie ist das, wird Jesus gefragt, wenn Mann und Frau sich nicht mehr vertragen? Darf man sich scheiden lassen? Die Pharisäer sind es mal wieder, diese Besserwisser. Sie wissen genau, dass es zwar durch Mose erlaubt wurde, aber sie wissen auch, dass es nicht im Sinne des Schöpfers ist. Sie wollen wissen, was Jesus auf diese Frage antwortet. Und der sagt: Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben; aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.

Drei Dinge sind für Jesus wichtig:

1.Von Beginn der Schöpfung an hat Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen.
Lange vor der Frauenbewegung, lange vor dem Buch, aus dem ich zitiert habe und ange, lange selbst vor der Zeit Jesu wurde der Mensch geschaffen als Mann und Frau. Verschieden eben. Zwei verschiedene Sorten Mensch. Um noch mal auf das Einparken zurückzukommen: Dazu braucht man räumliches Denken und das ist naturgegeben – oder schöpfungsgegeben? – überwiegend in der rechten Gehirnhälfte angesiedelt. Bei Jungen wächst diese rechte Gehirnhälfte schneller als die linke, bei Mädchen wachsen die beiden Hälften gleichmäßiger. Räumlich denken – das können Männer in der Regel besser als Frauen. Hinten und vorne überblicken – die meisten Frauen wählen lieber eine größere Parklücke und gehen dafür ein paar Schritte zu Fuß. Männer dagegen haben Schwierigkeiten mit dem Reden. „Warum ist Mose 40 Jahre lang durch die Wüste geirrt?“ fragen die Autoren. „Weil er sich geweigert hat, nach dem Weg zu fragen.“ Auch dieses Verhalten kann die Hirnforschung erklären: Der ganze emotionale Bereich und der Bereich der Sprachverarbeitung ist bei Frauen gleichmäßig über beide Gehirnhälften verteilt, bei Männern sind es nur einzelne, schwer zu verortende Punkte, die das leisten. Die können einfach nicht so gut reden und zuhören, sie können besser handeln und analysieren. Von Beginn der Schöpfung hat Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen – offensichtlich ist das von der Schöpfung so vorgesehen, dass Männer und Frauen verschieden sind und bleiben sollen. Die Konflikte, die sich daraus ergeben, hat unser Schöpfer in Kauf genommen. Mann und Frau sind einer für den anderen geschaffen, sie sollen sich gegenseitig ergänzen. Was der eine nicht kann, kann die andere – wo ist das Problem? Das muss doch irgendwie gehen! Denn: Dass Mann und Frau was voneinander wollen, sich zueinander hingezogen fühlen, miteinander das Leben teilen möchten – das hat sich in den Jahrtausenden nicht geändert – auch das ist anscheinend vom Schöpfer so gewollt und vorgesehen.

Und damit sind wir bei dem 2. Punkt Jesu: Weil Gott Mann und Frau miteinander verbindet, soll der Mensch diese Verbindung nicht trennen.
Gott verbindet Mann und Frau in der Schöpfung, er verbindet sie aber auch Traualtar. Wenn Mann und Frau in die Kirche kommen, dann wollen sie in besonderer Weise verbunden sein, nämlich durch Gottes Segen. Dann bekennen sie sich zu dem, der ihr und unser Schöpfer ist und ich lese bei jeder Trauung diese Worte Jesu: Gott, der am Anfang den Menschen geschaffen hat, er schuf sie als Mann und Frau. Und: Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. „Wir sind auch nur Tiere.“ Stellen die Autoren fest. Instinktgesteuert und in wesentlichen Teilen unseres Gehirns vorprogrammiert. Wir können oft nicht anders sein, als wir sind. Die Bibel hat da ein anderes Bild vom Menschen. Der Baum der Erkenntnis im Paradiesgarten stellt den Menschen vor die Entscheidung, wie er sich verhalten will. Wenn sich Mann und Frau verbinden, dann sind sie nicht von biologischen Ketten gehalten, im Gegenteil, viel von ihrer Biologie droht sie auseinanderzutreiben. Es bedarf manchmal gewisser Willenskraft und Entscheidungsstärke, die einmal eingegangene Verbindung zu halten.
Unsere Biologie, die Hirnforschung hat kein Bild von dem Schmerz, der durch Scheidung entsteht – einem Schmerz, an dem die Pharisäer zur Zeit Jesu anscheinend auch nicht besonders interessiert waren. Nicht nur die Kinder des Paares leiden bei einer Trennung: Freunde und Verwandte werden zwischen die streitenden Parteien aufgespalten. Die Schwiegertochter, die im Laufe der Jahre wie eine eigene Tochter geworden war, soll auf einmal nicht mehr dazu gehören, weil der Herr Sohn in der Midlifecrisis zum Opfer seiner Hormone geworden ist? In unendliche Schwierigkeiten und große Schmerzen führt, wenn der Mensch scheidet, was Gott zusammengefügt hat. So viele Gründe es geben mag, sich zu trennen und so oft es anders auch nicht mehr geht – die Erfahrung zeigt, dass eigentlich jede Trennung teuer erkauft wird. „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“ Jesu Worte sind unmissverständlich. Aber wir alle leben von Vergebung, nicht wahr?

