Warten auf das Christkind?

Advent – Warten auf das Christkind? Oder was meinen wir, wenn wir Advent sagen. Ich denke Advent ist tatsächlich mehr als Vorweihnachtszeit, ist mehr als nur Zeit der Festvorbereitungen, obwohl das sicher auch dazu gehört.

Advent war immer auch die Zeit, in der Christinnen und Christen daran denken, dass Weihnachten nicht der Endpunkt für irgend etwas ist, schon gar nicht der Höhepunkt, sondern ‚nur‘ der Anfang. Mit der Geburt des Kindes im Stall hat eine Geschichte begonnen, die am Kreuz noch lange nicht zu Ende ist und die heute noch weiter andauert. Wir haben seit damals eine Verheißung, dass etwas begonnen hat, das nur er vollenden kann: das Reich Gottes. Wir haben aber auch einen Auftrag, dass wir an diesem Reich mit bauen dürfen. Wir dürfen leben in der Nachfolge des Kindes in der Krippe und das Reich Gottes tätig erwarten. So wie es vor Jesus schon Johannes der Täufer getan hat. Von ihm handelt unser heutiger Predigttext:

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Da sitzt einer im Gefängnis. Die Gefängnisse vor 2000 Jahren sahen wohl etwas anders aus als unsere. Wer Freunde hatte, der empfing Besuch, konnte diskutieren und reden, war allerdings auch immer der Willkür der Macht ausgesetzt. Dieser, der da im Gefängnis sitzt, vom König Herodes bedroht, später auch auf dessen Veranlassung geköpft, der beobachtet im Gefängnis im Gespräch mit seinen Freunden seine Welt. Johannes heißt er – und wir nennen ihn den Täufer. Er hatte Menschen getauft, die zu ihm kamen. Und er hatte Veränderung gepredigt. Für die Einzelnen, dass sie sich ändern sollten, dass sie neue Menschen werden sollte. Er hat seine Zeit sehr deutlich beobachtet und das Unrecht angeprangert und das Gericht Gottes angekündigt. Folge seiner deutlichen Gerichtspredigt, war sein Gefängnisaufenthalt. Er hatte das Unrecht, das von Herodes ausging deutlich beim Namen genannt. Er hat Unrecht Unrecht genannt und auch von Herodes erwartet, dass er sich ändert. Von ihm als Mächtigen und von allen anderen Menschen.

Genauso deutlich hat er gesagt, dass Gott seinen Boten senden wird, seinen Messias, die Welt grundlegend zu erneuern. Er hatte Jesus von Nazareth getauft, weil er der Meinung war, der sei es, auf den zu warten sich lohnt, von dem die Erfüllung des Willens Gottes zu erwarten ist. Nun ist er ratlos. Da passiert so wenig. Kein Römer ist vertrieben, die Gewaltherrschaft des Herodes nicht angegriffen, seit dieser Jesus aufgetreten ist. Er bekommt Zweifel – und da wo wirkliche Zweifel sind, lohnt es sich immer nachzufragen. Das tut er:

Für das Evangelium ist die Sachlage klar: Blinde sehen und Lahme gehen. Schau hin, da passiert doch etwas. Aber ein klares Ja oder Nein ist das nicht. Da passieren Dinge, die sind toll, aber sind sie auch mehr als das? So einfach ist das glaube ich auch heute noch nicht, wenn wir fragen: Ist Jesus der Sohn Gottes? Ich denke Jesus will es weder Johannes noch uns leicht machen mit seiner Antwort. Er drängt auf eine persönliche Entscheidung. Ich muss mich ganz persönlich entscheiden: Reicht mir das, was ich über Jesus weiß, das was ich über seine Kirche weiß, um von Gott noch etwas zu erwarten? Die Fakten sind nur das eine. Der Glaube, die persönliche Haltung müssend dazu kommen. Meine adventliche Haltung etwas zu erwarten oder alles abzuhaken wir eine vorweihnachtliche Einkaufsliste.

Kann es nicht so sein, dass die Kirche, dass die Menschen, mit denen ich in meiner Gemeinde und in der Kirche etwas zu tun haben, mir täglich neu Weihnachten predigen, nämlich die Tatsache, dass mit ihnen täglich neu Gott Mensch wird?

Thema ist: Warten auf den Kommenden. Die Frage ist: Wer wartet noch wirklich? Wer erwartet noch etwas. Ist nicht eher die vorherrschende Haltung: ‚Es ist alles geschehen‘? Sind wir noch (wie Johannes) neugierig auf die Offenbarungen, die Gott für uns bereit hält? Sehen wir heute noch, wie Menschen geholfen wird? Wie die Werke der Diakonie Menschen helfen?

Absolute Klarheit gibt es nicht. Es gibt nur Beobachtung der Spuren in meinem Leben und im Leben der Anderen. Aber an diesen Spuren kann und will mir Gott zeigen: Ich bin auf dem Weg.

Jesus beschreibt, wer Johannes für ihn ist – Ein Rohr im Wind ist er, nicht einer jener prächtig geschmückten Herren, die etwas zu sagen haben und doch nur Getriebene sind. Ein Rohr im Wind, hilflos und manchmal auch haltlos, gebogen vom Wind. Es hat Halt im Boden und bewegt sich doch. Dieser Johannes ist Bote des Kommenden. Sein Ziel ist der Messias. Er ist aber nicht einfach ein göttlicher Bote von oben herab, sondern er ist Zukunft, neue Zukunft für Gott, Welt und Mensch. Und er kommt in die Geschichte der Menschen und verändert sie.

Das Ganze ist eben auch politisch zu verstehen; denn wer über Johannes redet, der redet auch über Herodes, der ihn kalt stellte und hinrichtete. Wer wirklich Neues erwartet, erwartet auch das Gericht über das Kommende. Auch das gehört zu Weihnachten, dass die Armen, die Hirten gerufen werden und die Reichen, die Mächtigen, die Weisen sich klein machen müssen und die gewohnten Wege über die Macht des Königs verlassen müssen, um zu diesem Kind zu kommen.

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