Warten auf Jesus

Liebe Gemeinde!

Warten auf Jesus, darum geht es in unserem Predigttext, Warten auf unseren Herren und Heiland.
Dreimal ist Jesus in die Welt gekommen:
– bei seiner Geburt, als Gott Mensch, das Wort Fleisch wurde Weihnachten
– bei seiner Auferstehung, als er Tod und Hölle besiegte Ostern
– im lebendigmachenden Geist, der unsere Herzen zum Glauben führt Pfingsten.

Einmal noch wird er wiederkommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Und jedesmal vor seinem Kommen: das Warten und die Dunkelheit und Traurigkeit. Die Welt sehnte sich in ihrer Finsternis nach dem verheißenen Messias vor seiner Geburt, die Jünger waren zerstreut und verzweifelt vor seiner Auferstehung, sie fühlten sich einsam und verlassen nach der Himmelfahrt und vor dem Geschenk des Geistes.

Warten und Geduld sind schwierig, sie weisen ja immer auf etwas hin, das noch nicht da ist, das erwartet wird. Sie weisen oft auch auf Leiden und auf eine tiefe Sehnsucht im Herzen hin. Wie sehr sehnt sich der Kranke nach Gesundheit, der Einsame nach einem Menschen, der ihm zuhört, der Mensch in Not und Schuld nach Erlösung.

So war es zu allen Zeiten, nicht nur damals vor 2000 Jahren, als die Menschen sich nach einem Retter sehnten, ungeduldig darauf warteten, dass Gott endlich seine Verheißungen erfüllen möge. Es lag eine tiefe Finsternis über einer Welt ohne Jesus vor seiner Geburt, es liegt eine tiefe Finsternis über einer Welt nach seiner Geburt, die das Kind in der Krippe allerhöchstens zur Deko verkommen lässt und nicht begreifen will oder kann, wie groß das Geschenk ist, das Gott uns macht.

Und nun diese Wortde des Jakobus: Lasst euch nicht beirren! Seid geduldig und wartet auf den Herren! Ich denke manchmal: Es ist unglaublich, wie aktuell die Bibel ist und wie sehr ihre Worte diese Welt bewegen müssten, wenn ihre Augen nicht gehalten würden, so dass Sie IHN nicht erkennen.

Ich möchte euch heute in drei Schritten/Überschriften diesen Worten des Jakobus näherbringen.

1) Die Nacht der Welt oder: Welt ging verloren: Weihnachten ohne Jesus und ohne Anbetung
Die Welt rüstet sich auf IHR Weihnachtsfest. Einen Tag vor dem Volkstrauertag Mitte November fand in Tondern schon der "Einmarsch der 52 Weihnachtsmänner" statt, die ganze Stadt ist seitdem in knalligen Farben und grellen Lichtern hergerichtet. Und nicht nur sie. Allüberall: Seit Wochen schon Lebkuchen, Spekulatius und anderes weihnachtliches Zubehör. Geschenkbeilagen, Tannendeko, Sterne, Kerzen, Kugeln in den Fenstern. Die Vorweihnachtszeit hat begonnen, und mit ihr ein wahnwitziger Marathon, der am 24.12. endlich sein besinnliches Ende finden soll. Welt ging verloren.

Nun wird ja auch im Bereich der Welt geklagt über die "Verflachung, Veräußerlichung und Kommerzialisierung" des Weihnachtsfestes. Alles ist so anstrengend. Und das ist doch so traurig, schließlich sei Weihnachten doch in Wahrheit das FEST DER FAMILIE, DER LIEBE, DES FRIEDENS UND DER KINDER. Und diese profane Weihnachtsbotschaft ist also nun auch immer wieder zu hören: in rührseligen Erzählungen, in sogenannten christlichen Andachten, im Radio und auf der Straße. Weihnachten – das Fest der Liebe und des Friedens.
Keiner fragt, wer hier mit wem Frieden macht und wer hier wen geliebt hat und um welche Familie es geht. Keiner fragt, weil die Antworten doch klar sind, oder? Es geht natürlich UM FRIEDEN UND LIEBE IN UNSERER FAMILIE UND MIT DEN NACHBARN, um STRAHLENDE KINDERAUGEN am Tannenbaum, der uns ja soviel lehrt, nämlich “TREUE UND BESTÄNDIGKEIT.” Kurz: Es geht um ein schönes Märchen, wie die Geschichte vom Weihnachtsmann, die man als kleines Kind noch glaubt, bis man sie irgendwann dann einmal als erledigt abtut. Die Krippe ist maximal zur Deko geworden, wenn sie denn überhaupt noch noch einen Platz am Weihnachtsbaum oder in der Stube hat.