Der dritte Punkt Jesu bringt uns auf neue Wege. Er sagt: Ehescheidung hat etwas mit Herzenshärte zu tun. Wegen eures Herzens Härte hat Mose die Ehescheidung ermöglicht. Ja, warum funktioniert es denn so oft nicht zwischen Mann und Frau? Männer und Frauen sind verschieden, haben wir festgestellt, aber sie wollen das oft nicht wahrhaben. Wenn Paare zum Traugespräch kommen, erlebe ich immer wieder eine bedrückende Einigkeit. „Wir machen alles gemeinsam, wir haben soviele gemeinsame Interessen, wir passen so gut zusammen!“ jubeln sie manchmal voller Freude. Junge Paare sind auf die Entdeckung ihrer Verschiedenheit oft nicht gut vorbereitet. Dann kommt Enttäuschung auf, wenn der Partner auch mal etwas alleine machen möchte. Dann entsteht Bitterkeit, wenn er sie nicht so versteht, wie sie sich das wünscht. Dann hören Paare auf, miteinander zu reden, wenn sie zur Familie werden, wenn sie zur Mutter wird und er zum Ernährer wird. Auf einmal ist dann da nichts mehr, wo vorher noch die große Liebe war. Naja – oft kommt dann jemand von außen, ein anderer Mann, eine andere Frau – und das wars dann. Unseres Herzens Härte – vielleicht hat er Recht. Es fällt uns so schwer, einander von Herzen zu vergeben, einer den anderen so zu akzeptieren wie er ist, dem Partner die Freiheit zu geben die er braucht, der Partnerin die Liebe zu geben, die sie nötig hat. Herzen verhärten sich oft im Laufe der Zeit, in den schwierigen Erfahrungen des Miteinanders, im Missverstehen, Streiten und Zerschweigen. Dann gibt es oft keinen anderen Ausweg als den der Trennung.

„Männer streben nach Macht, Erfolg und Sex. Frauen streben nach Beziehungen, Stabilität und Liebe. Sie darüber aufzuregen ist ungefähr so sinnvoll, wie den Himmel zu verfluchen, dass er Regentropfen zur Erde schickt – regnen wird es dennoch.“ So die Autoren des Buches. Gott schuf am Anfang den Menschen als Mann und Frau, verschieden. Er schuf, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen, er schuf den Menschen als Paar. Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht wegen der Härte seines Herzens scheiden. Hier stehen wir nun, Gemeinde im Jahr 2003, in einer Zeit, wo bald die Hälfte der Ehen geschieden wird. Was sollen wir nun dazu sagen? Nun, Gott segnet Mann und Frau. Von Anbeginn an liegt Segen auf der Verbindung. In seinem Segen liegt Liebe und Kraft. Mit seinem Segen und mit Gottes Hilfe kann es gelingen, dass Mann und Frau miteinander alt werden, ihr Leben teilen, einander helfen. Es ist unsere Aufgabe als Gemeinde, Paare an diesen Segen zu erinnern. Es ist die Aufgabe der Paare, die Kraft Gottes abzurufen und für ihr gemeinsames Leben fruchtbar zu machen. „Ja, mit Gottes Hilfe“ – das sagen Mann und Frau einander am Traualtar zu. Mit Gottes Hilfe kann gelingen, was wir uns so sehr wünschen.

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