Vollmacht

Neidisch schaue ich auf die volle Kirche, die Jesus Christus noch um sich versammelt. Von ihm wird berichtet, dass sich so viele Menschen um ihn versammelten, dass die Menschen gar nicht richtig an ihn herankamen. Trotzdem haben sie es versucht und manche Tricks dabei angewandt.

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Na Ja mit Heilungskünsten könnte ich es ja vielleicht auch schaffen, dass die Menschen sich zu mir drängen, aber manchmal war Jesus das ja genau peinlich und unangenehm, dass viele Menschen nur deswegen zu ihm kamen, weil von ihm heilende Kraft ausging. Vielleicht veranlasst ihn das, zuerst einmal Schuld aufzuheben, Sünden zu vergeben.

Auf jeden Fall: Das provoziert Widerspruch. Eine Krankenheilung – das wäre schön gewesen. Aber Sünden vergeben. Das kann doch keiner. So haben seine Gegner zumindest gesagt. Für sie war das deutlich: Krankenheilung gehört in den irdisch-menschlichen Bereich, Sündenvergebung gehört in Gottes Herrschaftsbereich. Jesus sagt deutlich, dass er Grenzen überschreitet.

In mir regt sich auch Widerspruch: Warum eigentlich Sünden vergeben? Keiner hat nach Vergebung gefragt, der Gelähmte mit Sicherheit nicht – und der Gedanke legt sich nahe: Sagt Jesus hier eigentlich: Krankheit ist nur Folge von Sünden. Das wurde oft in der Geschichte des Glaubens so gesagt. Noch vor etlichen Jahren kam manchen gerade Aids ganz recht, um zu sagen: Sünde! Schließlich hatte diese Krankheit doch etwas mit Sexualität zu tun, wurde oft durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen, vor allem dort, wo häufiger Partner wechselten oder bei Homosexuellen.
Heute wissen wir ein wenig mehr. Wir können dieses Schuldgerede nicht mehr durchhalten gerade angesichts der Aids-Epidemien in Afrika oder Russland, angesichts dieser Krankheit, die eben auch Folge von Vergewaltigung und Missbrauch ist oder bei der Geburt schon übertragen ist. Kein Mensch ist schuldig, nur weil er krank ist.

Und das behauptet Jesus auch nicht. Für ihn gehören Krankheit und Sünde aus einem ganz anderen Grund zusammen. Beides sind Störungen im Mensch sein. Der Mensch ist nie so Mensch wie Gott ihn gewollt hat, wenn er nicht frei ist von Schuld und Krankheit. Aber gerade deswegen ist in Jesus Christus Gott Mensch geworden, um die Menschen zu befreien. Hier wird in Mensch befreit, den seine Freunde zu Jesus schleppen.

Ich denke gerne an diese fünf Freunde, von denen vier große Mühen auf sich nahmen für ihren Freund, dessen Leiden sie beenden wollten, an ihr großes Vertrauen, vielleicht auch an ihre Enttäuschung, als Jesus erst einmal nur von Schuld sprach, wo Heilung notwendig schien. Da hatten sie sich abgemüht, den Zorn des Hausbesitzers auf sich gezogen – und dann das. Vielleicht haben aber auch sie begriffen, dass beides zusammengehört
Vergebung der Sünden ist ungeheuer schwer, wenn sie ernsthaft gemeint ist. Aber sie ist uns geschenkt. Vergebung der Sünden kann menschliches Miteinander möglich machen. Das Gegenteil der Vergebung erleben wir dort, wo Menschen unversöhnlich miteinander umgehen. Daran sterben Menschen im Nahen Osten, im Irak, in Nordirland, in Russland. Dort wo Sünden vergeben werden, können Menschen aufatmen, können sie neue Wege finden, mit sich und ihren Mitmenschen, auch mit ihrer Krankheit und ihren Verletzungen fertig zu werden.

Der stellvertretende Glaube der Freunde wird voll akzeptiert von Jesus. Wir, die wir hier versammelt sind, dürfen uns darauf verlassen, dass Jesus auch auf unsere Fürbitte hört, wenn wir Mensche vor Jesus bringen, wenn wir hier nicht nur im Fürbittengebet das Elend dieser Welt daher plappern, sondern ernstlich vor ihn bringen, uns abmühen, das unsere tun, das Leid beendet wird und ihm vertrauen, dass er hilft.

Mit dieser Geschichte ist der Gemeinde beides verliehen: Vollmacht Sünden zu vergeben und Vollmacht zu heilen. Warum nur sind wir in beidem so wenig selbstbewusst?

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