Die Gebildeten unter den Verächtern Jesu erheben sich in Konzerten und Krippenaustellungen, auf teuren alten Weihnachtsmärkten mit ihren Schickimickis, während das Volk auf den Weihnachtsbasaren der Dörfer zu finden ist, die seit vorletztem Jahr ja nun leider nicht mehr am Totensonntag stattfinden dürfen, sondrn am Sonnabend zuvor. Am Heiligabend rennen dann viele in den Gottesdienst, sofern er zum internen Familientiming mit Essen und Bescherung passt. Am ersten und zweiten Weihnachtstag sind die Kirchen wieder leer wie ehedem. Und ist die Sehnsucht nach wahrem Leben und Erlösung gestillt? Sind die Herzen oder nur die Bäuche voller geworden?

Die Geburt Jesu findet bis heute im totalen Abseits statt, im Dunkel eines armseligen Stalles, fernab einer hell erleuchteten Welt, die wie besoffen feiert und sich freut, wenn bald alles wieder vorbei ist und man sich zu Sylvester die Kante und WIE JEDEN TAG WEITERLEBEN kann. Die Menschen irren inmitten hell erleuchteter Städte an bald verkaufsoffenen Sonntagen geistlich in tiefster Nacht umher, wie Schafe, die keinen Hirten haben. In Sünde und Schuld verstrickt ohne eine lebendige Hoffnung sind sie blind für die unglaubliche Tat, die Gott damals getan hat, als er Mensch wurde. Und nun kommt die zweite Überschrift:

b) Christ ward geboren – Die Nacht ist vorgedrungen
Was damals geschehen ist, ist so unglaublich wichtig und bedeutsam, dass mir selbst manchmal körperlich schlecht wird, wenn ich sehe, wie verachtet Jesus bis heute ist. Ich möchte manchmal schreien in die Adventsmärkte hinein: Hört auf mit diesem ganzen Schmierentheater. Kehrt um. Kommt zu Krippe, geht mit zum Kreuz, hier allein findet ihr Trost und Rettung. Ihr könnt euch noch soviel Glühwein auf euer unruhiges Herz, eure Not und eure Schuld kippen, ihr findet so keinen Frieden mit Gott.

Den findet ihr nur bei Jesus, dem Sohn Gottes und nur, wenn ihr ihm auf seinen Weg von der Krippe zum Kreuz (während die Welt wieder IHR Ostern feiert) nachfolgt. In ihm hat Gott seine Liebe zu einer verlorenen Welt gezeigt. "Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewigen Leben haben." Insofern ist Weihnachten tatsächlich des "FEST DER LIEBE", aber der Liebe Gottes zu den "Menschen seines Wohlgefallens". Und auch das "FEST DES FRIEDENS", nämlich der Tag, an dem Gott den Menschen Frieden und Versöhnung in Jesus anbietet. Und auch das "FEST DER FAMILIE", nämlich der heiligen Familie, die diesen Schatz Gottes bewahrt vor der Verfolgung und Mord und sich kümmert und sorgt. Und es ist auch "FEST DER KINDER", nämlich der unschuldigen Kinder, die eine unruhig gewordene Weltmacht in ihrem Wahn, Jesus hinfortzuschaffen, ermorden lässt.

Und bis heute versucht die Welt dies: Jesus hinfortzuschaffen, ihn zu vertreiben aus den Festen, die einst in ihm gründeten, aus der Verkündigung unserer Kirchen, ihn zu streichen aus dem eigenen Leben, das doch in der noch meist praktizierten Taufe ihm unterstellt wurde. Die ausgestreckte Hand Gottes auszuschlagen und eben nicht umzukehren vom Weg des Todes und des Verderbens. Zur Krippe zu kommen und Jesus unser Herz zu geben, das allein macht uns den "Menschen seines Wohlgefallens", von denen Lukas im Evangelium spricht.

"Menschen seines Wohlgefallens" bedeutet nicht tote Werke zu verrichten, sondern zu glauben, wie Luther sagt, "dass Jesus Christus, wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben; damit ich sein eigen sei und in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit. Das ist gewisslich wahr." Noch mal: Jesus eigen sein, Jesus gehören und mit ihm leben, ihm mein Herz zu geben: das ist lebendiger Glauben. Nun kommt die dritte Überschrift meiner Predigt:

Die Nacht ist vorgedrungen
Jesus ist in die Welt gekommen, er kommt heute zu den Menschen, die ihn aufnehmen und: er wird wiederkommen – für alle sichtbar und nicht zu leugnen. Die Krippe ist nur eine wichtige Station im Plan Gottes mit der Welt und mit uns, seine Geschichte mit uns geht weiter, zum Kreuz, durch Not und Tod im Glauben zu seiner Herrlichkeit. Darauf warten wir. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.

Den dritten Teil der Predigt wollen wir zusammen singen:

Die Nacht ist vorgedrungen EG 16,1-5

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